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Wohnungsmarkt : Wer Geld hat, lebt im Norden

  • -Aktualisiert am

Begehrte Lage am Fuße des Heiligenbergs Bild: Marcus Stölb

Wohnraum ist in Heidelberg knapp. Die Mieten haben Metropolen-Niveau. Die Bahnstadt und der Abzug der amerikanischen Truppen könnten dem Markt Luft verschaffen.

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          Wenn Dorit Schäfer von ihrer Heimatstadt berichtet, gerät sie ins Schwärmen: Von der „romantischen Altstadt“ erzählt sie dann, die sie „immer noch verzaubert“. Seit Mitte der achtziger Jahre lebt die Konservatorin in Heidelberg, mit ihrer Familie bewohnt sie ein Haus mit Garten im Stadtteil Schlierbach. Acht Jahre dauerte die Suche nach dem Eigenheim, acht Mal zog die 45-Jährige schon innerhalb Heidelbergs um. „Ausgesprochen problematisch“ sei die Wohnungssituation.

          Das bestätigt Hans-Jörg Kraus. Der Makler residiert in einem 30 Meter hohen Null-Emissions-Haus. Errichtet wurde der Turm auf dem Gelände einer alten Glockengießerei in Bergheim. Hier entstanden im vergangenen Jahrzehnt auch Dutzende neue Wohnungen. Ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das Angebot an Bauland in guten Lagen von Heidelberg war schon immer knapp, weshalb aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage ein Verkäufermarkt herrscht“, beschreibt Kraus die Situation. Reiner Braun von der Berliner Empirica AG, die regelmäßig Daten zu den deutschen Wohnungsmärkten erhebt, wird deutlicher: „Im Vergleich zu gleichgroßen Städten ist Heidelberg zu teuer.“

          Begehrte Lage

          Tatsächlich sind Immobilien in Heidelbergs Top-Lagen für Normalverdienende kaum noch erschwinglich. Wer etwa in Neuenheim leben möchte, muss viel Geduld und noch mehr Geld mitbringen. Gerhard Nett vom Maklerhaus Engel & Völkers in Heidelberg spricht von „Liebhaberpreisen“. Zahlreiche Interessenten warteten etliche Jahre darauf, sich in dem schicken Viertel niederlassen zu können. Steht eine Immobilie zum Verkauf, was selten vorkommt, seien manche bereit, auf den Kaufpreis noch einmal bis zu 20 Prozent draufzulegen, berichtet Nett.

          Dass die Lage so begehrt ist, verwundert nicht: viel Grün, in den Seitenstraßen kaum Verkehr, pittoreske Gründerzeithäuser, stattliche Villen - und das alles in fußläufiger Entfernung zu Neckar und Altstadt. Auch die Uni-Kliniken auf dem Neuenheimer Feld sind nicht weit. Nördlich an Neuenheim schließt sich Handschuhsheim an, ein ebenfalls begehrtes Pflaster.

          Wohnen auf dem Gelände der Glockengießerei

          „Wer Geld hat, lebt im Norden. Wer kein Geld hat, im Süden“, sagt Christoph Nestor vom Heidelberger Mieterverein. Er und seine Kollegen werden mit den Schattenseiten der Entwicklung konfrontiert. Dass die Neckarstadt laut einer aktuellen Untersuchung der Hamburger F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH mit durchschnittlichen Angebotsmieten von 9,60 Euro pro Quadratmeter fast gleichauf mit Frankfurt am Main liegt, ist bezeichnend. Bei Empirica belegt Heidelberg im bundesweiten Miet-Ranking kreisfreier Städte den vierten Platz, dicht hinter Hamburg. Nach Ansicht von Braun dürfte die Stadt angesichts ihrer überschaubaren Größe gar nicht unter den Top 10 auftauchen. Auch bei den Preisen für Wohneigentum rangiert Heidelberg weit vorne. Laut Preisspiegel 2011 der LBS wird die Stadt in dieser Kategorie nur noch von München, Frankfurt und Freiburg übertroffen.

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