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Wohnungstausch im Urlaub : Tausche Berliner Altbau gegen...

  • -Aktualisiert am

Bild: Frank Röth

Die eigenen vier Wände Fremden für die Ferien überlassen und in deren Haus Urlaub machen? Eigentlich eine gute Idee. Eigentlich.

          4 Min.

          Neulich waren wir bei Freunden in ihrem neuen Heim draußen im Speckgürtel. Die Wände frisch verputzt, das Parkett neu verlegt, der Tisch ohne Kratzer. Zwei böse Gedanken schossen mir durch den Kopf: „Das ist hier ja schrecklich perfekt.“ Aber auch: „Mit einer solchen Wohnung würde ich wohl nicht tauschen.“ Um unserem Altbau müssen wir uns da definitiv weniger Sorgen machen, wenn wir ihn im August für drei Wochen einer fremden Familie aus dem spanischen Vigo überlassen. Als Tausch gegen ihr Zuhause. Sie werden in unseren Betten schlafen, auf unseren Stühlen sitzen und unseren Kühlschrank benutzen - und umgekehrt.

          Verrückt? Keineswegs, vielmehr liegen wir im Trend. Denn der Wohnungstausch zu Ferienzwecken erlebt gerade einen regelrechten Boom. Die Agentur „Haustauschferien“, über die wir unsere spanischen Tauschpartner gefunden haben, ist nach eigenen Angaben seit 2006 um 400 Prozent gewachsen, die Zahl der Tauschofferten kletterte von 10.000 auf 50.000. Ein Grund liegt auf der Hand: Auf diese Weise lässt sich die Urlaubskasse auf elegante Art schonen. Vergangenen Sommer auf Amrum hausten wir auf 35, sehr sympathisch funktionalen Quadratmetern. Während Freunde zum Nulltarif in ein geräumiges Haus in der Bretagne reisten, nur sechs Kilometer vom Meer entfernt.

          Die Mitgliedschaft kostet uns jährlich 130 Euro. Das Unternehmen wirbt damit, dass man um die 58 Prozent spart im Vergleich zu einem normalen Urlaub. Was sofort einleuchtet, weil die Ferienhausmiete wegfällt. In die Kalkulation gehört natürlich die Anreise. Dass wir nun in der Hafenstadt Vigo, gelegen zwischen Santiago de Compostela und Porto, landen werden, liegt auch am attraktiven Flugpreis für die vierköpfige Familie. Es gibt aber noch einen Grund für den Trend. Steht derzeit doch vor allem bei den Angehörigen einer sich als kosmopolitisch verstehenden Mittelschicht die Idee der sogenannten Share Economy hoch im Kurs. Also wagen auch wir das Haustauschabenteuer.

          Jede Wohnung hat so ihre Tücken

          Aber, sind wir wirklich so aufgeschlossen und tolerant, wie wir glauben, und wie das pensionierte Ehepaar, das ebenfalls zur Zielgruppe zählt, weil das Reisen im Alter selbst mit einer komfortablen Rente ins Geld geht? Kann ich mich mit der Philosophie des Tauschens wirklich einrichten? Wir wohnen im gediegenen Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Unsere Reise wird uns in eine Hafen- und Industriestadt führen, für die „pittoresk“ vermutlich schon ein schmeichelhaftes Attribut ist. Dass Vigo ein Geheimtipp ist, haben wir erst erfahren, als wir schon zugesagt hatten.

          Umso größer ist die Vorfreude nun. Aber seit wir unseren ersten Tausch fix haben, schaue ich morgens öfter nachdenklich auf unsere geliebte italienische Espressomaschine. Wir fanden die Bedienungsanleitung in lustigem Deutsch selbst kompliziert. Man kann dieses Gerät auf keinen Fall einfach per Knopfdruck bedienen, schließlich ist es kein Vollautomat. Man muss sie kennen und zu nehmen wissen, damit der Espresso gelingt: Der Dampfhahn tropft. Sie darf keinesfalls angeschaltet bleiben, weil sie sonst überhitzt. All das und alles andere rund um unsere Wohnung muss ich für unsere Tauschpartner ins „Manual“ schreiben, eine Art Bedienungsanleitung, wie man sie auch in Feriendomizilen vorfindet: Der Kindersender Kika liegt auf Kanal 30, die Mülltonnen befinden sich im Schuppen und so weiter.

          Nur anders als bei einer Ferienwohnung, in der alles funktionieren sollte, hat jede Privatwohnung naturgemäß ihre ganz individuellen Tücken. Nicht alle sind so charmant wie der tropfende Dampfhahn, unter den wir einfach eine Espressotasse stellen. Die Sache mit dem Manual ist etwas lästig, zugegeben, aber wenn es geschafft ist, wird der nächste Tausch schon Routine sein. Man fühlt sich wie bei der Übergabe des Jobs, den man gekündigt hat. Ein bisschen ertappt. Was über Jahre irgendwie funktioniert hat, wird zum Problem, wenn man es pragmatisch zusammenfassen soll. Auf Englisch. Andererseits, und das kann man gar nicht unterschätzen, ist die kritische Bestandsaufnahme der eigenen vier Wände eine hervorragende Möglichkeit, Verdrängtes und Versäumtes endlich mal anzugehen.

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