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Schadstoffe im Neubau : Krank gewohnt

Leicht und luftig: Wenn’s nur so wär. Dann würden sich viele Schadstoffe einfach aus dem Raum verziehen. Bild: Getty

Unter den luftdichten Gebäudehüllen, die die Energieeinsparverordnung im Neubau vorschreibt, braut sich einiges an Schadstoffen zusammen. Wer auf Öko-Materialien achtet, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite.

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          Seit ein paar Wochen atmet Katja Esser wieder durch, so wie früher, bevor sie krank wurde. „Zwei Nächte im neuen Haus, und die Atemwege waren wieder frei“, sagt sie und klingt selbst noch ein bisschen erstaunt darüber, dass ihre monatelange Krankengeschichte quasi über Nacht zu Ende gegangen sein soll. Begonnen hatte sie mit einem Wasserschaden in ihrer Mietwohnung in einem Haus aus den zwanziger Jahren, in dessen Folge plötzlich der Schimmel in den alten Mauern blühte. Während Katja Essers Mann und Tochter gesund blieben, reagierte sie selbst allergisch. So heftig, dass Kortison und Antibiotika zum Dauereinsatz kamen. Fast ein Jahr sei sie durchgängig richtig angeschlagen gewesen, erzählt sie. Es war eine belastende Zeit und für die Familie klar, dass sie so schnell wie möglich umziehen musste - und zwar in eine möglichst schadstofffreie Umgebung.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun wohnen die drei in einem Reihenhaus, dessen innere Werte das „hasenstallartige Äußere“ (Katja Esser) zur Nebensächlichkeit degradieren. Denn das neue Haus besticht nicht nur durch eine gute Raumaufteilung, angenehme natürliche Lichtverhältnisse und schöne Fensterausschnitte, es erzielt auch Spitzenwerte, was die Qualität der Innenraumluft angeht. Die bemisst sich vor allem nach der Summe der in ihr enthaltenen flüchtigen organischen Verbindungen. Vom englischen Begriff Total Volatile Organic Compounds leitet sich die Abkürzung TVOC ab. Es gibt keinen gesetzlich festgeschriebenen Grenzwert, wie hoch die Summe dieser Stoffe in Wohnräumen sein darf, aber das Umweltbundesamt (UBA) nennt Richtwerte: bis zu 1000 Mikrogramm TVOC je Kubikmeter gelten als gesundheitlich „noch unbedenklich“, 300 Mikrogramm TVOC als „unbedenklich“. Im Reihenhaus der Familie Esser beträgt der Wert ebenso wie bei den 19 anderen Nachbarn nicht einmal 250 Mikrogramm TVOC je Kubikmeter.

          Das erlebe man nicht oft, schwärmte denn auch Peter Bachmann bei der Übergabe an die Bauherren im September. Bachmann ist Gründer und Chef des Sentinel Haus Instituts in Freiburg. Das Unternehmen berät und schult Bauunternehmen und Handwerksfirmen, welche Materialien unter gesundheitlichen Aspekten besser sind als andere. Zusammen mit dem TÜV Rheinland vergibt Sentinel zudem das Zertifikat „schadstoffgeprüft“ für Häuser und Innenräume. Auch die Reihenhausanlage im baden-württembergischen Edingen, in die die Essers eingezogen sind, hat dieses Siegel erhalten und gilt nun als „wohngesund“.

          Kopfschmerzen, Husten, juckende Augen, Ekzeme

          Das ist im Neubau bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil braut sich unter den luftdichten Gebäudehüllen, die die Energieeinsparverordnung (EnEV) im Neubau vorschreibt, einiges zusammen. Hunderte verschiedener Materialien werden in einem neuen Haus verbaut. Dämmstoffe, Holzwerkstoffplatten, Fugenmörtel und Kleber, Bauschaum, Bodenbeläge und Farben - sie alle dünsten aus, und die flüchtigen Substanzen konzentrieren sich im Innenraum der Bauten, die, einer Thermoskanne gleichend, rundum bestens isoliert sind. „Bauphysikalisch hat die EnEV eine Verbesserung gebracht, aber wenn es keine Lüftungsanlage gibt, fehlt der Luftaustausch von innen nach außen, für die Lufthygiene führt das zu Problemen“, stellt  Heinz-Jörn Moriske fest, Geschäftsführer der Innenraumlufthygiene-Kommission im Umweltbundesamt.

          Mit den Problemen kennt sich Irina Lehmann vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig aus. Die Immunologin forscht seit 15 Jahren, ob und wie sich belastete Raumluft auf die Gesundheit auswirkt.

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