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Wohntrends : Daran kommen wir nicht vorbei

Wie aufgeblasen: „Plopp“ heißt dieser Kupferhocker, der aussieht, als habe Jeff Koons ihn entworfen Bild: Stilwerk

Für hässliche Gartenmöbel gibt es keine Ausrede mehr, der Lattenrost ist out, der Holzweg garantiert kein Fehler. Und wer über einen grauen Alltag klagt, dem kann geholfen werden. Denn Möbelhersteller und Designer bieten uns 2014 ein Leben in Rosarot.

          4 Min.

          Lattenrost, ade

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Boxspringbetten sind der Megatrend. Die Betten bestehen aus einem gefederten Unterbau, auf dem dann erst die eigentliche Matratze liegt. Die Deutschen kennen sie bisher vor allem von Reisen ins Ausland. Besonders beliebt ist dieser zwar vornehme, aber meist auch gediegen wirkende Bettentyp in Nordamerika, den Beneluxländern und in Skandinavien. Dort wurde er erfunden. Nun soll das Bett mit dem üppigen Matratzenaufbau auch unsere Schlafzimmer erobern. Was dagegen spricht: Bisher sind Boxspringbetten noch verhältnismäßig teuer. Was dafür spricht: Sie sind sehr bequem und komfortabel, nicht zuletzt, weil Boxspringbetten in der Regel deutlich höher sind, als die hier üblichen Modelle. Das erleichtert Erwachsenen den Einstieg - und passt zu unserer alternden Gesellschaft.

          Bequeme Einstiegshöhe: Boxspringbetten passen zur alternden Gesellschaft Bilderstrecke

          Völlig auf dem Holzweg

          Holz ist nun schon seit einigen Jahren in Mode, und von nachlassender Begeisterung kann 2014 keine Rede sein. Je glatter und digitaler die Welt um uns herum wird, desto lieber holen wir uns offenbar den Wald ins Haus. Das beruhigt. Holz überzeugt nicht nur, weil es so schön robust ist und der Hand schmeichelt, es hat außerdem eine gute Ökobilanz. Der Baustoff punktet zudem mit etwas, was im 21. Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit mehr ist: Natürlichkeit. Damit spielen die Designer - zum Beispiel die von Team 7. Die Österreicher haben einen witzigen Hocker im Baumstammlook im Programm, der sich auch als Beistelltisch eignet. Der Zylinder mit seinen Rissen sieht aus, als hätte ihn die Natur gezeichnet. Doch darauf sollte man nicht hereinfallen: Denn die vermeintlich natürlichen Spuren hat man ihm in voller Absicht zugefügt. Andere wie Corinna Warm zeigen den Baustoff dagegen von seiner edlen Seite. Warms Sideboard aus der „Clear“-Serie etwa verblüfft mit einer fast schon dreidimensional anmutenden Frontseite. Das ganze Möbel ist von großer Raffinesse, erscheint je nach Blickwinkel schwarz, dunkelbraun oder changiert zwischen beiden Tönen. Der große Vorzug von Holz ist seine Vielseitigkeit. Ob massiver Schrank, schlanker Sekretär, eleganter Stuhl, mächtiger Küchenblock oder Wohnaccessoire, ob rustikal oder elegant - der Holzweg ist immer richtig.

          Ohne Hemmungen

          In Küche und Wohnraum hat man es vorgemacht, nun sollen Bad und Schlafzimmer endlich folgen, auf dass zusammenwachse, was bisher getrennt ist. Das Bad soll weg vom Nasszellen-Image. Das hat sich die Avantgarde der Sanitärbranche vorgenommen und tüftelt an entsprechenden Lösungen. Kacheln, Edelstahl, Keramik und Glas, die bisher typischen Badezimmermaterialien, werden zunehmend auch mit anderen Baustoffen kombiniert, um eine wohnlichere Atmosphäre zu erzeugen. Ein Grundproblem: Bisher hängen viele Badezimmerinstallationen an der Wand - der Leitungen wegen. In Zukunft soll auch die Mitte des Raums stärker genutzt werden, um Waschbecken und Badewanne in Szene zu setzen. Zweiter Knackpunkt: Die Voraussetzung dafür, dass das Bad wohnlich wird, ist sehr viel Platz.

          Draußen wohnen

          Überhaupt verwischen die Grenzen immer mehr. In der Wohnwelt von morgen ist auch der Übergang zwischen drinnen und draußen fließend - so holt man sich einerseits die Natur ins Haus, andererseits werden Garten und Terrasse zum verlängerten Wohnzimmer. Dort lagert der Mensch dann ausgestreckt auf großzügigen Sitzgarnituren, die aussehen, als lebten wir im Land des ewigen Frühlings, als sei jeder Balkon mindestens 20 Quadratmeter groß. Oder er sitzt auf Designklassikern in Outdoor-Variante, zum Beispiel dem Eames-Chair, den Vitra neuerdings auch in der Metallvariante führt. Ihm wie vielen anderen Möbeln von Extremis, Cane Line oder der Designer Paolo Lucidi und Luca Pevere ist jedenfalls nicht mehr auf den ersten Blick anzusehen, ob ihr Platz auf der Terrasse oder am Esstisch im Haus ist. So ist eines sicher: Camping-Atmosphäre mit Plastikklappstühlen war gestern.

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