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„Fridays For Future“ : Zehntausende Jugendliche streiken für das Klima

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Zwei Tage vor der Europawahl haben abermals Zehntausende Schüler und Studenten für eine radikale Umkehr in der Klimapolitik demonstriert. Allein in Hamburg schlossen sich 17.000 Jugendliche der Klimaaktivistin Greta Thunberg an.

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          Zehntausende junge Menschen haben sich am Freitag in Deutschland erneut an den Streiks der Umweltbewegung Fridays for Future beteiligt. Diese hatte zur Europawahl zu einem zweiten großen internationalen Protesttag für Klimaschutz aufgerufen, bundesweit waren rund 300 Demonstrationen geplant. Weltweit waren nach Angaben des Klimanetzwerks Proteste an mehr als 1600 Orten in mindestens 125 Ländern geplant. Erwartet wurden mehr als 1,6 Millionen Teilnehmer rund um den Globus. So viele waren laut Schätzungen bei dem ersten globalen Klimastreik im März dieses Jahres dabei gewesen. 

          In Hamburg zählte die Polizei am Freitag nach eigenen Angaben in der Spitze rund 17.000 Teilnehmer, in München waren es einem ersten Zwischenstand der Beamten zufolge rund 2500 bis 3000. In Köln sprach Fridays for Future selbst von 12.000 Teilnehmern, die Polizei dort gab keine eigene Schätzung heraus. In Berlin nannten die Beamten eine Zahl von mehreren tausend, angemeldet waren dort 10.000 Demonstranten. 4500 Teilnehmer zählte die Polizei bei einem Marsch durch die Frankfurter Innenstadt vor die Europäische Zentralbank (EZB). Bundesweit erwarteten die Organisatoren nach eigenen Angaben hunderttausende Teilnehmer zu ihren Klimastreiks.

          Schüler und Studenten protestieren seit Monaten einmal pro Woche in zahlreichen Ländern für mehr Klimaschutz und schwänzen dafür den Unterricht. Bereits im März gab es einen globalen Aktionstag. Zur Europawahl will Fridays for Future das Thema noch einmal in den Fokus rücken. Viele Jugendliche dürfen noch nicht wählen und können ihre Interessen daher nicht an den Wahlurnen zum Ausdruck bringen.

          Unterstützung aus der Wissenschaft

          Inspiriert wurde die Bewegung von der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg. Sie läuft international unter verschiedenen Namen, in Deutschland unter der Bezeichnung Fridays for Future. Für die Bundesrepublik verlangen diese klare Regeln, um eine Reduktion von Treibhausgasen zu erreichen. So fordern die Initiatoren von Fridays for Future in Deutschland den Kohleausstieg bereits im Jahr 2030 und hundert Prozent erneuerbare Energieversorgung bis zum Jahr 2034. 

          Greta Thunberg während der Klimaproteste in Stockholm

          Am Freitag rief Thunberg zu einem grundsätzlichen Umdenken zur Rettung des Klimas auf. „Wir stehen vor einer existenziellen Krise. Wir müssen Veränderungen in allen Ebenen der Gesellschaft sehen“, sagte die 16-Jährige in einer Rede nach einem Protestmarsch durch Stockholm. „Wir befinden uns in einer Notsituation, aber wir verhalten uns nicht so.“ Die Emissionen stiegen weiter, auch in Schweden. Es würden zum Beispiel weiter Flughäfen gebaut und alte erweitert.

          Dass in diesem Augenblick Hunderttausende Kinder und Jugendliche in aller Welt für das Klima demonstrierten, sei unglaublich, sagte Thunberg. Sie appellierte an Erwachsene, sich dem Kampf für das Klima anzuschließen. „Wir wissen, dass ihr eure Kinder über alles liebt. Aber im Moment wirkt das nicht so“, sagte sie. „Wir bitten euch Erwachsene, gebt uns eine Zukunft!“ Die junge Generation brauche die Hilfe der Älteren mehr als jemals zuvor. Hunderte Mitdemonstranten quittierten ihre Rede mehrmals mit „Greta, Greta!“-Rufen.

          Kritiker der Bewegung werfen den Schülern vor, pauschale Lösungen auf komplexe Probleme zu fordern und zweifeln an der fachlichen Kompetenz der jungen Menschen. FDP-Chef Christian Lindner etwa sagte, der Klimawandel sei „eine Sache für Profis“. In einem Interview mit der F.A.Z. verteidigte der Klimaökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung jetzt die Bewegung: „Greta Thunberg und ihre Mitstreiter kennen die wissenschaftlichen Fakten genau. Sie können es mit dem Kenntnisstand eines durchschnittlichen Bundestagsabgeordneten locker aufnehmen, da würde ich es auf einen Test ankommen lassen.“

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