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Wohnhochhaus : Trend zum Wohnturm

Überragt derzeit alles in London: Das Hochhaus The Shard, das in den oberen Etagen Wohnungen bietet. Bild: dpa

Wohnhochhäuser haben Konjunktur. In Asien und Nordamerika sind sie Standard. In London boomt der Bau. Und auch Frankfurt strebt weiter in die Höhe.

          In Frankfurt sei man völlig hintendran, klagte der Direktor des Deutschen Architekturmuseums, Peter Cachola Schmal, im Herbst vor vier Jahren. Damals zeigte sein Haus die Wettbewerbsteilnehmer am Internationalen Hochhauspreis. Gewonnen hatte 2008 mit dem New Yorker Hearst Tower zwar ein Büroturm. Sehr viel Aufmerksamkeit erregten aber auch die beiden Wohnhochhäuser Newton Suites aus Singapur nach Plänen von WOHA und das Missing Matrix Building in Seoul, das Mass Studies geplant hat. Interessant sind die beiden Gebäude vor allem deshalb, weil sie sich mit der Frage auseinandersetzten, wie sich nachbarschaftliche Strukturen in der Vertikalen schaffen lassen. WOHA hatte bei den 36 Stockwerk hohen Newton Suites zudem sein Lieblingsthema aufgegriffen: Fassadenbegrünung und Gärten, die in der schwülheißen Stadt das Raumklima auf natürliche Weise verbessern sollen.

          Damals grassierte rund um den Erdball schon das Wohnhochhaus-Fieber. Nicht nur in Nordamerika und Asien wuchsen immer neue Wohntürme in den Himmel. Vor allem die Emirate, aber auch Russland sorgten mit Meldungen über geplante Wolkenkratzer mit Wohneinheiten für Schlagzeilen. Nur in Deutschland war man immun. Wohnträume haben hierzulande immer noch etwas Erdverbundenes, nur selten spielen sie in luftiger Höhe. Im Gegenteil, hier ist die Vorstellung vom Wohnen im Hochhaus für nicht wenige eher ein Albtraum. Da konnten einzelne Stadtplaner und Architekten noch so sehr das flächenverzehrende Einfamilienhaus als Wohnform von gestern abwerten und das Hohelied auf die Nachhaltigkeit vertikaler Dörfer singen - für Deutschland sei das nichts, lautete die weitverbreitete Einschätzung am Markt.

          Anbieter sehen plötzlich Bedarf

          Die hat sich offenbar verändert. Zumindest in Frankfurt. Bisher sind auch in Deutschlands einziger Stadt mit Skyline Wohntürme Exoten. Ein Wohnhochhaus hier, ein Boardinghaus da, ein vom Büro- zum Wohnhaus umgerüsteter Turm, das war’s im Wesentlichen. Nun sind für das kommende Jahr gleich fünf neue Wohntürme angekündigt. Ein sechster ist schon im Bau.

          In einem Markt, in dem die Preise stetig steigen, sehen die Anbieter offenbar den Bedarf - für weitere Wohnungen im Luxussegment. Denn neue Hochhauswohnungen in Frankfurt und London sind im 21. Jahrhundert ein Luxusangebot: je weiter oben, desto teurer. Das liegt daran, dass Bauen in der Höher teurer ist, aber auch Ausblick und Prestige in die Kalkulation mit einfließen. Dass das neue Angebot für Entspannung am Wohnungsmarkt sorgen wird, bezweifeln daher viele Marktbeobachter.

          Auch in London blüht das Geschäft mit teurem Wohnraum. Nicht zuletzt, weil ausländische Käufer aus dem Nahen und Fernen Osten, aber auch aus europäischen Krisenländern in Immobilien in der britischen Hauptstadt investieren. Das treibt den Bauboom an der Themse; freilich in ganz anderen Maßstäben als am Main.

          Derzeit 25 Projekte in London

          Allein schon die Höhe: Hier wird der neue Henninger-Turm, dessen Bau im Frühjahr beginnen soll, mit seinen 130 Metern ein Wohnturmriese sein. Dort ist der unlängst fertiggestellte, unterschiedliche Nutzungen vereinende „The Shard“ mit seinen 310 Metern nicht nur das höchste Wohngebäude Londons, sondern auch Europas. Laut Angaben des Maklerhauses Knight Frank sind derzeit in London 25 Hochhausprojekte, die Wohnraum bieten, im Bau. Für 78 weitere Vorhaben sollen Baugenehmigungen vorliegen. Damit sei man aber von einer Hochhauskultur wie in Manhattan oder Schanghai immer noch weit entfernt, rückt man bei Knight Frank die Verhältnisse zurecht.

          Unter den fünf Finalisten des diesjährigen Internationalen Hochhauspreises, der am 15. November vergeben wird und von denen vier auch oder ausschließlich Wohnraum bieten, ist übrigens kein Londoner Vertreter.

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