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Gartengestaltung : Der Zauber orientalischer Gärten

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Den Einfluss der Gartenbaukunst sieht man auch in der Anlage von Hestercombe House in England. Bild: Flora Press

Ob Alhambra oder Taj Mahal – orientalische Gärten haben einen ganz eigenen Reiz. Woher der rührt und warum die Vorstellung vom Paradiesgarten falsch ist, ergründet ein neues Buch.

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          Das Wasser kommt aus den Bergen. Ein Kanal bringt es zum Palast. Es füllt Becken und Wasserläufe, bringt Fontänen zum Sprudeln. Es kühlt, schafft Atmosphäre und zeugt von Luxus und Macht. Denn Wasser ist lebensnotwendig in heißen, trockenen Regionen wie Andalusien. Wer es kontrollieren und durch seinen Palast leiten kann, wie einst die Herrscher der Alhambra, ist mächtig.

          Besucher, die aus der flirrenden Hitze Granadas in die kühlen Innenhöfe der Burganlage kommen, fühlen sich leicht in eine Welt aus 1.001 Nacht versetzt: Marmor und Fliesen, feinziseliert ausgearbeitete Gewölbe der maurischen Architektur und immer wieder: Wasser. Der Löwenhof wird bestimmt von einem zentralen achteckigen Brunnen, von dem schmale Rinnen in die vier Himmelsrichtungen führen. Entstanden ist er, genau wie der Myrtenhof mit seinem 240 Quadratmeter großen Wasserbecken, im 13. und 14. Jahrhundert, als die muslimisch-maurischen Herrscher die Alhambra erweiterten. Auch im benachbarten Sommerpalast Generalife spielt Wasser eine zentrale Rolle, etwa im Hof mit dem Bewässerungskanal. Dort plätschern zwei Reihen schlanker Fontänen in ein rund 50 Meter langes Becken.

          Wasser ist ein entscheidendes Merkmal des orientalisch-persischen Gartens. Denn Wasser ist Leben: Von einem guten Kanalsystem hängt in trockenen klimatischen Zonen alles ab. Ideal ist, wenn es fließt, daher haben die schmalen Kanäle meist ein leichtes Gefälle. Sie bilden die Achsen des Gartens. Aus einer Längs- und einer Querachse ergibt sich eine Vierteilung, die neben dem Wasser eines der wichtigsten Kennzeichen dieser Anlagen ist.

          Wasser, Milch, Wein und Honig

          Oftmals wird in Bezug auf die vier Flüsse von Wasser, Milch, Wein und Honig, die im Koran erwähnt sind, von einem „Paradiesgarten“ gesprochen. Eine Interpretation, die laut Gartenhistoriker Jochen Wiede nicht zutreffend ist. Zwar mag ein subjektiver paradiesischer Eindruck entstehen, wenn Menschen aus der Hitze in den Schatten kommen und Wasser, Kühle, vielleicht Düfte von Pflanzen sinnlich erleben. Auch bedeutet Wasser Reinheit, die im Islam wichtig ist, und vier Kanäle wie die des Löwenhofs mögen vier Flüssen gleichen. Doch um bewusst angelegte Paradiesgärten handelt es sich nicht, stellt Wiede klar. In seinem Buch über die orientalisch-persische Gartenkultur (marixverlag 2020) geht er der Entstehungsgeschichte dieser Gärten nach.

          Die so typische Vierteilung der Wassergärten hat ihren Ursprung in den Anlagen von Nutzgärten, für die die Kanäle unentbehrlich waren.

          Die Anfänge der Gartenkultur liegen im alten Ägypten. Pharaonen wie Echnaton ließen Nutz- und Ziergewächse anpflanzen. Wasser war von immenser Bedeutung nicht nur für den Anbau, sondern auch, weil es das lebenspendende Licht der Sonne – den Gott Aton – reflektiert. Mehr als 3.000 Jahre alte Bildnisse aus der Tempelanlage Maru-Aton zeigen blühende Pflanzen, die zum Nutzen oder zur Zierde gezogen wurden: Papyrus, Lotos und Wein. Auch Datteln, Granatäpfel, Mandeln und Akazien gab es, was Ausgrabungen belegen. Wasser und Pflanzen blieben das bestimmende Element der ägyptischen Gärten, die meist einem Palast oder einem anderen Gebäude zugeordnet waren.

          Wasser als Symbol der Mächtigen: Die Alhambra in Granada.
          Wasser als Symbol der Mächtigen: Die Alhambra in Granada. : Bild: Reuters

          Die Perser, die um 500 bis 300 vor Christus in Ägypten herrschten, müssen sich von diesen Gartenanlagen haben inspirieren lassen – im Umgang mit Pflanzen, in der Zuordnung zu einem Gebäude und in der Idee eines Pavillons, schreibt Wiede. Auch mit Rom und Byzanz wird es einen kulturellen Austausch gegeben haben. Doch erst als sich die persisch-islamischen Reiche im 10. Jahrhundert festigten, konnte eine eigene Gartenkultur heranreifen. Zunächst entwickelte sie sich in Andalusien, denn in Persien selbst stagnierten Wirtschaft und Kunst zu Beginn der islamischen Epoche ab dem 7. Jahrhundert. Die kulturelle Blüte ereignete sich auf der Iberischen Halbinsel, in al-Andalus, wo die Mauren von etwa 700 bis 1.500 regierten. Hier mischten sich westliche und östliche Einflüsse, sowohl in der Kunst als auch in der Architektur, und die Alhambra gehört zu den wichtigsten Baudenkmälern der Zeit.

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