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Wohnungsmarkt in Berlin : Schweinehälften in der Bananenrepublik

  • -Aktualisiert am

Wohnen in der Hauptstadt – aber wo? Bild: Jens Gyarmaty

Hat der Wohnungsmarkt versagt? In Berlin trafen am Mittwoch der Sprecher der Enteignungsinitiative und der Chef der Deutsche Wohnen aufeinander – und lieferten sich einen verbalen Ringkampf.

          2 Min.

          Polizisten vor dem Eingang, Polizeibusse um die Ecke, dazu eine lange Schlange und ein Sicherheitscheck wie am Flughafen: Es war eine Immobilientagung der besonderen Art, die da am späten Mittwochnachmittag am Potsdamer Platz in Berlin stattfand. Zum ersten Mal trafen dort der Sprecher der Enteignungsinitiative, Rouzbeh Taheri, und der Chef der Deutsche Wohnen, Michael Zahn, auf einem Podium aufeinander. Rund 400 Zuschauer kamen in der Erwartung eines Schlagabtauschs. Sie wurden nicht enttäuscht.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Schon bei der ersten Frage – Hat der Markt versagt? – wurde klar, warum die Veranstalter Taheri aus seiner Sicht am linken Rand der Sitzgruppe plaziert hatten. „Ich hab vom Markt nichts anderes erwartet, als dass er versagt“, sagte Taheri mit unbewegter Miene und löste damit ein kollektives Stöhnen im Publikum aus. Seit Jahren, so Taheri, führe er Gespräche mit Menschen, die jeden Tag Angst hätten, den Briefkasten aufzumachen, weil darin eine Mieterhöhung liegen könnte. Zahn und sein börsennotiertes Unternehmen seien voller Arroganz „eingefallen“ in diese Stadt. „Wohnungen sind keine Schweinehälften, mit denen man einfach handeln kann.“

          An Bauflächen mangelt es nicht

          Nicht nur Taheri mied den direkten Blickkontakt, auch Zahn richtete seine Replik lieber ans Publikum: „Wir führen hier eine Diskussion, die ist völlig irre!“ Nur um 6 Prozent habe sein Unternehmen die Bestandsmieten in den vergangenen drei Jahren erhöht – viel weniger als gesetzlich erlaubt. Die durchschnittliche Warmmiete für eine Berliner Deutsche-Wohnen-Wohnung: 580 Euro, das könnten sich nun wirklich viele Menschen leisten. Von der Politik fühlt sich Zahn aufs Abstellgleis gestellt; dass die Stadt ihm vorschreibt, bei Neubauten 30 Prozent der Wohnungen zu 6,50 Euro je Quadratmeter zu vermieten, empfindet er als Schikane. „Für den Rest muss ich dann 17 bis 18 Euro nehmen.“ An Bauflächen mangelt es seiner Ansicht nach in Berlin nicht, wohl aber am Willen von Politik und Bürgern, daraus etwas zu machen. „Für Aufstockungen ist diese Stadtgesellschaft nicht zu haben. Wir versuchen das seit Jahren.“

          So ging es munter hin und her, der Tonfall wurde immer schärfer, jeder warf dem anderen vor, ideologisch, verbohrt und überhaupt völlig weltfremd zu sein. Auch Klaus Mindrup, Berliner Bundestagsabgeordneter für die SPD, bekam von Zahn sein Fett weg: „Ihre Ministerin hat ein unglaubliches Klimaziel vorgegeben, genau das machen wir jetzt“, konterte der Deutsche-Wohnen-Chef die Kritik an der Sanierung von Häusern, die in der Regel deutliche Mieterhöhungen nach sich zieht.

          CDU-Mann Jan-Marco Luczak beklagte dann noch den „Nimby-Effekt“: all die Berliner, die Neubauten zwar theoretisch für eine gute Sache halten, aber bitte nicht in ihrer Nachbarschaft („not in my backyard“). Nach anderthalb Stunden endete die Diskussion so unversöhnlich, wie sie begonnen hatte. „Machen Sie noch fünf Jahre so weiter, dann wird Enteignung Ihre geringste Sorge sein“, beschied Taheri Zahn. Die ersten im Publikum waren da schon gegangen. Zahn gab sich siegesgewiss: „Wir lassen uns nicht enteignen. Wir sind hier nicht in einer Bananenrepublik.“

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