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Kooperatives Wohnprojekt : Gegen den Verlust der Großfamilie

Klaus Jensen lebt mit seiner Frau, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, selbst schon seit vielen Jahren ebenfalls im Schammatdorf. Bild: Frank Röth

Das Schammatdorf in Trier war eines der ersten kooperativen Wohnprojekte in Deutschland. Die Nachfrage nach Wohnungen ist groß wie nie. Weil immer mehr ältere Menschen Halt suchen – und Geborgenheit im Alter.

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          Anja Loch hat eine ganze Menge zu regeln. Auch wenn sie nur die „kleine Bürgermeisterin“ genannt wird und ihr Dorf eigentlich auch gar kein richtiges Dorf ist. Die 260 Bewohner in ihren elf „Höfen“ sind nämlich keine normalen Bewohner. Und das liegt am wenigsten daran, dass einige von ihnen körperlich oder geistig beeinträchtigt sind. Und es liegt auch nicht daran, dass die rheinlandpfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer dort lebt. Es liegt an der Einstellung der Dörfler, am Willen, sich gegenseitig zu helfen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Das ist anstrengend.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Wer ins Schammatdorf nach Trier zieht, der will etwas bewegen. Das „Dorfzentrum“ ist denn auch Woche für Woche ausgebucht: die Koordinierungsgruppe Singspiel trifft sich, die Square Dance Gruppe Porta Nigra Zoomers, die Gruppe der an Multiple Sklerose Erkrankten. Den Free-your-stuff-Markt gilt es vorzubereiten, dazwischen muss Loch auf die öffentliche Vorstandssitzung, am Samstag ist Pfarrfest in St. Matthias. Dazu gilt es den „Engagement-Tag“ mit der Bitburger Braugruppe und einem Maler zu organisieren, die offene Spielgruppe, die Wohneigentümerversammlung, den Nachbarschaftskaffee am Freitag, der Kioskabschluss wartet auch noch. Und ja, dazwischen muss sich Anja Loch um die Probleme der Bewohner kümmern und um die neuen Bewerber, die auch gerne in „ihrem“ Dorf leben wollen.

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