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Work-Life-Balance : Generation Weichei

Immer mehr Menschen - nicht nur in London - geht es nicht mehr nur um Karriere, sondern um eine ausgeglichene Work-Life-Balance

Haben sie sich aber einmal richtig reingekniet, heißt es anschließend: Gang runter, Privatleben genießen. Denn immer bis 21 Uhr im Büro zu sitzen, das kommt für sie nicht in Frage. Entweder die Arbeit lässt sich anders organisieren - oder man kündigt.

Das ist ihre Antwort auf die Elterngeneration. Schließlich haben sie zu Hause auch die Kehrseite des wirtschaftlichen Erfolgs erlebt. „Soll ich mich kaputt machen“, fragt der flügge Nachwuchs die Karriere-Väter gerne. „Was habe ich davon? Einen Herzinfarkt mit 50, wie Du.“ Eine geschiedene Ehe, eine zerrüttete Familie. Nein, verheizen lassen sie sich nicht. Der Ausgleich - Sport, Hobbies, Freunde - spielt eine immer größere Rolle.

Monetäre Anreize stehen nicht mehr an erster Stelle

Dafür sind sie bereit, auf gewisse Dinge zu verzichten. „Monetäre Anreize stehen nicht mehr an erster Stelle“, berichtet der Vermögensberater Thomas Scholl von Mayflower Capital, der seit 20 Jahren Akademiker bei der Geldanlage hilft. Wenn er die Hochschulabsolventen heute fragt: Wie stellt Ihr Euch Eure Karriere vor, merkt er: „Von der großen Karriere und dem großen Geld träumen nur wenige.“ Das sei bis vor kurzem ganz anders gewesen.

Fünf Jahre Finanzkrise, Euro-Drama und Gier-Debatte haben in den Köpfen der Heranwachsenden einiges verschoben. Machtstreben lehnen sie ab, sagt Scholl. „Auch die entsprechenden Insignien - Sportwagen, Lederkoffer, Nadelstreifenanzug - sind verpönt.“

Die Generation Y will etwas „Sinnvolles“ tun, im Großen oder im Kleinen: für den Globus, das Klima, die Gesellschaft, ihre Stadt, ihre Freunde oder für sich. Haben sie die Wahl zwischen mehr Arbeit oder mehr Freizeit, wählen sie den freien Tag und nehmen dafür die Gehaltsabstriche in Kauf. Nach dem Motto: Ich komme auch mit weniger Geld klar, wenn dafür mehr „quality time“ übrigbleibt.

„Wo soll der nötige Biss herkommen?“

Besonders ältere Führungskräfte ätzen, wenn sie das hören. Wie sollen die mal Verantwortung übernehmen? Wo soll der nötige Biss herkommen? „Früher fragten Bewerber schon im ersten Gespräch, wie schnell sie Partner werden“, erzählt der Chef einer Beratungsgesellschaft, „heute reden sie von Sabbaticals.“ Zu seiner Zeit zählten Augenringe nach durch geschufteten Nächte als Statussymbol, heute schlicht als hässlich.

„Wenn wir früher nach der ersten Gehaltserhöhung gefragt haben, fragen die nach der Babypause“, lästert ein gestandener Unternehmer. Arbeit, Fleiß, Disziplin und wirtschaftlicher Erfolg, das sind Werte, die er kennt. Ärmel hoch, dann steigern wir das Bruttosozialprodukt! Männer wie er befürchten, dass die Jungen - verhätschelt, verzogen und feige - dazu nicht taugen.

Dafür spricht, dass die Generation sich wenig strapazierfähig zeigt. Schon im Studium stoßen viele an ihre Grenzen: Burnout, Schlafstörungen, Prüfungsängste, psychische Erkrankungen, das alles findet man bei dieser Generation in nie gekanntem Ausmaß.

„Junge Führungskräfte wollen gleich die Welt verändern“

Wie sie die beruflichen Belastungen wegstecken werden, das beschäftigt auch Professor Konstantin Korotov von der European School of Management and Technology in Berlin. Der Führungskräfte-Experte vermisst bei den sogenannten „High Potentials“ zunehmend die Bereitschaft, unten anzufangen und kleine Aufgaben zu übernehmen. „Die wollen gleich die Welt verändern.“ Schließlich haben sie 20 Jahre lang nichts anderes gehört als: Yes, you can! „Wie sie mit den ersten Rückschlägen und Misserfolgen im Beruf klarkommen, könnte zu einer echte Herausforderung für die Gesellschaft werden.“

Andererseits hat der Wissenschaftler auch Beruhigendes über die Generation der Karriereverweigerer herausgefunden: „Sie haben zwar keine Lust auf Chef - aber wer es einmal ausprobiert hat, dem gefällt es.“

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