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Zins-Kommentar : Die große Umverteilung

Blick von Osten auf die Frankfurter Skyline mit EZB am Main Bild: Wolfgang Eilmes

Erstmals seit Jahren sinkt die reale Rendite privater Depots unter Null. Und trotzdem wird die EZB ihre Nullzinspolitik nur zögerlich beenden – zulasten der deutschen Sparer.

          Natürlich geht die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank nicht spurlos an den Erträgen vorbei, die Sparer auf ihre Vermögen bekommen. Jahrelang hieß es beschwichtigend, die reale Gesamtrendite sei ja noch positiv. Steigende Aktienkurse machten die realen Verluste auf Sparkonten oder Anleihen mit Minizinsen wett.

          Doch das trifft jetzt nicht mehr zu. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt haben nun die deutschen Sparer in diesem Jahr reale Verluste auf ihr gesamtes Finanzvermögen hinnehmen müssen, erklärt die Bundesbank. Es wäre höchste Zeit, dass die EZB sich vom ultraniedrigen Leitzins verabschiedet. Die Wirtschaft wächst, die Inflationsraten sind so hoch, dass ein krampfhaftes Anschieben durch die Geldpolitik unnötig ist.

          Leider wird EZB-Chef Mario Draghi aber nur extrem zögerlich aus seiner Nullzinspolitik aussteigen, die Sparer bestraft und Schuldner entlastet. Draghi hat dabei wohl auch die hochverschuldeten Staaten im Süden im Blick. Seine Politik ist Teil einer großen finanziellen Umverteilung, die im Zuge der „Euro-Rettung“ vonstatten geht. Der Nullzins ist ein verstecktes Rettungsprogramm für den Süden, zulasten etwa der hiesigen Altersvorsorge.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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