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Zeuge : „Höhe der Esser-Prämie hat mich überrascht“

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Durch Essers Arbeit hat die Allianz einen „sehr schönen Gewinn” realisiert Bild: dpa/dpaweb

Der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsrat und Ex-Allianz-Chef Schulte-Noelle hat die bei der Mannesmann-Übernahme geflossenen Millionen-Prämien vor Gericht als überraschend bezeichnet.

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          Die Höhe der Prämie für Mannesmann-Chef Klaus Esser hat sogar den Aufsichtsratsvorsitzenden des größten deutschen Versicherungskonzerns Allianz, Henning Schulte-Noelle, ins Staunen versetzt. Schulte-Noelle, der als Allianz-Chef im Jahr 2000 auch dem Mannesmann-Aufsichtsrat angehörte, sagte am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht: „Ich war überrascht, als ich davon in der Presse las.“

          Die Summe von 15,9 Millionen Euro sei ihm - gemessen an dem in Deutschland üblichen - als ungewöhnlich hoch erschienen. Im Aufsichtsrat selbst aber sei das Thema aber kaum zur Sprache gekommen. „Da gab es keine längeren Diskussionen mit Abwägungen von Für und Wider. Es waren mehr Informationsbruchstücke“, erklärte der 61jährige Manager. Er selbst habe sich gesagt, daß diese Summe außerhalb der Bundesrepublik nicht ungewöhnlich sei. „Ich hatte eigentlich keinen Anlaß, an der rechtlichen Wirksamkeit dieser Zahlungen zu zweifeln“, betonte er. Schließlich seien Prämienzahlungen nach Übernahmeschlachten kein ungewöhnlicher Vorgang.

          Esser und sein Team hätten außerdem sehr professionelle Arbeit geleistet. Die Allianz habe durch die Wertsteigerung der Mannesmann-Aktie einen „sehr schönen Gewinn“ realisiert. Mit Esser selbst habe er über die Anerkennungsprämie aber höchstens beiläufig gesprochen. Als bekannt geworden sei, daß Esser Mannesmann verlassen werde, habe er den Manager aber gefragt, welche beruflichen Pläne er habe. „Ich wollte vorfühlen, ob er für die Leitung eines anderen Unternehmens zur Verfügung stehen würde“, sagte Schulte-Noelle.

          Ackermann wehrt sich gegen Vorwürfe

          Die Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann versuchten unterdessen den mächtigsten Banker der Bundesrepublik vom Vorwurf reinzuwaschen, mit seinem „Ja“ zur Millionenprämie für den früheren Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk eine gravierende Pflichtverletzung begangen und gegen das Aktienrecht verstoßen zu haben. Das Gericht hatte in einem Rechtsgespräch diese Vorwürfe durch die Beweisaufnahme als bestätigt angesehen, dem Angeklagten aber gleichzeitig einen unvermeidbaren Verbotsirrtum zugebilligt.

          Ackermann-Verteidiger Klaus Volk betonte, der Banker habe die Grenzen unternehmerischer Freiheit nicht überschritten und auch keinen Verstoß gegen das Aktienrecht begangen. Denn mit der Prämie in Höhe von 4,5 Millionen Euro sei nicht die Arbeit Funks als Aufsichtsratschef belohnt worden, wofür die Hauptversammlung zuständig gewesen wäre. Vielmehr sei nachträglich die hervorragende Leistung Funks als Vorstandsvorsitzender von Mannesmann in den Jahren 1994 bis 1999 honoriert worden. Dies aber falle sehr wohl in die Kompetenz des Aufsichtsratspräsidiums. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Ackermann „liegen neben der Sache“, ergänzte der zweite Ackermann-Anwalt Eberhard Kempf.

          Ackermann, Esser und Funk müssen sich zusammen mit Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie zwei weiteren Managern wegen des Vorwurfs der „gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall“ beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen laut Anklage die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 genutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.

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