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Wie man Kunst lagert : Kunstvoll verpackt

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Wenn Kunstschätze auf Reisen gehen, schlägt die Stunde der Verpackungskünstler. Bild: Bestimage

Wie Profis Skulpturen transportieren, Ölgemälde lagern und warum Kunst nicht in den Keller gehört.

          4 Min.

          Der Antritt der neuen Stelle in einer anderen Stadt oder im Ausland liegt nur noch wenige Wochen entfernt, und alles ist genau geplant, fast alles: Bis eine dauerhafte Bleibe gefunden ist, lagern die Möbel zum Teil im Keller von Bekannten, zum Teil bei einem der auch hierzulande immer zahlreicher werdenden Selfstorage-Anbieter. Doch wohin mit dem alten Ölgemälde, einem Erbstück, das nicht nur von hohem emotionalen, sondern auch materiellem Wert ist? Betreiber konventioneller Möbellager geben zwar an, dass auch Kunst und Antiquitäten bei ihnen gut aufgehoben sind. Aber zum einen sieht das die Versicherung nicht immer genauso, zum anderen gelten gerade beim Lagern von Ölgemälden hohe Ansprüche. Freunde haben zwar angeboten, das Kunstwerk in ihrem Keller aufzubewahren. Dort aber mit einem Messgerät herumzuwandern, um ihn auf die richtige Luftfeuchtigkeit zu prüfen, ist für manchen eine eher unangenehme Vorstellung.

          Andererseits brauchen Kunstwerke meist das richtige Raumklima. Da ist zunächst einmal die Temperatur. In Museen beträgt sie meist konstant 21 Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 45 Prozent – in vielen Kellern von Privathäusern sind es gut 50 Prozent. Um die Farben zu schonen, sollten Ölgemälde zudem lieber gerahmt und nicht gerollt gelagert werden, rät man bei der Galerie Zimmermann & Heitmann mit Standorten in Dortmund und Düsseldorf. Allzu feste Kunststoff-Verpackungen können die Luftzufuhr erschweren, schlimmstenfalls bildet sich Kondenswasser. Deshalb sollte man Gemälde am besten in Holz- oder Pappkisten verwahren.

          Je teurer das Werk, desto höher die Anforderungen

          Ganz schön viele Anforderungen, die proportional zum Wert des Werkes steigen. Deshalb bringen viele Galerien, Museen und private Sammler ihre Schätze in speziellen Kunstlagern unter. Einige Anbieter deuten schon im Namen an, worauf ihr Fokus liegt: Unternehmen wie Art Handling, Art-Knox, Kroll Art & Projects bieten neben Lagerung auch den Transport von Kunst an. Damit kennt man sich auch in Frechen bei Köln bestens aus. Das 1903 gegründete Unternehmen Hasenkamp lagert deutschlandweit an dreizehn Standorten Kunstwerke, weltweit sind es achtunddreißig. Auch den sicheren Transport der Kunst an so ziemlich jeden Ort auf der Welt organisiert Hasenkamp – vom kleinen Gemälde bis zur großen Installation.

          Die Zentrale des Unternehmens inmitten eines nüchternen Industriegebiets beherbergt auch ein Lager. Neben der ganz konventionellen Möbellagerung bietet das Unternehmen hier hinter hohen, in schlichtem Grau gehaltenen Fassaden auf mehr als 6000 Quadratmetern auch Platz für Gemälde, Skulpturen und Installationen, geschützt von einem aufwendigen Sicherheitssystem. Abgesehen von Mitarbeitern und Kunden hat hier normalerweise niemand Zugang, erläutert Hasenkamp-Geschäftsführer Thomas Schneider, während er durch eine gesicherte Stahltür nach der anderen führt.

          Im Lager angekommen, weist Schneider auf hohe Regale, in denen große und kleine Pakete nebeneinander gereiht stehen, manche in Luftpolsterfolie, andere in Kartonagen und Holzkisten verpackt: „Der Anblick ist vermutlich unspektakulärer als erwartet“, sagt er. Gegenüber den Regalen sind metallene, mit Schlössern versehene Türen zu sehen. Dahinter liegen Boxen, in denen Kunden ihre Kunstwerke lagern können. Fünfzig Abteile unterschiedlicher Größe befinden sich hier, das kleinste hat eine Fläche von sechs Quadratmeter, das größte misst 1000 Quadratmeter.

