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F.A.Z. exklusiv : Größter deutscher Buchhändler vor der Übernahme?

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Das Logo des Buch- und Mediengroßhandelunternehmens Koch, Neff & Volckmar an der Fassade der Konzernzentrale in Stuttgart Bild: dpa

Für den insolventen Buchlogistiker KNV aus Stuttgart hat sich ein Interessent gefunden. Zeitfracht aus Berlin liebäugelt mit einer Übernahme des mit 1800 Mitarbeitern größten Buchhändlers Deutschlands.

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          Das Logistikunternehmen Zeitfracht hat Interesse an dem insolventen Buchlogistiker Koch, Neff und Volckmar (KNV). Das Familienunternehmen stehe schon im Kontakt mit dem Insolvenzverwalter Tobias Wahl, sagte ein Zeitfracht-Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. KNV wäre eine interessante Verstärkung des Logistikbereichs für das in Berlin ansässige Unternehmen. Ein Sprecher von Wahl sagte, der Insolvenzverwalter wolle sich weder zu Namen, Details oder Anzahl der Interessenten für das insolvente Unternehmen äußern.

          Früheren Angaben zufolge soll die KNV Gruppe möglichst als Ganzes verkauft werden. Ein Ergebnis des Bieterverfahrens soll im Sommer vorliegen. Die Logistik des Buchgroßhändlers läuft über Thüringen. KNV mit Hauptsitz in Stuttgart ist der größte deutsche Buch- und Mediengroßhändler und zählt rund 1800 Beschäftigte. Er hatte am 14. Februar wegen Überschuldung Insolvenz beantragt. Der Mittelständler fungiert als Bindeglied zwischen Verlagen und Buchhandlungen. Er hat ständig rund 590.000 lieferbare Titel von mehr als 5000 Verlagen am Zentrallager in Erfurt vorrätig.

          Nach Angaben auf der Unternehmens-Homepage werden insgesamt 5600 Buchhandelsfilialen beliefert, davon 4200 in Deutschland, 800 in Österreich und der Schweiz sowie 600 Buchhandlungen in anderen Ländern. KNV sei systemrelevant und so lange es Bücher gebe brauche es den Buch- und Mediengroßhändler, sagte der Sprecher des Familienunternehmens weiter.

          Zeitfracht erzielte mit mehr als 1200 Mitarbeitern nach eigenen Angaben zuletzt einen Jahresumsatz von über 350 Millionen Euro. Zur Höhe der Eigenkapital-Quote wurde keine Angaben gemacht. Zur Finanzierung des möglichen KNV-Kaufs sagte der Zeitfracht-Sprecher, dass Unternehmen tätige keine Investitionen, die es nicht ohne fremde Hilfe bewältigen könnte.

          Wolfram Simon-Schröter führt das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Jasmin. Sie ist die Großnichte des Unternehmensgründers Horst Walter Schröter. Die Familie gehörte zu den Gründern des Deutschen Paketdienstes (DPD), die letzten Anteile verkaufte sie 2016 an den französischen Konzern La Poste. Zuletzt hatte Zeitfracht die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) von Eurowings übernommen.

          Für das auf Logistik und Immobilien spezialisierte Familienunternehmen aus Berlin war der LGW-Kauf ein weiterer Wachstumssprung. In die Luftfahrt war der Lastwagen-Spediteur Zeitfracht 2017 eingestiegen. Aus der Insolvenzmasse der Air Berlin hatte sich Zeitfracht den Frachtplatzvermittler Leisure Cargo gesichert, außerdem zusammen mit dem Käufer Nayak die Air-Berlin-Technik.

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