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Kolumne Hütten & Paläste : Kein Herz für Mieter

Von wegen Warteschleife! Bild: dpa

Erreichbar ist die Vermieterin immer. Leider reagiert die Dame auf Problem stets vorwurfsvoll. Wenn das keine Taktik ist.

          2 Min.

          Als Mieter hat G. wahnsinniges Glück. Die Wohnung im Frankfurter Nordend, in der er mit seinen Lieben lebt, gehört keinem jener fiesen Wohnkonzerne, denen es allein um die Rendite geht. G. liest davon beinahe täglich im Internet und beglückwünscht sich jedes Mal, nicht in solch eine anonyme Wohnmaschinerie geraten zu sein. Man weiß ja, was das heißt: ständig Sanierungen, die die Miete hochjubeln, aber nie einen Ansprechpartner, wenn’s Probleme gibt. Die tauchen in dem Altbau, in dem G. wohnt, regelmäßig auf. Mal funktioniert die Gegensprechanlage nicht, mal steht Wasser im Keller.

          Als Mieter des städtischen Wohnungsunternehmens wäre G. nur einer von mehr als 50 000, bei Vonovia, Deutschlands Wohnungsriesen Nummer eins, sogar nur einer von gut 400 000. Bei seiner Hausherrin, Frau H., ist er einer von vieren. Was für ein Vorteil. Anstatt in der Warteschleife Zeit und Nerven zu verlieren, hat G. den direkten Draht. Feine Sache! Eigentlich. Wenn Frau H. nur ein klitzeklein wenig serviceorientierter wäre. Die Vermieterin ist zwar immer erreichbar, allerdings stets im Angriffsmodus. Ihre Taktik: Jedes Ansinnen erst mal mit einem Vorwurf kontern.

          Macht die dreißig Jahre alte Heizung schlapp, heißt es: „Was haben Sie da schon wieder gemacht?“

          Meldet G., dass die hundert Jahre al-te Haustür nicht schließt, blinkt auf­­ ­seinem Handydisplay ein passivaggressives „Wie konnte das denn passieren?“ auf.

          Einmal, G. hatte seine brandneue Küchenmaschine in Betrieb genommen, flog nicht nur wie üblich die Sicherung raus, es roch auch noch verbrannt. „Bei Ihnen geht wirklich ständig etwas kaputt“, reagierte Frau H.

          Angst vor der Vermieterin

          G. wollte das nicht auf sich sitzen ­lassen. Er merkte an, dass es im Haus eben einen gewissen Sanierungsstau gebe. Wie üblich lenkte Frau H. irgendwann ein. Trotzdem hat G. mittlerweile fast ein wenig Angst, sie zu kontaktieren. Er gesteht, sich es immer dreimal zu überlegen, obwohl er von allen Mietern im Haus noch am besten mit der Dame zurechtkommt.

          Neulich war im Viertel Bombenalarm, und unter den 25 000, die ihre Wohnungen verlassen mussten, waren auch die Mieter von Frau H. Bombe, Kontaktsperre und Platzregen – die Situation war nicht einfach. G. flüchtete mit Frau und Kind zu seinem Bruder. Kaum dort angekommen, erreichte ihn die SMS seiner Vermieterin. „Vielleicht hat sie ja doch ein Herz für ihre Mieter entdeckt “, dachte er und hatte fast ein schlechtes Gewissen, weil er kurz zuvor noch gelästert hatte, die Vermieterin würde ihn jetzt wohl auch noch für die Bombe in der Nachbarschaft verantwortlich machen. Doch ob der akuten Bedrohung ihres Eigentums konnte Frau H. nicht auch noch Mitleid mit den Bewohnern aufbringen. „G., ist das Haus unversehrt? Könnten Sie mal nachsehen?“, las er und war sich sicher: So ein Bomben-Verhältnis hätte er als Mieter einer Konzernwohnung nicht.

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