https://www.faz.net/-gqe-72je0

Wohnungsmarkt : Käufer werden weniger wählerisch

  • Aktualisiert am

Auf einen Balkon können Wohnungskäufer noch immer nur schwer verzichten Bild: dpa

Immobilienscout und Interhyp stellen unter Kaufinteressenten sinkende Ansprüche fest. Niedrige Decken oder eine fehlende Badewanne sind für viele kein Ausschlusskriterium mehr.

          1 Min.

          Die Nachfrage ist hoch, das Angebot schrumpft - angesichts dieser Lage am Wohnungsmarkt der Großstädte machen Käufer offenbar zunehmend Abstriche. Zu dieser Einschätzung kommen der Immobilienfinanzierer Interhyp und die Internetplattform Immobilienscout 24 nach einer Umfrage unter mehr als 3200 Kaufinteressenten. Danach zeigen sich Haus- und Wohnungskäufer, was die Ausstattung der Immobilien angeht, mittlerweile kompromissbereiter als noch vor drei Jahren.

          Gab im Sommer 2010 noch jeder fünfte Erwerber an, dass sein Eigenheim unbedingt über eine Badewanne verfügen müsse, stimmt 2012 nur noch jeder Zehnte dieser Aussage zu. Auch die Anzahl derjenigen, die dünne Wände oder eine Nordausrichtung der Räume als inakzeptabel empfinden, hat sich innerhalb von drei Jahren halbiert. Selbst eine schlechte Dämmung, niedrige Decken oder eine renovierungsbedürftige Fassade wirken im in Zeiten des Immobilienkaufrauschs weit weniger abschreckend als noch vor drei Jahren.

          Doch nicht nur bei den Objekteigenschaften hat sich die Einstellung verändert: Zwar ist eine problematische Nachbarschaft für 47 Prozent der Befragten nach wie vor das wichtigste Ausschlusskriterium bei der Objektauswahl. Vor drei Jahren gaben aber noch 64 Prozent an, dass ein Immobilienkauf bei schwierigen Nachbarschaftsverhältnissen nicht in Frage kommt.

          Möglicher Grund für die höhere Toleranz der Käufer ist ein kleiner werdendes Immobilienangebot: „Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten und zunehmende Inflationsängste haben Immobilien als sichere Anlagealternative in den vergangenen zwei Jahren massiv aufleben lassen. In Kombination mit den historisch niedrigen Baugeldzinsen hat dies vielerorts zu einem leergefegten Immobilienmarkt geführt“, kommentiert Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG, die Ergebnisse. Marc Stilke, Geschäftsführer von Immobilienscout 24, ergänzt: „Wir beobachten, dass in den Ballungszentren Immobilien heute deutlich schneller verkauft werden als noch vor zwei Jahren. Das führt zu einer spürbaren Angebotsverknappung. Wer heute in den gefragten Lagen eine Immobilie sucht, nimmt schon mal Abstriche bei den Objekteigenschaften in Kauf.“

          Top-5 der Ausschlusskriterien beim Immobilienkauf 2012:

          1. Problematische Nachbarschaft

          2. Kein Garten

          3. Kein Pkw-Stellplatz

          4. Innen liegendes Bad ohne Fenster

          5. Kein Balkon

          Weitere Themen

          „Squid Game“ hilft Netflix

          Streaming-Dienst : „Squid Game“ hilft Netflix

          Netflix gewinnt nach zwischenzeitlicher Abschwächung wieder mehr Nutzer – und profitiert vom Überraschungserfolg einer blutrünstigen koreanischen Serie.

          Topmeldungen

          Energiepreise : Die Krise nach der Krise

          Benzin, Öl und Gas sind extrem teuer. Das trifft die Ärmeren – und ist doch nur der Anfang.
          Lockerungen in Aussicht: Die Maske gehört mittlerweile zur Normalität im Einzelhandel.

          F.A.Z. Frühdenker : Ohne Maske einkaufen in Hamburg

          Immer mehr Flüchtlinge an der deutsch-polnischen Grenze, Postenpoker in Berlin und was Delivery Hero mit dem Lieferdienst Gorillas verbindet. Der F.A.Z. Frühdenker.
          Steve Bannon, ehemaliger Berater des US-Präsidenten und US-amerikanischer Publizist, trifft auf Reporter. (Archivbild von 2020)

          Ausschuss zu Kapitol-Angriff : Trump-Berater Bannon soll vor Gericht

          Bannon hatte einer Vorladung vor den Untersuchungsausschuss nicht Folge geleistet. Er beruft sich auf ein Privileg, das den Präsidenten berechtigt, Informationen vorzuenthalten. Dem Ausschuss zufolge gilt dies jedoch nicht für seine Berater.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.