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Patientenversorgung : Ärztechefs warnen vor Ausverkauf der Praxen

  • -Aktualisiert am

Im Aufwind: 2821 Ärztezentren gibt es hierzulande inzwischen. Bild: Picture-Alliance

Die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren wächst immer weiter und steigt auf ein Rekordniveau. Ein Teil der Ärzte fürchtet bereits um das Wohl der Patienten.

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          Die Zahl Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) wächst und hat einen Rekordstand erreicht. Nach unveröffentlichten Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die FAZ.NET vorliegen, waren zum Jahreswechsel 2017/2018 in Deutschland 2821 dieser Versorgungszentren zugelassen. Dort arbeiteten 18.005 Ärzte. Gegenüber dem Vorjahr wuchs die Zahl der Zentren und der dort beschäftigten Ärzte um etwa 13 Prozent. Der Trend beunruhigt die Ärzteschaft. Sie hatte schon vor 15 Jahren gegen die Einführung solcher Versorgungszentren protestiert, die in der DDR „Poliklinik“ hießen. Doch anders als dort bekümmern die Ärzte jetzt nicht fehlende Medikamente, sondern der „Ausverkauf“ der Praxen an private Kapitalgeber.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte FAZ.NET.: „Einen Private-Equity-Fonds interessiert nicht die Qualität der Patientenversorgung, sondern die Rendite, MVZ gehören deshalb in die Hände derer, die wirklich mit der Versorgung der Patienten befasst sind.“ Dafür müsse der Gesetzgeber geeignete Regelungen schaffen. Der Vizevorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, monierte: „Das Interesse an einer renditestarken Geldanlage verträgt sich nicht mit dem Ziel einer patientengerechten Versorgung.“

          Die Zahnärzte sind schon alarmiert. Ethische Verpflichtung und Gemeinwohlauftrag seien Fremdwörter für die „Fremdinvestoren“, sagt der Präsident der Bundezahnsärztekammer, Peter Engel. Wolfgang Eßer, der Bundesvorsitzende der Kassenzahnärzte, warnt, die Zahnarzt-MVZ „befeuern das Praxissterben und damit die Unterversorgung in ländlichen und strukturschwachen Gebieten“. Dabei sehen sie nicht den in eigener Praxis wirtschaftenden Unternehmer-Arzt als Leidtragenden, sondern den Patienten. Der nehme durch die „Ökonomisierung“ des Gesundheitswesens Schaden.

          Die Zahl der Ärzte wird streng reguliert

          Das sehen längst nicht alle Ärzte so. Junge Mediziner arbeiten gerne in den Versorgungszentren. Der Trend hält an. Inzwischen sind 92 Prozent der Ärzte an den Versorgungszentren als angestellte Ärzte beschäftigt, zwei von dreien in Teilzeit. Allerdings wurde laut Bundesvereinigung der Kassenärzte der Trend zu immer größeren Zentren „durchbrochen“. Im Schnitt würden je Zentrum 6,4 Ärzte beschäftigt, so viele wie im Jahr zuvor. Auch in der Eigentümerstruktur der Zentren hat sich keine Verschiebung ergeben, wie man wegen der zunehmenden Alarmrufe erwarten könnte. Mit knapp 43 Prozent bleibt die größte Gruppe der MVZ dort, wo die Ärzte sie am liebsten sehen – in ihren eigenen Händen. Vier von zehn MVZ, das ist geringfügig mehr als im Vorjahr, werden von Krankenhäusern betrieben. Die sehen manche, gerade auf Seiten der Zahnärzte, als ein Einfallstor für Privatinvestoren. Der Anteil „weiterer Träger“ der Versorgungszentren hat sich leicht auf 17 Prozent reduziert.

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