https://www.faz.net/-gqe-6uh40

Wohnimmobilien : Finanzinvestoren im Visier

  • -Aktualisiert am

Gagfah-Zentrale in Mülheim an der Ruhr Bild: dpa

In Nordrhein-Westfalen sucht eine Kommission des Landtags Mittel gegen die kurzfristige Spekulation mit Wohnungen.

          2 Min.

          Den großen privaten Wohnungsgesellschaften in Nordrhein-Westfalen wird derzeit genau auf die Finger geschaut. Die vor knapp einem Jahr ins Leben gerufene Landtags-Enquetekommission "Wohnungswirtschaftlicher Wandel und neue Finanzinvestoren auf den Wohnungsmärkten" hat inzwischen eine Liste erarbeitet, in welchen Kommunen es besonders drängende Probleme mit vernachlässigten Beständen gibt und in welcher Form sich diese Vernachlässigung niederschlägt.

          Konkrete Vorschläge

          Am Ende der Aufarbeitung dieses Themenkomplexes sollen konkrete Handlungsoptionen stehen, wie den möglichen negativen Folgen von fehlgeschlagenen Wohnungsinvestments begegnet werden kann. "Stadtteile aufzugeben, geht politisch nicht", sagt die Kommissionsvorsitzende Daniela Schneckenburger, die der Fraktion der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag angehört. "Die Lösung ist aber auch nicht der von Kommunen und dem Land finanzierte Aufkauf vernachlässigter Bestände."

          Mit Blick auf die angespannte Lage in den öffentlichen Haushalten sieht sich die Landespolitik im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland offensichtlich unter Handlungsdruck. Wenn die nächste Veräußerungswelle stattfinde und neue Fonds Einzug hielten, wolle man vorbereitet sein, sagt Schneckenburger. Sie verspricht, ohne ideologische Scheuklappen vorzugehen.

          So sei es in der ersten Phase nach der Einsetzung der Kommission vor allem darum gegangen, die Geschäftsinteressen zu analysieren und die Strategien zu verstehen. Allerdings bekommt sie in ihrem eigenen Wahlkreis Dortmund Anschauungsunterricht über die Folgen misslungener Strategien - etwa im Stadtteil Westerfilde, wo ein dänischer Investor scheiterte. "Da sind zwar nur vier Wohnblöcke in zwei Straßen betroffen - es zieht aber den ganzen Stadtteil herunter."

          Unterschiedliches Auftreten

          Das Auftreten der großen Wohnungsgesellschaften in den ersten Gesprächen sei sehr unterschiedlich ausgefallen, berichtet die Politikerin. So habe zum Beispiel die Deutsche Annington eine Charmeoffensive gestartet, um den Eindruck eines dialogbereiten Unternehmens zu vermitteln. Die Gagfah sei dagegen "in erstaunlicher Weise anders" gewesen. Ihre Vertreter hätten vor allem die Botschaft mitgebracht, dass das öffentliche Bild eigentlich nicht den Tatsachen entspreche.

          Derzeit schält sich heraus, dass vor allem Rechtsinstrumente gesucht werden, um künftig den kurzfristigen Handel mit Wohnungspaketen zu erschweren. Das Vorgehen der Kommission unter dem Vorsitz von Schneckenburger dürfte deshalb auch von Marktakteuren jenseits der Landesgrenzen genau beobachtet werden. Schließlich könnte das Beispiel von Nordrhein-Westfalen bundesweit Schule machen.

          Gelassene Reaktion

          Bei den unter die Lupe genommenen Unternehmen zeigt man sich derzeit noch gelassen. "Es ist positiv zu beurteilen, wenn sich die Enquetekommission den unterschiedlichen Geschäftsmodellen von großen Wohnungseigentümern und damit auch von Finanzinvestoren sachlich und offen widmet", schrieb kürzlich Thomas Hegel, Sprecher der Geschäftsführung der LEG NRW, in einem Gastkommentar für diese Zeitung. "Wir verbinden damit die Erwartung, dass dies zu einer differenzierten Wahrnehmung dieser Eigentümergruppe beiträgt." Der Abschlussbericht soll im Februar 2013 vorliegen.

          Weitere Themen

          VW vertagt Entscheidung über Werk in der Türkei

          Bericht: : VW vertagt Entscheidung über Werk in der Türkei

          Ursprünglich hatte VW der Türkei einen Vertragsabschluss über das Werk für Oktober in Aussicht gestellt. Aufgrund der Invasion türkischer Truppen im Norden Syriens könnte der Deal möglicherweise platzen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.