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Wohnen in Stuttgart : Neues Leben auf der Höhe

Bild: imageBROKER/Olaf Krüger

Auf dem Killesberg gibt es weltberühmte Architektur, viel Geld und neuerdings auch Flüchtlinge. Nur auf einen Supermarkt mussten die Bewohner lange warten.

          6 Min.

          Es muss paradiesisch gewesen sein. Hunderttausende Blumen hatte man in Stuttgart auf dem Killesberg gepflanzt, allein 50.000 Rosen. Große Bäume gaben dem Park den Anschein eines natürlich gewachsenen Garten Edens. Mehr als vier Millionen Menschen pilgerten allein in den ersten drei Monaten nach der Eröffnung der Reichsgartenschau auf den Killesberg. Nicht nur die Natur lockte, auch Architektur und Technik. Ein Höhepunkt muss der 22. Juli 1939 gewesen sein, als der Volkswagen präsentiert wurde, den Ferdinand Porsche in seiner nahe gelegenen Werkstatt entwickelt hatte. Die Gartenschau-Besucher konnten Testfahrten mit dem KdF-Wagen gewinnen und sogar einen Zeppelin-Überflug.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Doch nur wenige Wochen später hatte kaum noch jemand einen Sinn für schöne Blumen. Mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen begann der Zweite Weltkrieg. Die Rosen im Killesberg-Park mussten Gemüse und Kartoffeln weichen, die Schilfsandstein-Bauten wurden nicht mehr für Bälle und Konzerte genutzt, sondern als Getreidespeicher.

          Wenn Carola Franke-Höltzermann bei ihren Führungen über den Killesberg zu dieser Zeit erzählt, sind ihre Zuhörer fast immer Architekturinteressierte. Seit jeher sind hier aufsehenerregende Architekturprojekte verwirklicht worden. Auf dem Killesberg stehen zwei Häuser von Le Corbusier, die neuerdings zum Weltkulturerbe zählen - entstanden 1927 als Teil der Weißenhofsiedlung des Deutschen Werkbundes. Hier zeigten 17 international renommierte Architekten, wie Bauen möglich ist: ohne Schnörkel, dafür mit viel Licht und Luft, und das alles zu tragbaren Preisen. Ganz in dieser Tradition steht das „B 10“ genannte Aktivhaus von Werner Sobek, der zeigt, was heute möglich ist: Das ressourcenschonende und komplett recycelbare Fertighaus ist nicht nur energieautark, sondern deckt auch noch den Strombedarf für das benachbarte Corbusier-Haus, in dem heute das Weißenhofmuseum untergebracht ist. Als Forschungshaus vor zwei Jahren erstellt, hat Sobek die Aktivhäuser mittlerweile zur Serienreife gebracht, in der Hoffnung, damit die Fertighausbranche zu revolutionieren.

          Bild: Imago

          Trotz seiner architektonischen Glanzlichter war der Killesberg nie wirklich ein Vorzeigestadtteil. Wer über den Killesberg fuhr, der wusste zwar, dass hier die reichen Stuttgarter zu Hause sind. Vorstellen konnte man sich das kaum. Optisch prägend war die Stuttgarter Messe, die sich am oberen Ende des Killesberg-Parks in den einstigen Hallen der Reichsgartenschau breitgemacht hatte. Eine echte Mitte aber hatte der Killesberg nicht. So teuer die Wohnlage, so schlecht waren die Menschen versorgt. „Mehr als ein paar Lädchen, wo man mal ein Brötchen kaufen konnte, gab es nicht“, erinnert sich Detlef Kron, Leiter des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart.

          „Im Immobilienhimmel angekommen“

          Heute ist genau das Gegenteil der Fall. Die wenig schmucken Hallen der Messe sind abgerissen worden. Entstanden ist die „Killesberghöhe“, ein neues Quartier, das Leben auf den Berg gebracht hat. In zwölf Gebäuden ist Wohnraum für rund 250 Menschen entstanden, dazu Büros und Praxen und auch zwei Dutzend Geschäfte: Alnatura und Aldi, Eisdiele und Blumenladen sowie Papeterie, Apotheke und Yogastudio, dazu ein Raumausstatter für höchste Ansprüche.

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