https://www.faz.net/-gqe-8w19t

Wohnen auf der Urlaubsinsel : Und ewig lockt Mallorca

Der Traum vom ewigen Urlaub: Immer mehr Deutsche ziehen dauerhaft auf die Insel. Bild: imageBROKER / vario images

Die Anziehungskraft der Insel als Zweitwohnsitz ist ungebrochen – die Käufer werden jünger, die Ansprüche höher.

          6 Min.

          Als Freunde beim Treffen vor einem Jahr von ihrem Ferienhaus auf Mallorca schwärmten, sah Tim Suhr schon an den glänzenden Augen seiner Frau Katharina, was auf ihn zukommen würde. Und genauso war es: „Das will ich auch“, sagte sie auf der Rückfahrt. Seine Reaktion: „Ich bin weder Dieter Bohlen noch Fußballstar – wie sollen wir uns das leisten?“ Vor allem, da das Paar aus Hamburg schon ein Ferienhaus an der Nordseeküste besaß. Doch gerade die Erfahrungen mit der Ferienimmobilie in St. Peter-Ording wurden schließlich zum wichtigen Argument für einen weiteren Kauf: „Seit wir das Haus vor fünf Jahren gekauft haben, ist es im Wert stark gestiegen und lässt sich ausgezeichnet vermieten“, sagt Suhr.

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als seine Frau dann im Internet nach Häusern auf Mallorca zu recherchieren begann und er sah, dass nicht nur Millionenvillen angeboten werden, war er schnell überzeugt: Denn das Haus soll nicht nur Anlageobjekt sein, sondern Teil eines Lebensentwurfs: „Wenn die Kinder groß sind und wir beruflich kürzertreten, wollen wir einen Teil des Jahres auf Mallorca verbringen“, lautet der Plan. Schließlich dauere der Sommer dort ein paar Monate länger als in Hamburg und die Insel sei für Familie und Freunde ebenso gut zu erreichen wie eine andere Stadt in Deutschland. „Nach Mallorca zu pendeln ist mittlerweile wie Bahnfahren, allein wegen der zahlreichen täglichen Flugverbindungen“, sagt Suhr, der von Beruf Pilot ist.

          Gute Erreichbarkeit, warmes Klima, hohe Sicherheit und nicht zuletzt eine deutschsprachige Infrastruktur sind die Hauptgründe, warum Mallorca nicht nur die Lieblingsinsel, sondern auch eines der Lieblingsanlageziele der Deutschen ist. Die Insel boomt. Überall, wo es noch erlaubt ist, wird gebaut, Millionenvillen wechseln ungesehen die Besitzer, und nicht selten jagen sich Interessenten die Objekte gegenseitig kurz vor dem Notartermin ab. Nach Daten des spanischen Infrastrukturministeriums fanden in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 21 Prozent mehr Immobilientransaktionen auf der Insel statt als im Vorjahreszeitraum. Auch die Preise haben noch einmal deutlich angezogen, vor allem im Südwesten, Nordosten und in der Hauptstadt Palma. Nach einer in dieser Woche vorgestellten Marktstudie des Maklerhauses Porta Mallorquina stiegen die Preise 2016 im Südwesten um durchschnittlich 13 Prozent, im Nordosten um 15 Prozent – allerdings von einem deutlich niedrigeren Niveau aus – und in Palma um 9 Prozent. Auch Wettbewerber Engel & Völkers jubelt 2016 über ein Rekordjahr und ein sattes Verkaufsplus von knapp 38 Prozent. Dabei habe sich der Durchschnittspreis je Objekt von 989.000 auf 1,1 Millionen Euro gesteigert, heißt es – was ziemlich deutlich zeigt, wo die Reise auf der Insel hingeht: Die Preise steigen, und einfache Siedlungshäuschen verschwinden zugunsten von höherwertigen Objekten.

          Urlaub zur Mandelblüte : Frühlingsgrüße aus Mallorca

          Wohnort für die sonnenhungrige obere Mittelschicht

          Denn die Ansprüche an die Immobilien sind gestiegen: Die Insel wandelt sich immer mehr von einer reinen Feriendestination oder einem Alterssitz zu einem echten Wohnort für die sonnenhungrige obere Mittelschicht. „Die Käufer sind heute deutlich jünger als noch vor fünf bis zehn Jahren, im Durchschnitt 45 bis 55 Jahre alt“, heißt es bei Porta Mallorquina. An erster Stelle kommen Deutsche, danach folgen Briten und Skandinavier. Anstatt nur die Sommerferien auf Mallorca zu verbringen, pendeln immer mehr Hauseigentümer regelmäßig auf die Insel – oder verlegen gleich ihren Lebensmittelpunkt dorthin, melden ihre Kinder in einer der neu entstandenen internationalen Schulen an und reisen für Termine nach Mannheim, Manchester oder Malmö.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wiedergewählt im zweiten Anlauf: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (links) bei der Vereidigung

          Wahl Reiner Haseloffs : Acht Abweichler und wilde Spekulationen

          Schon wieder wird Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erst im zweiten Anlauf bestätigt. In Magdeburg fragt man sich: War es ein organisierter Aufstand? Oder eine Verkettung von Einzelaktionen?
          Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgiewa

          Kristalina Georgiewa : Manipulationsverdacht gegen IWF-Chefin

          Chinas Position im vielbeachteten „Doing Business“-Ranking wurde offenbar auf Anweisung der Weltbank-Führung nach oben gehievt. Ein Prüfbericht führt die Unregelmäßigkeiten auf die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds zurück.
          Ohne Test oder Impfung geht in Italien bald gar nichts mehr.

          Italien prescht vor : Zur Arbeit nur noch mit Test oder Impfung

          Wer kein Zertifikat über eine Impfung oder einen Test vorweisen kann, darf in Italien vom 15. Oktober an nicht mehr zur Arbeit in Büros, Behörden, Geschäften oder der Gastronomie gehen. Und in Frankreich müssen 3000 nicht geimpfte Pflegekräfte ihren Posten räumen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.