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Wohnhochhäuser : Der Boom der Wohntürme

Mit kleineren Wohnungen einen größeren Käuferkreis ansprechen: das geplante Hochhausensemble „Drei Schwestern“. Bild: Becken

Das Wohnhochhaus ist zurück - diesmal als Luxusobjekt. Ob das den Wohnungsmarkt entlastet?

          Drei Schwestern haben jüngst in Frankfurt für Gesprächsstoff gesorgt. Bei dem Trio, das zukünftig die Innenstadt mit prägen soll, handelt es sich nicht um Frauen, sondern um Wohntürme. Gleich hinter der Einkaufsmeile sollen die Grazien in den Himmel wachsen. Bis zu 500 neue Miet- und Eigentumswohnungen könnten in den 44, 60 und 85 Meter hohen Gebäuden entstehen. Um die Türme besser zu vermarkten, werde man allerdings einen „internationaleren Namen“ wählen, heißt es beim Bauherr Becken Development aus Hamburg.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Abgesehen von den „Schwestern“, hat auch noch ein zweites Hochhausprojekt in der Stadt binnen eines Monats von sich reden gemacht. Auf einem Areal, zu Fuß höchstens 15 Minuten entfernt von den „Schwestern“ gelegen, konkretisiert sich der Bau eines Ensembles aus vier Türmen, von denen zwei als reine Wohntürme geplant sind. Einer davon soll 172 Meter messen und damit Deutschlands höchstes Wohnhochhaus einholen: den ebenfalls in Frankfurt im Bau befindlichen „Grand Tower“.

          An Deutschlands einzig wirklichem Hochhausstandort scheinen die Wohntürme überall im Stadtgebiet aus dem Boden zu wachsen. Angesichts der zahlreichen Vorhaben fällt es vielen Frankfurtern schwer, da den Überblick zu behalten. Immerhin 17 Wohnturmprojekte listet das Maklerhaus JJL gegenwärtig für die hessische Großstadt auf. Zusammen mit Berlin sind hier gut die Hälfte der rund 9000 Hochhauswohnungen geplant, die nach einer Studie des Immobilienberaters Bulwiengesa in den sieben größten Städten bis 2018 entstehen sollen. Denn in bescheidenerem Maße will man auch in Hamburg, in Düsseldorf wie in München und anderswo im Land hoch hinaus. Es ist angesichts der gegenwärtigen Bauaktivitäten nicht übertrieben, von einem Hochhausboom zu sprechen. Insgesamt 80 Vorhaben hat Bulwiengesa gezählt.

          Für die Riesen gibt es gewichtige Argumente. Warum soll hier im kleineren Maßstab nicht gelingen, was in asiatischen Metropolen, in New York und London funktioniert, nämlich auf relativ kleiner Grundfläche mehr Menschen in der Vertikalen unterzubringen? Für die Befürworter der Wohnhochhäuser geht es angesichts knapper und damit immer teurer werdenden Baulands gar nicht anders, als innerstädtisch Wohnraum in der Höhe zu schaffen. Nur so könne der Wohnungsmarkt entlastet werden, argumentieren sie. Als weitere Pluspunkte der Türme gelten: die Flächenersparnisse, ihr Anschluss an vorhandene Infrastruktur und ihr Beitrag zur Stadt der kurzen Wege. So betrachtet, wird der Hochhausbau im Ballungszentrum zur Notwendigkeit.

          Von Luxustürmen und Premiumhochhäusern

          Die neue Generation hat sich - ganz anders als ihre in der Nachkriegszeit entstandenen Ahnen - einen exklusiven Namen gemacht. Noch vor zwanzig Jahren hatten Wohnhochhäuser einen ziemlich miesen Ruf. Ihr schlechtes Image verdankten sie jenen, an den Stadträndern entstandenen Großsiedlungen aus den sechziger und siebziger Jahren, von denen sich etliche binnen eines Jahrzehnts zu sozialen Brennpunkten entwickelt hatten. Hochhaus - das klang in vielen Ohren nach zerstörten Klingelanlagen, dunklen Fluren, dauerkaputten Fahrstühlen und nach jeder Menge Probleme.

          Für die neuen Hochhäuser dagegen heißen die Synonyme Luxustürme und Premiumhochhaus. Ihre Penthouse-Wohnungen sollen Spitzenpreise erzielen. Ihre Eingangshallen, die an die Lobby eines Hotels erinnern, versprechen den Bewohnern kosmopolitisches Flair und Prestigegewinn. Teuer sind die Türme alle. Das liegt zum einen an den immens hohen Grundstückspreisen, zum anderen am hohen Aufwand, den dieser Gebäudetyp erfordert. Das geht bei der Planung los, bei der Einrichtung der Großbaustelle weiter und hört später im Betrieb nicht auf. Der hohe Aufwand schlägt sich in den Kaufpreisen nieder. Am Beispiel Frankfurt, wo im vergangenen Jahr immerhin 30 Prozent aller verkauften Eigentumswohnungen Hochhauswohnungen waren, lässt sich das gut zeigen. So ermittelte der Gutachterausschuss einen durchschnittlichen Kaufpreis je Quadratmeter von 5000 Euro für neue Wohnungen. Für eine Hochhauswohnung aber zahlten die Käufer im Schnitt fast 7000 Euro.

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