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Wohnimmobilien in Ostdeutschland : „Der Markt wird unterschätzt“

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Der ostdeutsche Markt für Wohnimmobilien ist besser als sein Ruf: Resort Schwielowsee in Petzow bei Werder mit Fontane-Skulptur Bild: dpa

Der ostdeutsche Markt für Wohneigentum ist besser als sein Ruf und hat mit zweistelligen Wachstumsraten Westdeutschland überflügelt. Die Aussichten sind besser, als es die Berichterstattung erscheinen lässt.

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          Irgendetwas stimmt da nicht! „Angeblich leben 20 Prozent der Ostdeutschen im Westen, 20 Prozent sind arbeitslos, 20 Prozent sind Hartz-IV-Empfänger, und 40 Prozent sind alt. Aber: Wer hat dem Markt für Wohneigentum im vergangenen Jahr im Osten Deutschlands ein Umsatzzuwachs von 15 Prozent beschert?“ Diese Frage hat Wolfgang C. A. Lis, Sprecher der Geschäftsführung der LBS Immobilien GmbH, auf dem Aschermittwochstreffen der ostdeutschen Sparkassen und Landesbausparkassen in Potsdam aufgeworfen.

          Die LBS Immobilien GmbH hat im vergangenen Jahr 2953 Wohnobjekte im Gesamtwert von 277 Millionen Euro verkauft und 14,75 Millionen Euro an Courtage erzielt. Das waren 2 Millionen Euro mehr als im Vorjahr; und es war das beste Ergebnis in den vergangenen zehn Jahren. Lis: „Doch wer die Berichterstattung über Ostdeutschland betrachtet, erhält ein ganz anderes Bild.“

          Die Zahl der Privathaushalte wächst

          Tatsächlich ist die Bevölkerung in den neuen Bundesländern seit 1990 von 18,1 auf 16,7 Millionen zurückgegangen. Zugleich aber erhöhte sich die Zahl der Privathaushalte um 5,4 Prozent auf 8,3 Millionen. Lis: „Die Nachfrage nach Wohnungen wächst.“ Auch sei die Pro-Kopf-Wohnfläche in Ostdeutschland von 1989 bis heute von 27 auf 39 Quadratmeter gestiegen.

          Die Nachfrage nach Wohnimmobilien wächst in Ostdeutschland: Rekonstruierte Häuser am Neumarkt in Dresden

          Die Wohneigentumsquote in Ostdeutschland sei dreimal schneller als in Westdeutschland gestiegen - und zwar von 26 Prozent (1993) auf 34 Prozent (2002) - in Westdeutschland dagegen nur von 42 auf 45 Prozent. Nach der Wohnungsbauprognose des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR) wird diese Quote bis 2020 in den alten Ländern auf 49 Prozent steigen und in den neuen Ländern auf 39 Prozent. Die Forschungsgesellschaft Empirica geht im Osten sogar von einem Zuwachs auf 45 Prozent aus.

          Immer mehr Ostdeutsche werden Eigentümer

          Die wirtschaftliche Expansion habe sich seit 2006 beschleunigt und die Lage am Arbeitsmarkt verbessert. Trotz höherer Arbeitslosigkeit und niedrigerer Einkommen stieg die Wohneigentumsquote deutlich, weil Wohneigentum preiswerter zu haben ist als im früheren Bundesgebiet. So müssen westdeutsche Paare (nach TNS-Infratest 2006) das 6,4-fache, ostdeutsche Paare nur das 5,2-fache ihres Jahresnettoeinkommens für den Wohneigentumserwerb zahlen. Betrachtet wurden Erwerberpaare zwischen 30 und 49 Jahren.

          Zugleich liegen laut Empirica die Haushaltsnettoeinkommen jüngerer ostdeutscher Haushalte nur 10 Prozent niedriger als im Westen, da der Anteil der Doppelverdiener in den neuen Ländern größer ist als im alten Bundesgebiet. Der statistische Durchschnittspreis für gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser in Ostdeutschland lag 1995 bei 128.600 Euro und heute bei 108.500 Euro. Diese Preissituation sei Ausdruck eines funktionierenden Immobilienmarktes in Ostdeutschland.

          Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sind weniger gefragt

          Von der fast 10 Millionen Personen zählenden Wohnbevölkerung über 14 Jahren im Gebiet des ostdeutschen Sparkassenverbandes haben knapp 14 Prozent oder 1,4 Millionen Personen in den kommenden zehn Jahren vor, eine Wohnung zu kaufen oder ein Haus zu bauen. Davon sind 540.000 Personen Bausparer. Unterstellt man einen Zweipersonenhaushalt, liegt die durchschnittliche jährliche Nachfrage bei 70.000 Wohneinheiten. Auf der anderen Seite verringert sich das Interesse an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. So sei die Mieterprivatisierung - also der Verkauf von Wohnungen an die Mieter - in industriell gefertigten Bestandswohnungen - auch bei Sanierung des Gemeinschaftseigentums - gescheitert.

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