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Wohnungsmarkt : So funktioniert der Mieterkauf

Wollte nicht auf einen Weißen Ritter warten: Yvonne von Langsdorff hat für ihre Hausgemeinschaft den Immobilienkauf in der Zossener Straße in Berlin-Kreuzberg organisiert. Bild: Andreas Pein

Wird das Haus ­verkauft, fürchten viele Mieter den Verlust der ­Wohnung. Dabei haben sie oft ein Vorkaufsrecht. Selbst fehlendes Eigenkapital muss kein ­Hindernis sein.

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          „Eines Tages bekamen die Mieter die Nachricht, dass ihr Haus verkauft wird.“ Mit diesem Satz beginnen die meisten Schauermärchen vom Berliner Wohnungsmarkt. Die Geschichte folgt darauf oft einem festen Drehbuch: Die Mieter haben Angst davor, sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten zu können, weil sie luxussaniert oder in Eigentum umgewandelt werden. Sie hängen zum Protest bemalte Bettlaken ins Fenster. Wenn das Haus in einem Milieuschutzgebiet liegt, fordern die Bewohner, dass der Bezirk von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch macht, damit sie nicht verdrängt werden. Sie rufen nach einem Vermieter, der dem Gemeinwohl und nicht der Rendite verpflichtet ist. Manchmal haben die Mieter Glück, und anstelle des Investors wird zum Beispiel eine kommunale Wohnungsgesellschaft neuer Eigentümer. In den allermeisten Fällen aber passiert das nicht.

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch die Geschichte des Hauses in der Zossener Straße 48 in Berlin-Kreuzberg beginnt so. Als Mieterin Yvonne von Langsdorff vor vier Jahren erfuhr, dass ihr Haus an einen Investor verkauft werden sollte, schrillten bei ihr die Alarmglocken. Auch sie hatte Angst vor Verdrängung und trommelte die Nachbarn zusammen. Schließlich hatte sie in ihrer Straße live mitverfolgen können, wie das Gebäude gegenüber „entmietet“ wurde – offenes Dach inklusive. Aber als auf der Versammlung die Idee aufkam, zum Protest Bettlaken an die Fassade zu hängen, sagte sie gleich: „Da mache ich nicht mit. Wen soll das denn interessieren?“

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