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Wohnen im All : „Wir werden die Mondbesiedelung erleben“

Vision vom Leben auf dem Mond Bild: Collection Mix: Subjects/Getty I

Astronautin Insa Thiele-Eich über die Herausforderungen, im All zu wohnen, Häuser aus dem 3D-Drucker und Fischzucht im Weltraum.

          4 Min.

          Den Traum, ins All zu ziehen, hegen Menschen schon sehr lange. Ist es in näherer Zukunft denkbar, dass dauerhafte Siedlungen jenseits der Erde entstehen, oder ist das Science-Fiction?

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich glaube, dass wir das in den nächsten fünfzig Jahren erleben werden. Im Moment gibt es schließlich wieder ganz konkrete Pläne, auf dem Mond eine Basis zu errichten.

          Woher rührt dieses Streben, ins All zu ziehen? Auf der Erde ist es doch auch schön.

          Es gehört zur Kultur des Menschen, sich zu fragen, wo er noch leben kann außer an dem Ort, an dem er schon ist. Es ist die Neugier, unser Entdeckergeist, der uns Menschen ins All treibt. Und wenn man eines Tages zum Mars kommen möchte, braucht man auf jeden Fall eine Mondstation auf dem Weg dorthin.

          Und was macht den Mond selbst als Wohnort attraktiv?

          Schon die Vorstellung an sich stößt bei vielen Menschen auf Begeisterung, immerhin hat man vom Mond aus noch den wunderschönen Blick auf die Erde. Zudem ist es natürlich wissenschaftlich interessant, sich dort länger aufzuhalten und zu forschen. Andere hoffen auch, dass es auf dem Mond Rohstoffe gibt, die sich wirtschaftlich ausbeuten lassen. Dieser Aspekt ist für mich persönlich als Motivation aber nicht so wichtig. Ich will vor allem wissen: Geht das überhaupt, dort zu leben?

          Sie sind von der Ausbildung her Klimaforscherin und haben Ihre Doktorarbeit über die Auswirkungen des Klimawandels auf Bangladesch geschrieben. Spielt der Klimawandel bei den Gedankenspielen ums Leben im All auch eine Rolle, nach dem Motto: Wenn es hier zu heiß wird, wandern wir aus?

          Es gibt keine Erde 2.0. Wir haben keine Ausweichmöglichkeit. Selbst wenn ein paar Menschen irgendwann auf den Mond ziehen können, ist das noch lange keine Lösung für die ganze Menschheit. Aber ich glaube, dass es unterbewusst bei manchen ein Gedanke ist, auf dem man sich ausruht: Wenn die Erde unbewohnbar wird, ziehen wir eben auf den Mars. Vielleicht eine Vision, die auch von Science-Fiction- Filmen gefüttert wird?

          Auf welchen Planeten wären Siedlungen denn jenseits der Erde überhaupt denkbar?

          Am naheliegendsten ist der Mond als Trabant der Erde und danach der Mars als Planet. Venus und Merkur kommen vorerst nicht in Frage, sie liegen zum Beispiel zu nah an der Sonne.

          Die Meteorologin Insa Thiele-Eich will 2021 als erste deutsche Frau ins All.

          Wem gehört der Mond eigentlich? Darf dort einfach jeder bauen?

          Im Moment haben sich mehr als hundert Nationen im Weltraumvertrag von 1967 auf bestimmte Regeln geeinigt, zum Beispiel, dass keine Militärbasis auf dem Mond gebaut werden darf. Aber sobald jemand dort siedeln möchte, besonders mit eventuellen Gewinnabsichten, sind noch viele Fragen zu klären. Bisher scheiterten weitere Versuche, diese Lücken zu schließen.

          Und wenn der Rechtsrahmen geschaffen ist: Wo würde man dann auf dem Mond bauen?

          Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, was man auf dem Mond vorhat. An den Polen finden sich Gebiete mit interessanten Rohstoffvorkommen, dort ist aber die Kommunikation mit der Erde nicht dauerhaft möglich. Am Äquator besteht zwar die Möglichkeit, besser mit der Erde zu kommunizieren, aber dafür ist es dort in der Mondnacht schwieriger, eine Energieversorgung über Solarpaneele sicherzustellen. Ob am Pol oder mehr in Äquatornähe, sicher ist es sinnvoll, bereits bestehende Felstunnel als Basis zu nutzen.

          Was für Dinge muss man auf dem Mond im Gegensatz zur Erde bedenken?

          Da der Mond keine Atmosphäre hat, müssen sich die Menschen dort besonders gut vor Strahlung und auch Meteoriteneinschlägen schützen. Und selbstverständlich benötigt man Lebenserhaltungssysteme zum Druckausgleich und für die Versorgung mit Atemluft.

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