https://www.faz.net/-gqe-vyjs

Wohnkultur : Neue Wohnungen braucht das Land

  • -Aktualisiert am

So lässt sich ein Mietshaus von außen auffrischen: Arbeit des Leipziger Pop-Art-Künstlers Michael Fischer-Art in Hannover Bild: picture-alliance/ dpa

Ob junges Wohnen, Familiendomizil oder Alterssitz: Die Wohnung der Zukunft soll wandelbar sein wie das Leben selbst. Die neuen Arten des Zusammenlebens spiegeln sich in immer vielfältigeren Wohnformen.

          4 Min.

          Die Frage, wie sich die Anforderungen an die Qualität des Wohnraums verändern, beschäftigt nicht nur Städte und Gemeinden, sondern auch die private Wohnungswirtschaft, Architekten und Menschen, die Eigentum haben oder erwerben wollen. Denn Deutschlands Sozialstruktur befindet sich im Wandel. Die Gesellschaft wird nicht nur älter und bunter. Auch das familiengebundene Leben verliert an Bedeutung.

          Dafür entwickeln sich neue Arten des Zusammenlebens, was sich in den immer vielfältigeren Wohnformen widerspiegelt. Hinzu kommt, dass die Innenstädte als Wohnstandorte in den vergangenen Jahren wieder stärker an Bedeutung gewonnen haben und sich in unserer Dienstleistungsgesellschaft die Arbeit tendenziell mehr in die Wohnung zurückverlagert.

          Die Wohnung sollte sich den Lebenssituationen anpassen

          Wer heute baut oder saniert, sollte diese Entwicklungen im Blick haben. Viele Fachleute sind sich inzwischen einig, dass die Zukunftsaufgabe für die Wohnungswirtschaft vor allem darin besteht, ein möglichst anpassungsfähiges Wohnraumangebot mit entsprechender Lebensdauer zu schaffen. Das heißt: Eine Wohnung sollte in allen Lebenssituationen und mit unterschiedlichsten Anforderungen funktionieren und sich stärker als bisher an den Bedürfnissen der Nutzer ausrichten.

          Und so verschönert Aktionskünstler Stefan Sakic eine banale Mietschwohnung in Oldenburg mit Baumzweigen

          „Im Sinne der Nachhaltigkeit müssen wir Konzepte für den Wohnungsbau entwickeln, die robust sind für sich abzeichnende demographische und soziale Veränderungen“, fasste Jürgen Heike, Staatssekretär im Bayerischen Innenministerium, auf dem Wohnprojekttag Bayern die Herausforderungen zusammen. Der Wohnprojekttag wurde von der Obersten Bayerischen Baubehörde in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Architektenkammer veranstaltet. Unter dem Motto „Älter und bunter - auf Vielfalt bauen“ wurden Lösungsansätze aufgezeigt, wie die Wohnungswirtschaft auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren kann.

          Flexible Grundrisse sind notwendig

          Ziel sei ein langfristiger Gebrauchswert von Gebäuden, und dafür benötige man nutzungsneutrale oder flexible Grundrisse, forderte Heike. „Gerade für ein möglichst eigenständiges und unabhängiges Leben im Alter ist es wichtig, dass die Wohnung den dann bestehenden Bedürfnissen entspricht“, sagte der Staatssekretär. Seit Mitte der achtziger Jahre unterstützt der Freistaat zukunftsweisende Modellvorhaben durch den „Experimentellen Wohnungsbau“. Dazu gehört auch das Modellvorhaben „Gemeinsam bauen und leben“, bei dem es vor allem um die Beteiligung der künftigen Nutzer an der Planung und Initiierung der Projekte geht, oder auch das Modellvorhaben „Wohnen in allen Lebensphasen“.

          Wie vielfältig die Herausforderungen für Stadtplaner und Investoren in Deutschland sind, zeigt der Blick nach München. Zwar hat die wirtschaftsstarke Metropole nicht, wie viele andere Städte in Deutschland mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl zu kämpfen. Dafür ist das Wohnraumangebot knapp und teuer und auch in München hält die demographische Entwicklung noch einige ungelöste Aufgaben bereit. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt mit der „Perspektive München“ Leitlinien für die Stadtentwicklung gegeben, die als anpassungsfähiger Orientierungsrahmen dienen sollen. Dabei werden unter anderem Themen wie sozialer Friede, zukunftsfähige Siedlungsstrukturen unter dem Motto „kompakt, urban, grün“, Mobilität und das Nebeneinander von vorhandener Stadtgestalt und neuer Architektur diskutiert.

          München fördert die soziale Durchmischung

          Eine der großen Aufgaben für die Stadtplanung sieht Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk in der Bewältigung der Nachverdichtung. „Dadurch rückt die Frage nach bezahlbarem und ausreichend vorhandenem innerstädtischen Wohnraum, aber auch die Beschäftigung mit der sozialen Infrastruktur, stärker in den Mittelpunkt“, erläuterte sie vor Vertretern der Wohnungswirtschaft auf einer Veranstaltung von Bernd Heuer Dialog in München.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.