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Wenig wirtschaftlicher Erfolg : Amerikas Schwarze

Protest gegen Polizeigewalt, aufgenommen am 1. Juni in Las Vegas Bild: AFP

Die Pandemie hat alles verändert. Einige Trends deuten darauf hin, dass die Schwarzen am Ende der Krise weiter zurückgefallen sein werden als zu Beginn ihrer kleinen Aufholjagd.

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          Noch im Januar hatte die Arbeitslosigkeit der Schwarzen in den Vereinigten Staaten einen historischen Tiefstand erreicht. Viele Familien genossen erstmals in ihrem Leben finanzielle Sicherheit. Drei Monate später erreichte die Pandemie-Krise die schwarze Minderheit mit voller Wucht. Die Entwicklung breche sein Herz, sagte der Chef der Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, kürzlich. Sie ist so bitter, weil unter der Trump-Regierung erstmals seit Jahren die Kluft in den Arbeitsverdiensten von Schwarzen und dem Rest der Bevölkerung leicht geschrumpft war. Die Pandemie hat alles verändert. Einige Trends deuten darauf hin, dass die Schwarzen am Ende der Krise weiter zurückgefallen sein werden als zu Beginn ihrer kleinen Aufholjagd.

          An öffentlich bekundeten Expressionen des guten Willens, den sozialen Aufstieg der Schwarzen zu beflügeln, hat es nie gefehlt in den Vereinigten Staaten. Tatsächlich kämpfen zahllose Initiativen und Sozialprogramme darum. Ihre unkoordinierte Vielfalt deutet allerdings darauf hin, dass es keine leichte Antwort auf die große Frage gibt, warum Schwarze zurückzufallen drohen. Diskriminierung spielt eine Rolle, doch auch Amerikaner asiatischer Herkunft beklagen sich vermutlich zu Recht über Diskriminierung und sind doch zugleich die wirtschaftlich erfolgreichste Bevölkerungsgruppe. Bemerkenswert ist auch, dass schwarze Einwanderer wirtschaftlich und sozial besser dastehen als Schwarze, die seit Generationen in Amerika leben.

          Eine fatale Rolle spielt offenbar die Kriminalisierung von Bagatelldelikten, die schwarze Männer ganz überwiegend getroffen hat. Sie sind immer noch überproportional vertreten in Amerikas Gefängnissen und damit unterproportional in ihren Familien. Ihre Kinder wachsen oft ohne Väter auf und verlieren damit in frühen Jahren die Stabilität, die den sozialen Aufstieg erleichtert.

          Zur komplizierten Wahrheit gehört auch, dass die politische Philosophie der gezielten Bevorzugung Schwarzer durch „Affirmative Action“ nicht die gewünschte Gleichstellung gebracht hat. So liegt die größte Überraschung vielleicht darin, dass wir trotz jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Thema immer noch nicht wissen, wie Amerikas Gesellschaft gerechter werden kann.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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