          Der Transport kann durchaus aufwendig werden

          Beim klassischen Selfstorage werden die Preise nach der Menge des benötigten Platzes berechnet, je nach Standort, Ausstattung und Optionen, wie etwa täglicher Zugang zum eingelagerten Gut, können die Preise schwanken. So kostet bei Anbieter MyPlace zum Beispiel ein Lagerabteil mit fünf Quadratmetern Fläche und 15 Kubikmeter Volumen im Monat ab 41 Euro aufwärts. Bei den Spezialisten ist die Preisgestaltung komplizierter, denn hier zählen Details. Die Faktoren sind mannigfaltig. Sie reichen von Größe und Material des Kunstwerks über seine Verpackung, ob also ein Softpack oder eine Kartonage ausreichen, eine spezielle Kiste angefertigt oder ein eigenes Abteil gemietet werden soll, bis zu der Frage, ob der Kunde das Werk ab und zu sehen möchte und ob es auch transportiert werden soll. „Kunst ist nicht standardisiert“, erklärt Schneider. Bei der Entscheidung, welche Verpackung die jeweils passende sei, helfe das Team. Je nach Art des Objektes empfehle man die geeignete Schutzverpackung. „Es muss ja nicht immer das Highend-Produkt sein.“

          Diese Highend-Produkte für den Transport wertvoller Werke muten von außen schlicht an, haben es aber in sich: In Holzkisten mit wasserfester Lasur verbergen sich vor Feuer schützende Vakuumpaneelen und Dämmstoffe, die nicht nur vor Stößen schützen, sondern auch für eine konstante Temperatur und Feuchtigkeit im Inneren der Kiste sorgen. Wenn das neue Zuhause in der Ferne gefunden ist oder ein Werk als Leihgabe an eine Galerie gehen soll, kann die Kunst in Kisten wie diesen auf die große Reise gehen. Um Fragen zu Zoll und Versicherung kümmern sich Kunstlogistiker wie Hasenkamp ebenfalls.

          Der Transport, neben der Lagerung eines der Kerngeschäfte, kann durchaus aufwendig ausfallen. Um die monumentalen Exponate der Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze“ nach Berlin zu bringen, charterte das Unternehmen 2006 einen kompletten Airbus vom Typ Beluga. Bei Spezialverpackungen für hochpolierte Objekte, etwa Skulpturen von Jeff Koons, kommen 3D-Scanner zum Einsatz, um das Objekt ja nicht berühren zu müssen. Die Kisten mit dem aufwendigen Innenleben werden in der hauseigenen Schreinerei angefertigt. Mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, wie Schneider betont: „Wir haben ein umfassendes Mietkistensystem. Hier wird das Innere von Kisten für den jeweiligen Transport angepasst. Grün und nachhaltig zu arbeiten ist uns sehr wichtig.“

          Deshalb werde auch das gesamte Haus mit einer Geothermie-Anlage statt mit Gas oder Öl geheizt und gekühlt. Ganz vermeiden lasse sich als Spedition ein gewisser Kohlendioxid-Ausstoß nicht: „Aber wir versuchen, ihn so gering wie möglich zu halten.“ Dass man bei Hasenkamp Nachhaltigkeit betont, hat seinen Grund: Während öffentliche Auftraggeber oft weniger nachhaltige und somit günstigere Alternativen bevorzugten, sei vielen Privatsammlern und auch Künstlern wie Ólafur Elíasson Nachhaltigkeit wichtig – und etwas wert.

          Ist das Werk dann angekommen, kümmern sich die Mitarbeiter auch um die Hängung oder die Installation. Erfahrung ist vorhanden, schließlich sind auch Werke wie die des Künstlers Ai Weiwei, der auch schon mal 100 Millionen handbemalte Sonnenblumenkerne im Museum ausstellt, keine Seltenheit für den Kunstlogistiker. Routine gebe es nicht, behauptet Schneider und führt aus, warum das wichtig ist: „Wir arbeiten mit Dingen, die meist nicht ersetzbar sind und einen hohen Wert haben, sei es materiell oder emotional.“

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