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Kommentar : Wozu braucht man noch die Deutsche Bank?

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Ohne Erfolg: Trotz fieberhafter Suche nach einem Nachfolgers für Cyran, bleibt diese unerfolgreich für Achleitner. Bild: dpa

Die deutsche Wirtschaft bekennt sich längst nicht mehr bedingungslos zur Deutschen Bank – sie kommt inzwischen oft ohne sie aus. Nur Spekulanten setzen jetzt noch auf die Aktie.

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          Die Deutsche Bank demontiert sich selbst in einer Geschwindigkeit, die einem den Atem nimmt. Anstatt die Tage vor und nach Ostern zu nutzen, um ein wenig Ruhe einkehren zu lassen, ist der Aktienkurs des bekanntesten deutschen Geldinstituts in der vergangenen Woche noch einmal kräftig unter Druck geraten. Er notiert nur noch knapp über elf Euro und nähert sich damit dem Wert in jener Zeit im Herbst 2016 an, als selbst wohlmeinende Analysten Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Bank hegten.

          Dass es jetzt bald wieder so weit sein könnte, hat sich die Deutsche Bank ganz alleine zuzuschreiben. Seit Wochen beschädigt sich ihr Führungspersonal gegenseitig: Vorstandschef John Cryan will im Amt bleiben, Aufsichtsratschef Paul Achleitner aber hat offenbar das Vertrauen in ihn verloren. Es wurde bekannt, dass Achleitner – längst selbst Zielscheibe der Kritik – fieberhaft nach einem geeigneten Nachfolger sucht. Im eigenen Haus scheint er bislang nicht fündig geworden zu sein, was einem Armutszeugnis für die Bank gleichkommt. Am Sonntagabend hält der Aufsichtsrat eine außerordentliche Telefonkonferenz ab. Es könnten die letzten Tage von Cryan als Vorstandschef angebrochen sein. Genauso unsicher ist aber, wie lange sich Paul Achleitner noch auf seinem Posten halten kann.

          Jenseits von diesen Konflikten der Führungsleute hat die Bank aber vor allem ein gravierendes strategisches Problem: Cryan hatte ihr die Medizin verordnet, sich wieder stärker auf ihren Heimatmarkt zu konzentrieren. Doch das erweist sich als komplizierter als es klingt: Mehr als 1600 Banken gibt es in Deutschland. Angesichts dieser Konkurrenz und der niedrigen Zinsen ist es schwierig, hierzulande ordentlich Geld zu verdienen. Hinzu kommt, dass sich auch die deutsche Wirtschaft längst nicht mehr bedingungslos zur Deutschen Bank bekennt. Bei größeren Finanztransaktionen kommt man oft ohne die Bank aus. Das zeigte sich jüngst bei der Aufteilung des Energieunternehmens Innogy zwischen RWE und Eon.

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          Natürlich könnte der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie trotzdem steigen, sollte Paul Achleitner am Sonntag einen überzeugenden Cryan–Nachfolger präsentieren. Doch es bleibt eine Sache für Spekulanten, in diesen Tagen auf die Deutsche-Bank-Aktie zu setzen. Allen anderen sollte man inmitten dieses Chaos tunlichst davon abraten.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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