https://www.faz.net/-gqe-6zlfp

Wohnimmobilien : Lebhafter Handel mit Beständen

  • -Aktualisiert am

Gefragte Platte: Vermietete Wohnungen versprechen stabile Einnahmen. Bild: ddp

Inzwischen fließt wieder so viel Geld in den Kauf von Wohnungsbeständen, dass Erinnerungen an die Jahre vor der Finanzkrise wach werden. Das Angebot nimmt stetig zu.

          Die Summen, die hierzulande mit dem Handel von größeren Wohnungsbeständen bewegt werden, knüpfen inzwischen schon wieder an die Größenordnung vor dem Ausbruch der Finanzkrise an. Nach Angaben des internationalen Maklerhauses CBRE hat das Transaktionsvolumen mit Paketen ab 50 Wohneinheiten im ersten Quartal 3,5 Milliarden Euro betragen. Das ist schon mehr als die Hälfte des Volumens, das im gesamten Jahr 2011 verzeichnet wurde (6,1 Milliarden Euro). Nur im Vorkrisenjahr 2007 konnte zum Jahresauftakt ein noch besseres Ergebnis erzielt werden.

          Zwei Transaktionen hatten dabei Signalcharakter und trugen wesentlich zu dem jüngsten Aufschwung bei: der Erwerb der Wohnungsbestände der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) durch ein von der Augsburger Patrizia Immobilien AG geführtes Konsortium für 1,4 Milliarden Euro und der Kauf der DKB-Immobilien durch die Hamburger TAG Immobilien AG für 960 Millionen Euro. Es waren nach der Beobachtung von Konstantin Lüttger, der bei CBRE für Wohninvestments in Deutschland verantwortlich ist, die beiden ersten Transaktionen oberhalb der 500-Millionen-Euro-Marke seit fast vier Jahren. Damals hatte der amerikanische Investor Whitehall/Goldman Sachs im zweiten Quartal 2008 die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG NRW) für 2,89 Milliarden Euro erworben. Danach kam der Handel mit größeren Wohnungsbeständen angesichts der aufziehenden Finanzkrise weitgehend zum Erliegen.

          Attraktives Umfeld

          Zur Begründung für den Höhenflug verweist Lüttger auf die weiterhin sehr guten gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten, die historisch niedrigen Finanzierungszinsen und die Aussicht auf weiter steigende Mieten in den prosperierenden Ballungszentren mit knappem Wohnungsangebot. Dies sei eine sehr gute Ausgangsbasis für einen weiterhin dynamischen Handel mit Wohnportfolios. „Der deutsche Wohnungsmarkt zieht großes Interesse von nationalen und vor allem auch internationalen Investoren auf sich, die die derzeit im Markt befindenden Portfolios für Ankaufszwecke sehr genau prüfen“, stellt er fest. „Insofern erwarten wir, dass sich der Anteil ausländischer Käufer im weiteren Jahresverlauf weiter deutlich erhöhen wird.“ Bislang dominieren allerdings einheimische Akteure das Marktgeschehen.

          Andreas Völker, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate Consult, bestätigt den Eindruck, dass sich die zu Beginn dieses Jahres beobachtete dynamische Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzen sollte. Er sieht eine stabile Basis an privaten und institutionellen Investoren auf der Nachfrageseite, deren „Anlageprofil stärker auf stabile und sichere Cashflows als auf hohe Renditen und Wertsteigerungspotentiale abzielt“.

          Teurer Abschluss

          Als eine Ausnahme wird unter Marktbeobachtern allerdings das Bewertungsniveau angesehen, zu dem die Patrizia den Zuschlag für das LBBW-Paket erhielt. Der Preis zum 14-Fachen der Soll-Miete sei relativ teuer ausgefallen, kommentierte der Investor und Berater Worna Zohari diesen Abschluss nach der Bekanntgabe. „Das ist keine normale Markttransaktion, die neue Wege eröffnet.“ Bei künftigen Großtransaktionen mit Wohnungen dürften seiner Ansicht nach die Einkaufsfaktoren wieder niedriger liegen.

          Dass der Handel mit größeren Wohnungsbeständen nicht an Schwung verlieren dürfte, macht ein Blick auf das Angebot deutlich, das derzeit auf dem Markt ist. Die Bayern LB muss ihre Immobilientochtergesellschaft GBW mit rund 33 000 Wohneinheiten verkaufen. Die britische Investmentbank Barclays Capital dürfte sich eher früher als später vom Baubecon-Portfolio mit rund 24 000 Wohneinheiten trennen wollen. Das Bundesfinanzministerium hat die TLG zum Verkauf gestellt, zu deren Portfolio auch 11 500 Wohneinheiten gehören. Und der amerikanische Finanzinvestor Cerberus plant die Übernahme fast des gesamten Portfolios der Speymill Deutsche Immobilien mit rund 22 000 Wohnungen. Die Prognose von CBRE, dass das Transaktionsvolumen mit Wohnungspaketen in diesem Jahr deutlich oberhalb der 6-Millionen-Euro-Marke liegen sollte, erscheint vor diesem Hintergrund nicht allzu gewagt.

          Weitere Themen

          Merkel lobt Greta Thunberg

          Fridays for Future : Merkel lobt Greta Thunberg

          Aktivisten hätten der Regierung geholfen, „entschlossener an die Sache heranzugehen“. Der Wald soll beim Klimaschutz künftig eine größere Rolle spielen.

          Topmeldungen

          Immer mehr Menschen verlassen die beiden großen Kirchen in Deutschland.

          Aktuelle Statistik : Zahl der Kirchenaustritte steigt

          Die am Freitag veröffentlichte Mitgliederstatistik zeigt, dass die beiden großen Kirchen in Deutschland weiter Mitglieder verlieren. Aus der katholische Kirche heißt es, dies seien „besorgniserregende“ Zahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.