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Preislich Spitzenklasse : So wohnt es sich in der Elphi

Kein Eispalast, sondern das mit Modulen gebaute Penthouse. Bild: Brückner Architekten

Die Elbphilharmonie ist Deutschlands teuerstes Wohnhaus. Bisher sind vor allem die kleineren Wohnungen begehrt. Ein Geheimnis wird bisher bestens gehütet.

          Was ist nicht alles während der dreizehn Jahre währenden Bauzeit geredet und spekuliert worden? Die einen wollten von saudischen Prinzen wissen, die genug von London hätten und stattdessen in ein standesgemäßes Hideaway inmitten der Elbe vor den strengen Gesetzen ihres Landes flöhen. Die anderen waren sicher, dass die russische Oligarchie in der Hansestadt Einzug halten würde. Namentlich war von Roman Abramowitsch die Rede, der unter anderem einen bekannten englischen Fußballclub, mehrere Riesenyachten und zwei Schlösser besitzt. Wer sonst sollte sich auch Deutschlands teuerste Wohnungen leisten können? Denn auch wenn über den Käuferkreis spekuliert wurde, so bestand kein Zweifel daran, dass die Wohnungen in der Hamburger Elbphilharmonie am hiesigen Wohnungsmarkt preislich Spitzenklasse sein würden.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das gilt auch jetzt noch, da sich die Bauarbeiten an Hamburgs neuem Wahrzeichen im finalen Stadium befinden: Das Hotel Westin hat schon im November den Betrieb aufgenommen, und an diesem Mittwoch wird das NDR-Elbphilharmonie-Orchester zur Eröffnung der Konzerthalle spielen. Schon seit Wochen strömen die Hamburger auf die öffentlich zugängliche Besucherterrasse.

          Die von der britischen Innenarchitektin gestaltete Musterwohnung.

          Derweilen läuft der Innenausbau des Wohntrakts auf Hochtouren. Insgesamt 44 Eigentumswohnungen entstehen auf den Etagen 11 bis 26 im rückwärtigen Teil des Gebäudes, den die zukünftigen Bewohner über einen separaten Eingang erreichen werden. Mit Quadratmeterpreisen zwischen 15.000 und 25.000 Euro sind es die teuersten Neubauwohnungen des Landes. Für die Marktbeobachter gibt es daran bisher keinen Zweifel. Auch wenn gerade der Markt für Luxusimmobilien sehr intransparent ist und die genannten Preise oftmals von den tatsächlichen stark abweichen, wie André Adami vom auf Immobilien spezialisierten Analyseunternehmen Bulwiengesa klarstellt.

          In der Elbphilharmonie könnten in der zweiten Jahreshälfte die Möbelwagen anrollen. Mit prominenten Namen unter den Käufern der 120 bis 400 Quadratmeter großen Wohnungen kann (und will) das Maklerhaus Engel & Völkers (E&V) nach wie vor nicht aufwarten. „Diskretion wird erwartet“, sagt Philip Bonhoeffer, geschäftsführender Gesellschafter des Maklerhauses. Rund 60 Prozent der Wohnungen habe man verkauft, zu „100 Prozent an Käufer aus dem deutschsprachigen Raum“, teilte der Immobilienvermittler kurz vor Weihnachten mit. Ein Selbstläufer aber sind „Hamburgs atemberaubendste Wohnungen“ (E&V) nicht.

          Besonders begehrt seien die kleinen Wohnungen. Bonhoeffer erzählt das während eines Rundgangs durch die Musterwohnung: 18. Stock, 400 Quadratmeter mit Gästetrakt, Zweitküche, eigenem Fitnessraum, smarter Haustechnik und Carrara-Marmor. Voll möbliert und ausgestattet hat das Ganze die britische Inneneinrichterin Kate Hume - mit ziemlich viel Blau, Grün und Kupferfarben. Über Geschmack lasse sich sicher streiten, sagt Bonhoeffer. Und internationales Flair sei gut fürs Image. Noch ist die Wohnung nicht verkauft. Trotz des 270-Grad-Panoramablicks auf Stadt, Hafenbetrieb und flussabwärts auf die Elbe. Wobei die Käufer bisher eindeutig der Aussicht auf die Stadt den Vorzug gegeben haben.

          Kommt ein Badezimmer geflogen: Auch im hochpreisigen Segment wie der Elbphilharmonie wird mit Modulen gearbeitet.

          Während die XXL-Musterwohnung so, wie sie ist, den Besitzer wechseln soll, dürfen die neuen Eigentümer des Penthouses ihre eigenen Vorstellungen mitbringen. Mehr als 200 Quadratmeter misst die Wohnung in der 26. Etage,die sich bis hinauf unter das imposante Wellendach der Elbphilharmonie zieht. Man kann es der PR-Agentur nicht verdenken, dass sie die Räumlichkeiten als „spektakulärstes Wohnrefugium in Deutschland“ preist.

          Die Badezimmer des Westin Hotels sind vorgefertigt.

          Wirklich verblüffend ist aber, dass der Innenausbau der Luxuswohnung aus komplett vorproduzierten Teilen besteht. Mehr als 1000 sollen es sein, die in Bayern hergestellt und dieser Tage in Hamburg zusammengefügt werden. Man kennt die Modulbauweise vor allem von preisgünstigen Unterkünften wie Studentenwohnheimen und Seniorenanlagen. Weniger naheliegend ist ihr Einsatz in der Oberklasse. Tatsächlich spielen Module im Wohnungsbau und im Innenausbau von Hotels schon länger eine große Rolle. Zum Beispiel lieferte das Fertigbauunternehmen Schwörer die kompletten Badezimmer des Westin Hotels. Das Unternehmen hat sich schon vor längerer Zeit darauf spezialisiert, die Entwürfe von Designern in vorproduzierte Elemente umzusetzen. So folgte es für das Hotel in der Elbphilharmonie den Vorgaben von Tassilo Bost.

          Das Innenleben des Penthouses haben Brückner Architekten aus München und der Holzbauer Schotten & Hansen im noch neuen 3D-basierten-Verfahren geplant und produziert. Ob aus dem 3D-Drucker oder nicht - Module sollen Kosten senken und Zeit sparen. Was im Fall der Elbphilharmonie nach all den Bauzeitverzögerungen und Kostenexplosionen ja grundsätzlich gut klingt. Ein Schnapp wird das Penthouse dennoch nicht. Den Quadratmeterpreis von 25.000 Euro werde man wohl toppen, sagt Philip Bonhoeffer.

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