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Yuan : China könnte seine Währung abwerten

Yuan Banknoten in einer Bank in Sichuan.

Yuan Banknoten in einer Bank in Sichuan. Bild: AP

Seit Jahren wird China vorgeworfen, dass es seine Währung künstlich schwach hält. So bleiben seine Waren billig. Nur langsam hat die Staatsführung eine Verteuerung zugelassen - und jetzt denkt sie darüber nach, ihren Kurs zu ändern.

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          Ein Kurswechsel kündigt sich in China an, der weltweite Auswirkungen haben könnte. Erstmals hat eine staatliche Zeitung gefordert, die Volksrepublik solle ihre Währung nach einem jahrelangen, auch vom Westen erzwungenen, Aufwertungsmarathon abwerten. Eine Abwertung auf ein „angemessenes Niveau“ forderte das angesehene China Securities Journal. Damit würde die Ausfuhr in Zeiten einer schwachen Konjunktur gestützt werden.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verbuchte im zweiten Quartal mit 7,6 Prozent ihr schwächstes Wachstum seit drei Jahren. Am Donnerstag erklärte das Statistikbüro in Peking, die Industrieproduktion verlangsame sich weiter: Nach 9,5 Prozent im Jahresvergleich im Juni lag der Anstieg im Juli noch bei 9,2 Prozent. Dies ist die schwächste Wachstumsrate seit Mai 2009.

          „Phase der Abwertung“

          „Es wird nun schrittweise akzeptiert, dass der Yuan in eine Phase der Abwertung eintritt“, heißt es in der Zeitung auf der ersten Seite. „Obwohl die Erwartung einer Abwertung des Yuan auf kurze Sicht zu Kapitalausflüssen führen könnte, wird sie hilfreich sein, wenn es darum geht, den Export zu stützen und helfen, die Inflationsangst abzubauen.“

          Inflation ist für die Wachstumspolitiker ein heißes Eisen, da sie Unruhe in der Bevölkerung entfacht. Die aber ist in Jahren des politischen Wechsels, die nun anstehen, gefährlicher denn je. Seit seiner sprunghaften Aufwertung im Sommer 2005 hat der Außenwert des Yuan gegenüber dem Dollar ständig zugelegt. 7 Prozent hat er gewonnen, seit Peking die Bandbreite gegenüber dem Dollar Mitte 2010 heraufsetzte und den Handelskorridor erweiterte.

          Der Euro bleibt schwächer als der Yuan

          Von offizieller Seite wurde in Peking nach dem Erscheinen des Textes darauf verwiesen, dass der Yuan gegenüber Drittwährungen – wie etwa dem Euro – durchaus weiter aufwerte. Dies aber liegt in erster Linie an der hausgemachten Schwäche des Euro und gilt für praktisch alle asiatischen Währungen. Das Ziel bleibe auch in Zukunft, eine stabile Wirtschaft zu bewahren. Eine rasche Abwertung werde zu massiven Kapitalabflüssen führen, die ihrerseits die Stabilität gefährdeten. Eine „rasche Abwertung“ steht nicht zu befürchten; doch schon ein Abwertungsschritt als solcher bedeutete eine Kehrtwende für Peking.

          Regelmäßig betonte die chinesische Regierung in Antworten auf das Drängen der Amerikaner und Europäer, den Yuan aufzuwerten, der Wert der chinesischen Währung werde vom Markt bestimmt. Allerdings legt die chinesische Zentralbank täglich einen Mittelkurs gegenüber dem Dollar fest, von dem aus sich der Wert des Yuan um höchstens ein Prozent ändern kann. Seit Jahresbeginn hat er 1,23 Prozent auf den Dollar verloren.

          Die Amerikaner werden sich aufregen

          Händler erklärten laut der Nachrichtenagentur Reuters, der Kurs der chinesischen Währung biete Raum für eine Abwertung von einem weiteren Prozent in diesem Jahr. Schon dies allerdings dürfte im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf für Aufregung sorgen. Regelmäßig versuchten die Politiker Amerikas in der Vergangenheit Punkte in der Heimat zu sammeln, indem sie China als „Währungsmanipulator“ abstempelten, der mit einem künstlich unterbewerteten Yuan jenseits des Pazifiks Arbeitsplätze zerstöre. Nach Jahren der Aufwertung hatte der Internationale Währungsfonds den Yuan im Juli allerdings nur noch als „mäßig unterbewertet“ bezeichnet.

          Trotzdem gilt es für eine Rolle des Yuan als neue Weltwährung als nötig, dass China den Wechselkurs freigibt - und nicht einen bestimmten Kurs durchdrückt.

          Analysten von Banken halten es für wahrscheinlich, dass Peking über das offizielle Sprachrohr einer Staatszeitung das Klima testen und den Boden bereiten wollte für eine beginnende Abwertung. Der Zeitpunkt ist gut gewählt: In Amerika und Europa sind Politiker in den Sommerferien, in China tagen sie hinter verschlossenen Türen, um die neue Führungsriege festzulegen.

          Eine spürbare Kursänderung in der Yuan-Politik hätten Auswirkungen auf die ganze Welt: Zwar würde das Investieren aus dem Ausland heraus in China günstiger. Doch könnten die ausländischen Konzerne in China nach einer Umrechnung in Dollar oder Euro nur noch geringere Gewinne ausweisen. Und auch Aktionäre, die bei chinesischen Aktien bislang von einem nahezu automatischen Wertanstieg durch einen steigenden Yuan ausgingen, müssten sich darauf verlassen, nur noch von Kursanstiegen und Dividenden profitieren zu können.

          Yuan oder Renminbi?

          Renminbi ist der offizielle Name der chinesischen Währung. Es ist das chinesische Wort für „Volksgeld“ und betrifft die Währung als ganze. Das Wort „Yuan“ ist offiziell nur der Begriff für die Maßeinheit des Geldes - wie Euro oder Cent. In Yuan werden Preise gemessen, das Wort Yuan steht auch auf Geldscheinen. Der Einfachheit halber hat es sich aber in anderen Ländern eingebürgert, immer von „Yuan“ zu sprechen. Seit 2005 hat der Yuan im Verhältnis zum Dollar um 30 Prozent zugelegt - Tendenz steigend. (ink.)

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