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Kaum Interesse an Ausbildung : So wenig Azubis wie seit 25 Jahren nicht

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Immer weniger Jugendliche machen eine Lehre Bild: dapd

Noch nie seit dem Mauerfall wurden so wenig Ausbildungsverträge abgeschlossen. Der Nachwuchs neigt heute eher zum Studieren.

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          In Deutschland wird so wenig ausgebildet wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Bis Ende September seien 522.200 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, teilte das Bundesbildungsministerium am Freitag in Berlin mit. Das seien 1,4 Prozent weniger als im vorigen Jahr.

          Für den weiteren Rückgang der beruflichen Ausbildung machte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) die rückläufige Zahl der Schulabgänger und die höhere Studierneigung, aber auch eine sinkende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe verantwortlich. Bereits 2013 hatte die Zahl der neuen Ausbildungsverträge den bisherigen Tiefpunkt von 550.000 Verträgen im Jahr 2005 unterschritten. Vor sieben Jahren waren es rund 626.000 Ausbildungsverträge.

          Unterstützung für Lehrlinge und Betriebe

          Die Bekanntgabe der Bilanz fiel zusammen mit der Gründung einer neuen Allianz für Aus- und Weiterbildung von Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften. Aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter sollen im Lehrjahr 2015/2016 bis zu 10.000 Plätze für eine unterstützte Ausbildung gefördert werden.  Lehrlinge und Betriebe erhalten dabei Unterstützung von Trainern. Sie vermitteln beispielsweise bei Konflikten oder organisieren Nachhilfe.

          Die Wirtschaft sagte zu, dass sie im kommenden Jahr „20.000 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze“ im Vergleich zu den 2014 bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Plätzen zur Verfügung stellen wolle. Zum Stichtag Ende September dieses Jahres gab es 37.100 unbesetzte Ausbildungsstellen und 20.900 unversorgte Bewerber. Rein rechnerisch gab es damit das siebte Jahr in Folge mehr offene Stellen als unversorgte Bewerber.

          Ausländische Abschlüsse anerkannt

          Einen wachsenden Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs leisten Ausländer: Allein 2013 wurden fast 12.000
          ausländische Berufsabschlüsse anerkannt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Hälfte davon (6030) entfiel auf Mediziner.  Insgesamt betrafen über 80 Prozent der positiv beschiedenen Anträge medizinische Berufe, darunter rund 2400 Gesundheits- und Krankenpfleger. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse war 2012 vereinfacht worden, um Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen.

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