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Zahlungsverkehr : Auf zum Sepa-Endspurt

  • -Aktualisiert am

Bei der Investmentbank Dresdner-Kleinwort wird man schon heute in der „Single Euro Payments Area“ willkommen geheißen Bild: Bode, Henning

Am 1. Februar 2014 tritt der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum Sepa in Kraft. Die Zeit drängt. Die Umstellung ist aufwendig und der Nutzen zweifelhaft.

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          Die Zeit drängt. Am 1.Februar 2014 tritt der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum Sepa in Kraft. In Deutschland und 32 weiteren Ländern dürfen Kreditinstitute dann Überweisungen und Lastschriften in Euro nur noch im Sepa-Format annehmen. Dazu gehören der internationale Bankenschlüssel BIC und die Iban – die 22-stellige neue Kontonummer. Doch viele Unternehmen haben es versäumt, sich frühzeitig mit Sepa zu beschäftigen – nicht wenige aus dem trügerischen Gefühl des Nichtbetroffenseins heraus. Der zeitliche, organisatorische und technische Aufwand wurde zudem unterschätzt. Die Banken dringen nun auf eine zügige Umstellung. Sie machen das nicht zuletzt, um einen hoffentlich reibungslosen Ablauf noch vor dem Stichtag testen zu können.

          Während jedoch für Privatkunden eine Schonfrist von zwei Jahren gilt, in der die Banken ihre alten Zahlungsdaten noch umwandeln, sind institutionelle Nutzer von Anfang an in der Pflicht. Zu dieser Gruppe zählen alleine in Deutschland rund 3,6 Millionen Unternehmen und fast 600.000 Vereine sowie Behörden. Im Euroraum sind es rund 20 Millionen Unternehmen. Ihnen allen bleiben keine 30 Arbeitstage mehr, um sich vorzubereiten – zieht man die Wochenenden und die Tage von Weihnachten bis Neujahr ab, wenn ohnehin nicht viel passiert.

          Im Herbst sprach die Deutsche Bundesbank von besorgniserregenden Zahlen bei der Nutzung von Sepa im dritten Quartal. Im Oktober hat sich diese zwar verbessert, doch der Anteil der Sepa-Überweisungen in Deutschland betrug auch da nur 21 Prozent, für Lastschriften waren es 3 Prozent. Dabei geht es um insgesamt 25 Millionen Überweisungen und 35 Millionen Lastschriften im Wert von fast 280 Millionen Euro je Arbeitstag. Nur ein Viertel der deutschen Unternehmen und Vereine hat sich bislang für das neue Lastschriftverfahren registriert.

          Ganze IT-Systeme müssen angepasst werden

          Wenn es die Unternehmen nicht schaffen, ihren Zahlungsverkehr fristgerecht umzustellen, dann drohen nicht nur Kosten durch falsch oder verspätet abgewickelte Zahlungen, sondern Liquiditätsengpässe oder gar die Zahlungsunfähigkeit. Manche Fachleute sprechen von „Big-Bang-Szenarien“ mit wesentlichen Risiken für Unternehmen und Banken. Die Kreditwirtschaft zeigt sich – zumindest offiziell – zuversichtlich, dass die Kunden die Umstellung rechtzeitig schaffen. Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank, rechnet mit einem „leichten Rumpeln“ in den ersten Wochen, das sich kaum vermeiden lassen werde. Von ersten, größeren Störfällen beim Übergang auf Sepa ist gleichwohl schon jetzt zu hören.

          Dabei geht es für die Unternehmen nicht nur um Kundenzahlungen und Forderungen ihrer Gläubiger, sondern auch um Gehaltsbuchungen an Mitarbeiter. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen scheinen schlecht vorbereitet. Laut einer Bankenstudie war nur jeder vierte deutsche Mittelständler im Oktober für Sepa gerüstet. Große Unternehmen beschäftigen sich oft schon seit Jahren damit, weil viele Prozesse und ganze IT-Systeme angepasst werden müssen. Die Komplexität ist hoch und professionelle Hilfe gefragt. Das alles kostet. Der Versicherer Allianz veranschlagt einen zweistelligen Millionenbetrag für die Sepa-Umstellung. Es gibt Fachleute, die nun mit höheren Umstellungskosten rechnen als bei der Einführung des Euro.

          Warum Deutschland das Schlusslicht in Europa ist

          Wofür all dieser Aufwand? Es geht um einen einheitlichen Zahlungsverkehrsraum, in dem grenzüberschreitende Zahlungen in Euro erleichtert werden sollen. Doch die meisten Überweisungen bleiben in Deutschland. Nach Daten der Deutschen Bundesbank betrug der Anteil bargeldloser Transaktionen, wie Überweisungen oder Lastschriften, aller Nichtbanken mit dem gesamten Ausland im Jahr 2012 weniger als 5 Prozent.

          Lastschriften sind zudem eine eher deutsche Eigenheit. Fast die Hälfte aller Lastschriften im Euroraum wird hierzulande abgewickelt. Doch besonders für sie soll Sepa vorteilhaft sein. Es geht um einen besseren Schutz der Verbraucher und den einfacheren Einsatz von Lastschriften über Grenzen hinweg. Insgesamt soll der Zahlungsverkehr durch Sepa einfacher, sicherer und letztlich auch günstiger werden. Überweisungen innerhalb Europas sollen dann so viel kosten wie inländische. Aber hätte die neue Kontonummer nicht auch kürzer sein können? Nicht jeder ist ein Gedächtniskünstler. Und auch sonst zeigen erste Erfahrungen mit den neuen Buchungen, dass Übersichtlichkeit nicht unbedingt zu den Stärken von Sepa gehört.

          Der Zahlungsverkehr hierzulande galt als ausgereift und komfortabel. Das ist wohl ein Grund dafür, warum Deutschland bei der Sepa-Vorbereitung fast das Schlusslicht in Europa ist. In anderen Ländern war der Aufholbedarf groß. Doch die Umstellung wird kommen, und zwar zum geplanten Termin. Es ist immerhin ein Samstag. Die Banken verstärken im Endspurt ihre Anstrengungen, Kunden zur Seite zu stehen. Und obwohl kaum jemand von „Notfallplänen“ sprechen mag, ist in den Banken nicht nur von Urlaubssperren die Rede. Die Kreditwirtschaft wird ihre Kunden nicht im Regen stehenlassen. Sie wird im Fall der Fälle selbst für Unternehmen noch nach dem Stichtag alte Daten in das neue Format umwandeln. Zu groß sind die Risiken – für alle.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

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