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Wohnungsmarkt : Warum die Mieten kaum noch steigen

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Krasse Preissteigerungen im sanierte Altbau? Oder sind diese Zeiten vorbei? Bild: dpa

Private Vermieter halten sich mit Preiserhöhungen seit dem Frühjahr diesen Jahres zurück. Hat die Mietpreisbremse etwa schon gewirkt?

          3 Min.

          Auf Mieter und Vermieter in Deutschland kommen immer mehr staatliche Vorgaben zu. So ist die Mietpreisbremse an vielen Orten in neun Bundesländern schon in Kraft: In einzelnen Städten, Vierteln und Gemeinden dürfen damit Eigentümer, die ihre Wohnung neu vermieten, in der Regel höchstens 10 Prozent mehr verlangen als für eine Wohnung in vergleichbarer Lage und mit ähnlicher Ausstattung. Doch wie stark steigen überhaupt die Mieten in Deutschland? Mittlerweile halten sich die Vermieter zurück, sagt der Eigentümerverband Haus & Grund. In einem halben Jahr seien die Mieten von Wohnungen privater Vermieter um 0,95 Prozent gestiegen.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit bezieht sich der Verband auf die Ergebnisse einer Umfrage unter privaten Vermietern, die Haus & Grund Deutschland am Donnerstag vorgestellt hat. „Der Mietanstieg ist seit dem Frühjahr deutlich zurückgegangen. Wir schließen daraus, dass vor allen Dingen die Ankündigung einer Mietpreisbremse in großen Teilen Deutschlands im letzten Jahr zu vorgezogenen Mieterhöhungen geführt hat“, sagte Verbandshauptgeschäftsführer Kai Warnecke. Zwei Drittel aller Mietwohnungen in Deutschland gehören nach Verbandsangaben Privatpersonen.

          Angaben zu 4300 Wohnungen ausgewertet

          Eine gute Nachricht für die Mieter ist, dass der Mietpreis oft nicht steigt. In 52,5 Prozent der erfassten Mietverhältnisse gab es nach der Umfrage im aktuellen Mietzeitraum keine Mieterhöhung. 29,1 Prozent der Vermieter gaben an, die Miete generell nur bei einem Mieterwechsel zu erhöhen. Doch fest rechnen können Mieter mit gleichbleibenden Kosten nicht. Im Durchschnitt wurde die letzte Mieterhöhung vor 3,6 Jahren ausgesprochen. 12 Prozent der Vermieter sagten, zuletzt vor ein bis zwei Jahren die Mieten in einem bestehendes Mietverhältnis erhöht zu haben. Innerhalb eines Jahres wurden in 7,3 Prozent der erfassten Mietverhältnisse die Mieten erhöht. Auch dies würde ein Rückgang in jüngster Zeit bedeuten, der sich wohl noch vor der Mietpreisbremse gezeigt hat.

          Für die Vermieterbefragung hat der Eigentümerverband Angaben von privaten Vermietern zu 4300 Wohnungen von Juni bis August ausgewertet. Diese wurden mit Unterstützung des Beratungsunternehmens Empirica schriftlich in acht Regionen ausgewertet, die den bundesweiten Wohnungsmarkt in Bezug auf Einwohnerdichte, Einwohnerentwicklung und Wirtschaftskraft repräsentieren sollen. Die Umfrage des ersten Halbjahres beruht auf Angaben bis Januar 2015.

          Bild: F.A.Z.

          Die durchschnittliche Nettokaltmiete je Quadratmeter stieg in der zweiten Jahreshälfte für ein Mehrfamilienhaus, das fast zwei Drittel der Erhebung ausmacht, um 1,7 Prozent auf 7,58 Euro (zuvor 7,45 Euro). Die Miete sank für eine Eigentumswohnung auf 9,54 Euro (zuvor 9,60 Euro) und für ein Einfamilienhaus auf 7,55 Euro (zuvor 8,21 Euro), während sie für ein Zweifamilienhaus auf 6,70 Euro stieg (zuvor 6,64 Euro). Haus & Grund deutete die Rückgänge derart, dass für höherpreisige Immobilien kaum mehr Preissteigerungen möglich seien, da sich der Markt beruhigt habe. Gut dürfte sein, dass die Heizkosten durch den milden Winter in der Regel zurückgingen. Während diese im Durchschnitt um 4,26 Prozent sanken, erhöhten sich jedoch die Betriebskosten laut der Umfrage vom ersten zum zweiten Halbjahr um 3,49 Prozent.

          Das sei die Folge der steigenden kommunalen Abgaben wie der Grundsteuer; sie schwankten regional. Die Betriebskosten je Quadratmeter lagen im Durchschnitt zwischen 0,88 Euro und 1,65 Euro und die Heizkosten zwischen 1,02 und 1,10 Euro je Quadratmeter.

          „Nicht nur unnötig, sondern fehl am Platze“

          Der Eigentümerverband hält die Mietpreisbremse für falsch. „Die Befragungsergebnisse zeigen, dass alle jüngst eingeführten oder aktuell geplanten Maßnahmen zur Dämpfung von Mieterhöhungen nicht nur unnötig, sondern fehl am Platze sind“, sagte Warnecke. Notwendig seien politische Signale, dass es sich lohne, privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dazu gehöre, dass das Mietrecht auch in Zukunft wirtschaftliche Modernisierungsmaßnahmen zulasse.

          Nach der Prognose von Haus & Grund nehmen Modernisierungen in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren ab. „Die jüngst vorgelegten Mietrechtspläne des Bundesjustizministers sind überhaupt nicht zukunftsfähig. Sie stellen für energetische und altersgerechte Modernisierungen Hürden auf, die einem Modernisierungsverbot gleichkommen“, sagte Warnecke. Nach den Vorschlägen des Bundesjustizministers Heiko Maas (SPD) soll die Umlage von Modernisierungskosten deutlich erschwert werden. Sollte dies kommen, steht der Mietmarkt vor dem nächsten staatlichen Eingriff.

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