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ILO-Schätzung : Zahl der Arbeitsmigranten steigt weltweit

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Der albanische Krankenpfleger Samed Qoshja bereitet in der Neurochirurgie der Charité am Campus Benjamin Franklin eine Infusion vor. Bild: dpa

Mehr Menschen suchen nach einer neuen Schätzung Arbeit außerhalb der Grenzen ihres Heimatlandes. Doch es gibt eine interessante Trendumkehr.

          Die Zahl der Arbeitsmigranten wächst auf der ganzen Welt. Im vergangenen Jahr arbeiteten nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 164 Millionen Menschen in fremden Ländern. Das war ein Anstieg von neun Prozent in vier Jahren, berichtete die Organisation am Mittwoch in Genf.

          Zwar machen sie in Ländern mit hohen Einkommen fast ein Fünftel der Erwerbstätigen aus, aber in absoluten Zahlen ist ihr Anteil dort seit 2013 zurückgegangen: von gut 112 auf gut 111 Millionen. Mehr Migranten zögen dafür in Länder mit mittleren Einkommen, so die ILO.

          Die ILO ist Teil der Vereinten Nationen und setzt sich für soziale Gerechtigkeit und die Rechte von Arbeitnehmern ein. Die statistischen Angaben sollen helfen, den UN-Migrationspakt, der nächste Woche in Marokko verabschiedet werden soll, erfolgreich umzusetzen, sagte die ILO-Spezialistin für Arbeitsqualität, Manuela Tomei. Amerika, Österreich und andere Länder distanzieren sich von dem Pakt mit dem Argument, daraus könnten Migranten unerwünschte Ansprüche ableiten.

          Anteil in einkommensstarken Ländern geht zurück

          „Arbeitsmigranten leisten einen positiven Beitrag in den Gastländern“, sagte Tomei. Ihr genauer Beitrag zur Wertschöpfung sei aber nicht Fokus des Berichts gewesen. Die Gesamtzahl der Migranten, also auch Angehörige, die nicht arbeiten, sowie Flüchtlinge, schätzt die ILO auf 277 Millionen rund um den Globus. Das sind fast 20 Prozent mehr als 2013. Nach Angaben der ILO-Statistiker ist ein geringer Teil des Anstiegs auch auf bessere Daten zurückzuführen.

          Immer noch leben nach diesem Bericht mehr als zwei Drittel (67,9 Prozent) der Arbeitsmigranten in Ländern mit hohen Einkommen. Im Jahr 2013 war der Anteil mit 74,7 Prozent aber noch höher. Heute leben fast 24 Prozent in Nord-, Süd- und Westeuropa, 23 Prozent in Nordamerika und knapp 14 Prozent in arabischen Staaten. Viele arbeiteten auf dem Bau, als Hausangestellte im Gastgewerbe und Pflegeberufen, so Tomei. In Europa dürfte der Anteil aber auch wegen der EU-Freizügigkeit so hoch sein: Jeder Europäer, der in einem anderen EU-Land arbeitet, fällt unter die ILO-Definition der Arbeitsmigranten.

          Die produktivsten Arbeitskräfte gehen verloren

          Auf der ganzen Welt seien 4,7 Prozent aller Arbeitnehmer Arbeitsmigranten. In der Europa-Region machten sie 17,8 Prozent der Erwerbstätigen aus, in Nordamerika 20,6 Prozent und in den Arabischen Staaten 40,8 Prozent. Gut 58 Prozent sind Männer. Arbeitsmigranten sind für die ILO alle Menschen, die in einem anderem Land Arbeit haben oder suchen. Dazu gehören Saisonarbeiter wie Erntehelfer und Fachkräfte wie Pflegepersonal oder IT-Spezialisten. Sie zählt auch Flüchtlinge dazu und hat Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere berücksichtigt.

          Gut 86 Prozent der Arbeitsmigranten seien zwischen 25 und 64 Jahren alt, berichtet die ILO. Einige Herkunftsländer verlören damit die produktivsten Arbeitskräfte, die in ihrer Heimat zum Wachstum der Wirtschaft beitragen könnten. Auch deshalb sei der Migrationspakt wichtig, sagte Tomei. „Migration kann nicht gestoppt werden. Statt Mauern zu errichten müssen Länder angesichts des Umfangs und der Komplexität von Migration (....) in der Lage sein, das Phänomen besser in den Griff zu bekommen.“

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