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Wohnen : Wieder Leben im Laden

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Was könnte daraus werden? Bild: ullstein bild

Einst boten hier Tante Emma, Bäcker oder Metzger ihre Waren feil. Heute stehen die Geschäfte oft leer. Was tun, wenn der Verkaufsraum selbst zum Ladenhüter wird?

          Ein beiger Vorhang verhindert den Blick ins Innere, mattes Licht schimmert durch den Stoff hindurch. Das Schaufenster existiert noch, doch viel gibt es nicht mehr zu sehen. Die mit schwarzem Klinker verkleidete Fassade hat ihre beste Zeit längst hinter sich, eine Markise zum Bürgersteig hin erinnert noch daran, dass sich hier ein Geschäft befand. Tatsächlich diente das Erdgeschoss des Wohnhauses im Trierer Norden über Jahrzehnte als Blumenladen - bis die Besitzer ihr Geschäft schlossen und das kleine Ladenlokal in Wohnraum umwandelten.

          Bäckereien, Lebensmittelgeschäfte, Metzgereien, Friseursalons - vielerorts schließen kleine Läden, weil sich Angebot und Kundenströme von den Randlagen in die Innenstädte und Nahversorgungszentren verlagert haben; dorthin, wo man auf das meist bundesweit bekannte Filialisten-Einerlei trifft. Die Folge: In Wohnquartieren stehen immer mehr Ladenlokale leer, mit Flächen, deren Quadratmeterzahl oft kaum dreistellig ist. Häufig spekulieren die Eigentümer noch nach Jahren auf neue gewerbliche Mieter - meist vergeblich. Manche haben es auch aufgegeben, und weil sich keine neue Nutzung abzeichnet, wird auch nicht mehr investiert. Im Extremfall tritt der sogenannte Broken-Window-Effekt ein: Die Immobilie verwahrlost zusehends, verliert an Wert und zieht auch das Erscheinungsbild der benachbarten Gebäude in Mitleidenschaft.

          Wohnraum schaffen

          Thomas Tewes kennt solche Beispiele zu Genüge. „Ich bin verwundert darüber, mit welcher Gelassenheit doch manche Eigentümer dem Leerstand zusehen“, sagt der Geschäftsführer des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins. Seit zwei Jahren werben sein Verband und die Stadt Köln dafür, ungenutzte Ladenlokale umzuwandeln: „Leerstand vermeiden, Wohnraum schaffen“, lautet ihre Devise. Allein in der Millionenstadt am Rhein gebe es 2000 bis 2500 Objekte, deren Chancen auf eine Neuvermietung gen null tendierten, beziffert Tewes. Einmal in Wohnraum umgewandelt, sei die Suche nach einem Mieter jedoch kein Problem.

          Tatsächlich ist die Ausgangslage in vielen Fällen günstig. Da sich oberhalb der Ladenlokale meist schon Wohnräume befinden, sind Steigleitungen vorhanden. Oft existiert auch bereits ein separater Zugang zu den weiteren Geschossen, ebenso bereitet die Statik des Gebäudes in der Regel keine Probleme. Doch klar ist auch: Wer einen Laden in eine Wohnung umgestalten möchte, muss hierfür Geld in die Hand nehmen und einen Architekten zu Rate ziehen. Neue Wände müssen eingezogen, in vielen Fällen erstmals ein Bad eingebaut werden. Auch das Schaufensterproblem bedarf einer Lösung: ein wenig aufmauern, neue Fenster, die Fassade frisch verputzen, ein neuer Anstrich. Und natürlich sind meist auch neue Bodenbeläge fällig. Denn ein kalter Steinboden, der für die gewerbliche Nutzung praktisch war, taugt kaum für den Komfort von Wohnräumen.

          Während viele Eigentümer jegliche Investitionen scheuen, versuchen es andere mit Baumarktlösungen - und verschlimmbessern so oft noch das Phänomen. Denn auch wenn die Räume nunmehr bewohnt sind, erinnert doch weiterhin einiges an die frühere Nutzung. Mehr schlecht als recht und vor allem billig fällt die Umgestaltung dann häufig aus, bis dahin, dass nur die Schaufenster abgehangen werden.

          Neue Angebote

          „So etwas sieht doch bescheiden aus“, sagt Wilhelm Schilling. Seit vergangenem Herbst baut er das Erdgeschoss eines Wohnhauses im Kölner Stadtteil Junkersdorf um. Bis vor ein paar Jahren fanden sich dort zwei Ladenlokale, machten ein Friseur und ein Kolonialwarenhändler hier ihre Geschäfte. Dann gab erst der eine auf, ein paar Jahre später folgte der andere. Kurzzeitig diente eines der Ladenlokale als Lagerraum. „Mir war schnell klar: Das bekommst du nie wieder vermietet“, sagt Schilling.

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