https://www.faz.net/-gqe-7xzr1

Wohnen als Kunst : „Räume müssen Geschichten erzählen“

  • Aktualisiert am

Thái Công Quách in einer von ihm eingerichteten Villa in Hamburg Bild: Thai Cong

Thái Công Quách richtet die Häuser deutscher Millionäre ein: Er macht das Wohnzimmer zum Club und die Küche zur Bar. Ein Gespräch über Geschmack und die Freude des Wohnens.

          5 Min.

          Thái Công, manche nennen Ihren Einrichtungsstil „das Prunk-Prinzip“. Muss man klotzen statt kleckern?

          Ich sehe mich eher als Maßschneider fürs Wohnen. Der Kunde entscheidet ja, welchen Stil er möchte:. Ich berate ihn nur. Hauptsache ist immer, dass der Stil zur Person passt, zur Architektur und zum Ort. Prunk sagt man wahrscheinlich, weil ich hochwertige Materialien verwende: aus Rochenhaut, Leder, Bronze oder Kristalllüster.

          Welchen Stil setzen Sie am liebsten um?

          Am meisten Spaß macht es mir, wenn der Kunde mich auf eine neue Idee bringt, mich inspiriert. Weil er ein außergewöhnliches Hobby hat oder eine Leidenschaft. Wenn ich einen ganz neuen Einrichtungsstil kreieren kann.

          Zum Beispiel?

          Wenn jemand gern Partys feiert, aber nicht am Esstisch, sondern cool auf dem Sofa, dann schaffe ich ihm eine andere Welt: Ich besprühe eine Wand mit Graffiti, wähle Loungemöbel, und zur Party kommt ein DJ. Ich sorge dafür, dass das Wohnzimmer zum Club wird. Oder die Küche zur Bar. Am Ende einer Party landen immer alle in der Küche, warum baut man nicht gleich eine Bar-Küche? Oder ein Bibliothekbad, wenn jemand gern in der Badewanne liest?

          Sie inszenieren wie im Theater?

          Viele Menschen dekorieren ihre Räume nur. Dekorieren kann jeder Florist und Dekorateur. Ich verstehe mich als Regisseur: Räume müssen eine Geschichte erzählen. Zu Weihnachten kann man mit Tannenbaum und Christbaumkugeln dekorieren - oder man inszeniert es: Es riecht nach Weihnachtsplätzchen, gedämpftes Licht, leise Musik, das Knistern des Kamins - das ist eine komplette Welt.

          Da muss ich ja ständig neu inszenieren . . .

          Nein, es geht ja nicht um Kunstwelten. In den eigenen vier Wänden geht es um Details, die man jeden Tag neu entdecken kann. Jeder Raum hat vier Ecken. Idealerweise steht in jeder Ecke ein Sitz, und ich sehe aus jeder Ecke etwas Neues, zum Beispiel Bilder - dann habe ich eine Inszenierung erreicht. Früher war ich Zauberkünstler, und ich sage immer: Alles, was ich mache, ob es Modedesign ist, Fotografie oder Inneneinrichtung, ist Magie, ist Zauberei. Das Gefühl im Raum muss magisch sein.

          Verschwindet dann auch alles bald wieder?

          Meine Räume sind sehr detailverliebt, daran kann man sich gar nicht so schnell sattsehen. Die Kunden müssen erst zur Ruhe kommen, um alles wahrzunehmen: den Tisch in der Ecke, die Lampe, das Bild dazu und das Tablett mit dem alten Buch. So macht man Räume erlebbar. Ich glaube auch nicht, dass man Räume dafür größer machen muss. Viele haben weiße Wände und Angst vor dunklen Farben, weil sie denken: Das macht den Raum zu klein.

          Sie füllen kleine Räume mit erdigen Farben, riesigen Mustern und vielen Details. Erschlägt das nicht auch manchen?

          Es ist das, was ich persönlich gut finde. Ich habe eine alte Wohnung in Hamburg in einem Altbau von 1890, darin wohne ich, seit ich Student bin. Gerade alte Räume brauchen genau diese Atmosphäre. Würde ich in einem Penthouse wohnen, würde ich die Räume hell gestalten und offen. Man wird oft in eine Schublade gesteckt, aber ich verkaufe keinen bestimmten Stil, ich verkaufe Geschmack.

          Wie steht es denn um den Wohngeschmack der Deutschen?

          Der Deutsche ist viel zu ängstlich. Er hat immer Angst, es könnte zu viel sein, zu mondän, es sieht zu reich aus. Er hat Angst, seinen Wohlstand nach außen zu zeigen. Die Briten und Franzosen inszenieren viel mehr in ihren Räumen, alles ist opulenter. Dort leistet man sich „Interior Designer“. In Deutschland richten sich die Leute selber ein. Das ist, als ob man sich die Haare selber färben würde. Ein guter Friseur betrachtet Ihre Haarstruktur, Ihren Stil und kreiert einen Schnitt, der zu Ihnen passt. Das mache ich auch.

          Ist das wirklich eine Mentalitätsfrage? Inneneinrichter sind ziemlich teuer.

          In Hamburg leben die meisten Millionäre, das ist unsere Zielgruppe. Ich mache hochwertiges Design, kein Ikea.

          Aber nicht jeder ist Millionär. Bei Ihnen kostet der Quadratmeter ab 100 Euro und bis zu 1000 Euro.

          Für 100 Euro bieten wir die wichtigsten Einrichtungsgrundlagen. Der Kunde entscheidet dann, wie viel er investieren will. Auf Wunsch bieten wir den kompletten Service mit Möblierung. Es geht immer um die Will ich mir das leisten? Bin ich bereit, mich beraten zu lassen? Am Ende hat man viel Geld gespart, weil man nur einmal Möbel kauft - und die passen zu einem.

          Weitere Themen

          Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs Video-Seite öffnen

          Davos : Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs

          Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos ist der amerikanische Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs zur Klimaaktivistin Greta Thunberg gegangen. „Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen“, sagte er.

          Warum Braun das neue Schwarz ist

          Farbtrends : Warum Braun das neue Schwarz ist

          In Zeiten politischer Unruhe sehnen sich viele Menschen nach Sicherheit. Ein Gefühl, das sich auch in der Mode widerspiegelt. Dort nimmt man eine Farbe in den Fokus, die lange unbeliebt war.

          Topmeldungen

          Impeachment-Verfahren im Senat : Scheitern mit Ansage

          Gut zwölf Stunden dauerte der erste Tag des Prozesses gegen Donald Trump im Senat. Dabei ging es nur um die Verfahrensregeln. Die Demokraten stellten lauter Änderungsanträge. Die Republikaner schmetterten alles ab.
          Löst das Welthunger-Problem auch nicht: Ein als Ronald McDonald verkleideter Demonstrant fordert an Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums in Davos, „Eat the Rich“.

          Alles Öko? : Tage der Moralisten

          „Öko“ regiert Davos und die Grüne Woche: Alle ächzen unter der moralischen Last der Bewegung, nicht einmal die Biobauern atmen auf. Denn wer die Welt ernähren will, hat es schwer, die höchsten ethischen Standards zu erfüllen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.