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Immobilien : Wohnen wie Wolfgang

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Modedesigner Wolfgang Joop versteigert seine Möbel. Interessenten gibt es genug. Bild: dpa

Joop lässt seine Möbel versteigern. Erwartet werden Spitzenpreise – wie bei allen Promi-Auktionen. Warum wollen Menschen zu Hause so gerne am Tisch eines Stars sitzen?

          Die Eileen-Gray-Konsole aus Karl Lagerfelds Haus im Esszimmer, das Gemälde der Kaiserin Sisi hoch zu Ross im Salon, die goldene Zigarettenschatulle von Helmut Schmidt auf dem Teetisch – mit all diesen Dingen kann man seine Wohnung ausstatten. Theoretisch. Man braucht nur die nötige Bonität und muss mit etwas Geschick seine Konkurrenten überrunden. Prominente Kleinode mit großem Stammbaum und dramatischem Schicksal für die eigenen vier Wände sind in den Katalogen aller wichtigen Auktionshäuser zu finden. Möbel von illustrer Abstammung sind begehrt, seit Anfang des 19. Jahrhunderts der Londoner Harry Phillips in seinem gleichnamigen Kunsthandelshaus Objekte von Napoleon Bonaparte und dem Dandy Beau Brummell aufsehenerregend versteigerte.

          Wolfgang Joop ist der Nächste in diesem Starreigen. Im Oktober und November lässt er eine Sammlung bildender und angewandter Kunst aus mehreren Jahrhunderten beim Auktionshaus Christie’s versteigern, die bisher in seiner an SAP-Gründer Hasso Plattner verkauften Potsdamer Villa Wunderkind zu Hause war. Joop zieht ins Familienanwesen Gut Bornstedt – und erwartet 1,5 Millionen Euro Erlös bei der Versteigerung von rund 30 seiner eingelieferten Sammlerstücke.

          Darunter sind französische Möbelikonen des 20. Jahrhunderts wie eine Goldlackkommode des Designers Jean Dunand und ein knallrotes Daybed von Prouvé und Perriand aus dem Jahr 1955, aber auch ein Palmholz-Sideboard von Eugène Printz mit Tierdekor-Falttüren. Joop selbst ist – wie nicht wenige Sammler – seit Jugendzeiten dem fast erotischen Reiz von Auktionen verfallen: „Wenn man auf einer Auktion kauft, ist es eine intime, fast sexuelle Sache. Du sagst zum Kunstwerk: Komm näher, lass mich dich berühren, ich will dich besitzen. Leb mit mir für eine kurze Zeit“, sagt der Designer.

          Und Macht? Macht ist auch bei Möbeln sexy. In diesen Tagen ist die Bereitschaft der Käufer, für Objekte berühmter Männer und Frauen viel Geld auf den Tisch zu legen, größer denn je; Prominenten-Auktionen sind Publikumsmagneten, die aufwendig beworben werden und über die von Neuseeland bis New York berichtet wird. Denn nichts läuft im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit besser als Mythen und bekannte Marken, das ist im Kunsthandel nicht anders als in der Mode oder Autobranche. In diesem Herbst werden bei Christie’s auch Objekte aus dem Nachlass von Audrey Hepburn versteigert.

          Für Einrichtungsliebhaber ist die Auktion der Sammlung des Pariser Interior Designers Alberto Pinto ein Muss, die Konkurrenz von Sotheby’s bringt die Kollektion des berühmten französischen Einrichters Jacques Grange am 21. November in Paris unter den Hammer. Bei allen stehen eher die Namen der Vorbesitzer als die Objekte selbst im Mittelpunkt: Ob Lady Dianas Kleider, Elizabeth Taylors Juwelen oder David Bowies Sofa – es läuft, das Geschäft mit dem Glamour.

          Man kauft immer auch Geschichten, Erinnerungen und einen Mythos mit

          Die „Single Owner Sales“ oder „Attic Sales“ gelten in der Branche als Selbstläufer. Allerdings wird es immer schwieriger, sie in hoher Frequenz durchzuführen, da die Dachböden der großen europäischen Schlösser immer leerer werden und eine neue Sammlergeneration sich eher für zeitgenössische Kunst als für alte Paravents interessiert. Seit den achtziger Jahren sind große Schloss-Sales in Großbritannien, seit den Neunzigern auch in Deutschland eine feste Größe auf dem Auktionsmarkt. So gerieten im Jahr 1992 die Auktion von Thurn und Taxis, 1995 die der Markgrafen von Baden und 2005 des Hauses Hannover für das Publikum zu Nationalevents.

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