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Zinsentscheidung der Fed : Geldpolitik im Inflations-Nebel

Liefert, was erwartet wurde: Fed-Chef Jerome Powell Bild: dpa

Leitzinserhöhung im März und beschleunigter Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm: Fed-Chef Jerome Powell liefert wie erwartet. Gleichzeitig darf die Zinswende im März als Eingeständnis der Notenbanker gewertet werden.

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          Der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, hat geliefert, was die Märkte generell erwartet hatten: Eine Leitzinserhöhung im März kann nun getrost eingebucht werden, der beschleunigte Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm bis Anfang März und eine Strategie für das Abschmelzen des mit neun Billionen Dollar großen Anleiheportfolios war ebenfalls kalkuliert worden. Die Finanzmärkte reagierte mit Ausschlägen in beide Richtungen.

          Die Zinswende, die nun für März terminiert ist, darf als Eingeständnis der Notenbanker gewertet: Die Inflation zeigte sich viel beharrlicher als die Fed erwartet hatte. Mit 4,7 Prozent im November war sie nicht nur deutlich höher als das Inflationsziel der Notenbank von 2 Prozent, sondern auch viel höher als die Vorhersagen der Notenbanker. Mit ihrer Prognose von maximal 2,5 Prozent fanden sie sich bester Gesellschaft wieder mit dem Internationalen Währungsfonds, den Rechnungsprüfern des Kongresses, hochbezahlten Bankvolkswirten und den Ökonomen des Weißen Hauses.

          Ein Trost dürfte das für Powell nicht sein, aber ein Anlass für Bescheidenheit, die er tatsächlich betonte. Tatsächlich sieht er die aktuelle Lage wegen der immer noch nicht beendeten Pandemie und wegen geopolitischer Risiken als höchst unsicher an. Er stellte deshalb klar, dass die Zentralbanker keine Vorentscheidung für die Fed-Sitzungen nach der März-Sitzung getroffen haben. In früheren Zyklen pflegte die Fed die Leitzinsen in jeder Sitzung in Minischritten anzuheben, bis die Inflationsgefahr gebannt schien. Powell schloss die Möglichkeit aber auch nicht aus und bekräftigte sie in gewisser Weise mit dem Hinweis, dass die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt sich deutlich stärker präsentierte als im letzten Zyklus der geldpolitischen Straffung von 2016 bis 2019, während die Inflation deutlich höher ist.

          Jetzt lautet die große Frage, ob sie die Straffung der Geldpolitik hinbekommt, ohne eine Rezession auszulösen. Das ist in der Vergangenheit nicht immer gut gelungen. Eine weitere Frage lauert zudem am Horizont: War die Fed eigentlich gut beraten, ihre Geldpolitik neu auszurichten, als sie beschloss, Inflation nicht mehr präventiv zu bekämpfen?                                

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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