https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/ziel-von-400-000-neubauwohnungen-fuer-2016-verfehlt-14606894.html

Wohnungsmangel : Ziel von 400.000 Neubauwohnungen für 2016 verfehlt

  • Aktualisiert am

Besonders begehrt: Die Preise von neugebauten Eigentumswohnungen sind um sechs Prozent gestiegen. Bild: dpa

Über Jahre wurde in Deutschland zu wenig gebaut. Das Ergebnis: In vielen deutschen Städten suchen Mieter händeringend bezahlbare Wohnungen. Doch ein Erreichen der offiziellen Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr ist nicht in Sicht.

          2 Min.

          Der Wohnungsbau in Deutschland liegt nach wie vor weit unter dem Ziel von 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr. „Wir gehen für 2016 insgesamt von etwa 300.000 Wohnungsfertigstellungen aus - davon 260.000 Einheiten in neu errichteten Wohngebäuden“, sagte Ludwig Dorffmeister, der Wohnungsbaufachmann des Münchner Ifo-Instituts, der Deutschen Presse-Agentur. Für 2017 rechnen die Wissenschaftler mit rund 325.000 Fertigstellungen, für 2018 mit etwa 335.000 Einheiten. Die zwei Bau-Spitzenverbände in Deutschland waren in ihrer im vergangenen Frühjahr veröffentlichten Prognose von insgesamt etwa 290.000 neuen Wohnungen im Jahr 2016 ausgegangen.

          Die offiziellen Fertigstellungszahlen für 2016 werden von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder zusammengetragen und noch einige Monate auf sich warten lassen. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) ebenso wie nicht wenige Vertreter der Bau- und Wohnungsbranche halten 400.000 neue Wohnungen im Jahr für notwendig.

          Das Ziel von jährlich 400.000 Wohnungsfertigstellungen über einen Zeitraum von fünf oder zehn Jahren halte er für „absolut unrealistisch“, sagte Dorffmeister. „Es kann sogar gut sein, dass wir in den kommenden Jahren nicht einmal die 350.000er-Marke erreichen werden.“ Die zurückliegenden sieben Jahre des Aufschwungs hätten gezeigt, wie schwierig sich eine rasche Ausweitung der Fertigstellungszahlen gestalte.

          Viele genehmigte Projekte werden nicht gebaut

          Dorffmeister nennt mehrere Gründe: zu wenig geeignete Grundstücke, Bürokratie und die Auslastung der Handwerker: „Der Mangel an Bauflächen, die diversen, zumeist kostentreibenden Vorschriften - auch in Bezug auf die eigentlich gewünschte Nachverdichtung - aber ebenso die Kapazitätsengpässe im Ausbaugewerbe haben eine enorm bremsende Wirkung auf die Wohnungsbautätigkeit“, sagte der Wissenschaftler.

          Dennoch hat der Wohnungsbau in den vergangenen Jahren stark zugenommen - unter anderem wegen der Flüchtlingskrise. Die zwischenzeitliche Eskalation der Flüchtlingszuwanderung im Jahr 2015 habe aufseiten des Staates zu einem Umdenken geführt, sagte Dorffmeister. „So wurden die Anstrengungen, zusätzlichen (bezahlbaren) Wohnraum zu schaffen, seit damals wesentlich erhöht. Der jüngst erfolgte, extreme Anstieg der Baugenehmigungen im Mehrfamilienhausbau geht maßgeblich auf die öffentlichen Aktivitäten zurück.“

          Der Ökonom rechnet aber damit, dass viele eilends genehmigte Projekt nicht gebaut werden: „Allerdings ist davon auszugehen, dass etliche Wohnungsbauvorhaben, die bis zum Frühjahr 2016 genehmigt worden sind, wohl nie umgesetzt werden.“ Nach dem Abebben des Zuwanderungsstroms hätten die Länder und Kommunen den Krisenmodus wieder verlassen und zahlreiche Projekte neu bewertet. „Etliche davon werden inzwischen nicht mehr weiter verfolgt beziehungsweise nun in anderer Form realisiert.“

          Weitere Themen

          Lindner warnt vor Handelskrieg mit USA

          Subventionsstreit : Lindner warnt vor Handelskrieg mit USA

          Washington betreibe eine enorm protektionistische Wirtschaftspolitik, kritisiert der Finanzminister. Da die deutsche Wirtschaft jedoch eng mit dem amerikanischen Markt verbunden sei, müsse Berlin in diesem Streit auf Wirtschaftsdiplomatie setzen.

          Topmeldungen

          DFB-Direktor Oliver Bierhoff (links) und Bundestrainer Hansi Flick

          Nach der WM-Blamage in Qatar : Veränderung? Nicht mit uns!

          Manuel Neuer, Hansi Flick, Oliver Bierhoff: Die Verantwortlichen für das deutsche Desaster bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Qatar ducken sich weg. Alles soll bleiben, wie es ist.
          Überschattetes Familienglück: Siegfried Gronau mit Frau Jadvyga und Sohn Artūras

          Wolfskinder auf der Flucht : „Wir waren wie Ratten“

          Eines von Tausenden „Wolfskindern“: Als ­Junge muss Siegfried Gronau im Zweiten ­Weltkrieg fliehen, er verliert seine Familie. Die Auswirkungen spürt er bis heute.
          „Wir werden keinen einzigen Ukrainer in russischen Gefängnissen, Lagern und Haftanstalten zurücklassen. Wir denken an alle“, so Präsident Selenskyj.

          Die Lage im Krieg : Die Ukraine bangt um ihre Kriegsgefangenen

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj feiert die Rückkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft – doch die Sorge um Tausende noch Inhaftierte bleibt. Kiew will ein Sondertribunal für russische Kriegsverbrechen bilden. Der Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.