https://www.faz.net/-gqe-6u2od

Zeitungskonzerne : Störfeuer aus dem Axel-Springer-Hochhaus

Auf dem Weg nach Essen? Bild: dapd

Europas größter Zeitungskonzern bietet für die Übernahme des Konkurrenten WAZ 1,4 Milliarden Euro. Die Offerte von Springer-Chef Döpfner platzt mitten in den geplanten Eigentümerwechsel bei der WAZ - und kann den Konzern jetzt lähmen.

          Wenn Mathias Döpfner einmal im Jahr zur Bilanzpressekonferenz der Axel Springer AG in das 19. Stockwerk des kupferfarbenen Verlagshauses einlädt, dann berichtet er gern von seinen hochfliegenden Plänen im Internet. Die Zukunft, so das immer gleichlautende Petitum des Vorstandsvorsitzenden, sei digital. Schon in diesem Geschäftsjahr sieht Döpfner einen Wendepunkt erreicht, weil erstmals die Online-Werbeerlöse diejenigen der gedruckten Zeitungen („Bild“, „Welt“) und Zeitschriften („Hörzu“, „Auto-Bild“) übersteigen werden. Das Berliner Verlagshaus, sagte Döpfner kürzlich, sei „nicht länger ein Print-Unternehmen mit angeschlossener Online-Abteilung“.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Axel Springer AG könnte aber schon bald wieder eine deutliche Verschiebung in Richtung Print-Unternehmen erfahren - wenn Döpfners überraschender Vorstoß vom Freitag ernstgemeint und am Ende gar von Erfolg gekrönt wäre: 1,4 Milliarden Euro bietet Springer, wie in einem Teil unserer Auflage vom Samstag berichtet, für den gesamten WAZ-Verlag mit Sitz in Essen. Es ist zwar nur ein unverbindliches Angebot, aber es platzt mitten hinein in einen geplanten Eigentümerwechsel bei der Essener Zeitungsgruppe. Dort hat die WAZ-Anteilseignerin Petra Grotkamp vor vier Wochen den übrigen Mitgesellschaftern angeboten, deren Hälfte für gut 470 Millionen Euro abzukaufen.

          Döpfners jüngste Milliardenofferte wirft Fragen an seiner bisherigen Strategie auf. Denn der Springer-Chef hat in den vergangenen Jahren den Umbau zu einem internationalen Multimediakonzern massiv vorangetrieben, er hat Regionalzeitungen verkauft und in das Online-Geschäft mit Inhalte-Portalen und Rubriken-Marktplätzen investiert. Allein für das französische Immobilienportal Seloger.com zahlte Springer den stolzen Kaufpreis von 625 Millionen Euro. Ausgerechnet ein Verlag, der wie kaum ein anderer den Eintritt ins Internetzeitalter verschlafen hat, ist Döpfner nun 1,4 Milliarden Euro wert?

          Tatsächlich dürfte Döpfner nur an Teilen der WAZ-Gruppe interessiert sein. In seinem fünfseitigen Schreiben an die Eigentümerfamilien der WAZ gibt er ganz offen „ein erhebliches Interesse an einem Erwerb der WAZ-Beteiligungen in Österreich an ,Krone‘ und ,Kurier‘“ zu erkennen. Die beiden österreichischen Zeitungsbeteiligungen sind Döpfner 200 Millionen Euro wert. Sie würden Springers paneuropäische Boulevardzeitungsgruppe ergänzen. Döpfner war voriges Jahr ein Coup gelungen, als er ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Schweizer Ringier-Verlag gründete, in dem beide Unternehmen ihr Auslandsgeschäft in Osteuropa bündeln konnten. Auch die Programm- und Frauenzeitschriften der WAZ („Die Aktuelle“, „Das Goldene Blatt“) könnten das Springer-Sortiment gut abrunden. Döpfner bietet 90 Millionen Euro und für die WAZ-Anzeigenblätter 150 Millionen Euro.

          Doch die WAZ-Gruppe lebt vor allem von ihren drei Dutzend Regionalzeitungen („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Braunschweiger Zeitung“). Zuletzt erwirtschaftete sie einen Umsatz von mehr als 1,1 Milliarden Euro. Viele Titel haben in den vergangenen fünf Jahren erheblich an Auflage eingebüßt, das Flagschiff „WAZ“ verlor fast 40 Prozent. Aber dank großer Sparanstrengungen und ihrer starken Stellung im Ruhrgebiet sind die Regionalzeitungen noch immer sehr profitabel.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.