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Energiesparen : Wohnungskonzern Vonovia will Heizungstemperatur nachts absenken

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Wohnungen in Frankfurt: Vonovia senkt die Heiztemperatur. Bild: Unternehmen

Nachts nur noch 17 Grad: Der größte Vermieter Deutschlands senkt die Wohnungstemperatur. Laut Vermieterverband GdW zahlt ein Vier-Personen-Haushalt fast 1000 Euro mehr für Energie im Jahr.

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          Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia will zur Verringerung des Gasverbrauchs die Heizungstemperatur der Gas-Zentralheizungen in der Nacht absenken. Die Leistung werde zwischen 23 und 6 Uhr auf 17 Grad Raumtemperatur reduziert, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Tagsüber werde wie gewohnt geheizt. Auch die Warmwasserversorgung sei von diesem Schritt nicht betroffen. Hier gebe es keine Einschränkungen beim Duschen oder Baden.

          Die Umstellung der Heiztemperatur soll nach Unternehmensangaben im Rahmen der Routinewartung der Heizungsanlagen vor Beginn der Heizperiode erfolgen. In einem Mieteraushang betonte Vonovia, das Unternehmen wolle mit diesem Schritt als verantwortungsvoller Vermieter dazu beitragen, Gas einzusparen und die Heizkosten zu begrenzen. Durch die Nachtabsenkung würden bis zu acht Prozent des Heizaufwands eingespart. Vonovia besitzt mehr als 550.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich. Hinzu kommen rund 72.500 verwaltete Wohnungen.

          Auch der Vermieterverband GdW befürwortet eine niedrigere Raumtemperatur. Wenn Vermieter die Temperatur um zwei Grad senken, müssten Vermieter dann tagsüber nur noch 18 und nachts 16 Grad gewährleisten. „Ich glaube, dass sehr viele Unternehmen das in der Tat machen würden“, sagte Verbandspräsident Axel Gedaschko am Donnerstag.

          Zinsen und Baukosten steigen

          Die Energiepreise stellen Mieter und Vermieter im Winter vor eine Belastungsprobe. Die großen Wohnungsunternehmen warnten jetzt vor deutlichen Kostensteigerungen für Mieter und forderten staatliche Hilfe. „Die Situation ist mehr als dramatisch, und der soziale Frieden in Deutschland ist massiv in Gefahr“, teilte der Branchenverband GdW mit. Gleichzeitig machen demnach gestiegene Zinsen und Baukosten das Ziel unerreichbar, mehr Wohnungen zu bauen und so den Druck von den Mieten zu nehmen.

          In Folge des Ukrainekriegs sind die Energiepreise nach Verbandsrechnung bis Mai um 37 Prozent gestiegen. Für einen Ein-Personen-Haushalt bedeute das eine Mehrbelastung von 508 Euro im Jahr verglichen mit 2021, für vier Personen 938 Euro. Die Unternehmen rechnen aber mit höheren Steigerungen und einer deutlich vierstelligen Mehrbelastung.

          Die Bundesregierung wird nach Worten von Wirtschaftsminister Robert Habeck die Gasversorgung mit allen Mitteln sicherstellen. Angesprochen auf einen möglichen Zusammenbruch des Marktes, sagte der Grünen-Politiker am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“, das werde nicht passieren. Allerdings müssten sich die Bürger auf einen teuren Winter einstellen. Die Preiserhöhungen im Herbst und Winter würden je Haushalt im vierstelligen Bereich liegen. „Und das kann dann eben auch mal ein Monatseinkommen für eine Familie sein.“

          Habeck und andere rufen immer wieder zum Energiesparen auf. Vermieter informieren laut GdW ihre Mieter schon über energiesparendes Heizen und Lüften. Sinnvoll sei es auch, Warmwasser auf bestimmte Zeiten zu beschränken, sofern sich alle im Haus darüber einig seien. Eine solche Entscheidung einer Genossenschaft im sächsischen Dippoldiswalde hatte für Aufsehen gesorgt.

          Viele Wohnungsunternehmen haben die Nebenkosten-Vorauszahlungen schon erhöht. Dennoch könne ein Teil der Wohnungsunternehmen in existenzbedrohende Liquiditätsengpässe geraten, warnte der GdW. Die Mieter und Unternehmen dürften in dieser Situation nicht allein gelassen werden. „Der Staat muss in dieser Notsituation seiner sozialen Verantwortung gerecht werden.“ Der Verband schlug staatliche Hilfsfonds vor, um Nebenkosten zu begrenzen.

          Der GdW vertritt vor allem Genossenschaften und städtische Wohnungsunternehmen, aber auch börsennotierte Branchenriesen wie Vonovia. Die Mitglieder kommen auf etwa 30 Prozent der Mietwohnungen in Deutschland. „Wir vermieten vor allem an Menschen, die nicht so viel Einkommen haben“, sagte Gedaschko. Sie könnten die hohen Energiepreise nicht bezahlen.

          Preisexplosion, Materialmangel, Personalnot

          Die Branche befindet sich nach eigener Darstellung in einem Orkan aus Lieferkettenproblemen, wechselnden Förderbedingungen, steigenden Zinsen, Fachkräfte- und Materialmangel sowie Preisexplosionen. Bauen sei heute etwa doppelt so teuer wie im Jahr 2000.

          Um das notwendige Geld zu verdienen, müssten Unternehmen rechnerisch eine monatliche Nettokaltmiete von deutlich über 16 Euro pro Quadratmeter verlangen, rechnete der GdW vor. Viele Mitglieder hörten deshalb auf zu bauen. „Die Regierungsziele von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr sind Makulatur“, sagte Gedaschko.

          Laut einer Umfrage der in den Verbänden des GdW organisierten Unternehmen wollten 70,7 Prozent davon Neubauprojekte aufgeben oder verschieben. Der Staat müsse sich insbesondere stärker im sozialen Wohnungsbau engagieren. Erforderlich seien fünf Milliarden Euro jährlich, finanziert von Bund und Ländern.

          Der GdW vertritt rund 3000 Wohnungsunternehmen, die etwa in kommunalen, privatwirtschaftlichen oder öffentlichen Händen sind. Sie bewirtschaften sechs Millionen Wohnungen mit über 13 Millionen Bewohnern. Bei sozial orientierten Wohnungsunternehmen wie Genossenschaften werde 2022 erstmals seit langem mit einem Rückgang der Gesamtinvestitionen um 5,7 Prozent auf noch 19,3 Milliarden Euro gerechnet. Im Neubau werden voraussichtlich mit neun Milliarden Euro rund eine Milliarde Euro weniger investiert. Die GdW-Unternehmen hätten 2021 fast 29.000 Wohnungen fertiggestellt und damit zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang werde sich 2022 fortsetzen.

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