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Wohnen in Kopenhagen : Der Mörder kommt aus Nørrebro

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Das Bad - für Deutsche eine Herausforderung

Auch das Bad ist keine Ausnahmeerscheinung: In dem winzigen, fensterlosen Raum, der höchstens zwei Quadratmeter misst, befindet sich hinter der Toilette ein kleines Handwaschbecken. In einer Halterung darüber steckt der Duschkopf. Wer sich abbraust, flutet unweigerlich den Raum. Deshalb liegt in dänischen Bädern immer ein Abzieher bereit.

„Für uns ist das nichts“, gesteht Sebastian Zenker. Der Professor für Stadtmarketing an der Copenhagen Business School und seine Frau sind im Juli 2014 von Hamburg in die dänische Hauptstadt gezogen. Das Kopenhagener Bad hatten die beiden während ihrer Anfangszeit in der Stadt kennengelernt, als sie in einer Übergangswohnung lebten. Danach stand für das Ehepaar fest: Ein bisschen mehr Komfort darf es sein. Doch Badezimmer, das hat Zenker im Laufe der Wohnungssuche festgestellt, sind in Dänemark grundsätzlich klein - auch im Neubau. Badewannen findet man in Wohnungen so gut wie nie.

Kim Pauli von Nybolig bestätigt das. Die Makler kennen die Wunschlisten der Kopenhagener, wenn es um die Wohnungsausstattung geht. Ein großzügiges Bad gehört nicht dazu. Dagegen zählen ein Tiefgaragenstellplatz, ein Aufzug für die oberen Etagen, eine große Wohn/Essküche und vor allem - ein Balkon. „Ohne den ist eine Wohnung gleich viel weniger wert“, sagt Pauli. Viele Häuser haben daher in jüngerer Vergangenheit Anbauten erhalten. Im Neubau geht die Begeisterung für den Freisitz so weit, dass auch die Wohntürme auf der Øresundinsel Amager, deren nördlicher Teil zu Kopenhagen gehört, in den obersten Etagen mit Balkonen ausgestattet sind. „Von dort hat man eine tolle Sicht, aber der Wind weht oft so stark, dass man den Balkon eigentlich nicht nutzen kann“, hat der Neu-Kopenhagener Zenker während seiner Besichtigungstouren am Wohnimmobilienmarkt der Stadt festgestellt.

Die Stadt wächst - besonders auf der Insel Amager

Eine andere Erkenntnis: Es ist nicht leicht, eine Mietwohnung zu finden. Das in der Kernstadt nicht einmal 600 000 Einwohner zählende Kopenhagen ist ein Käufermarkt. Schon Studenten kaufen - oft auf Pump. Neue Wohnungen und Häuser entstehen vor allem auf Amager in den großen Neubaugebieten von Ørestad und Sydbyoster. „Für die Kopenhagener ist das schon viel zu weit draußen, das gilt längst nicht mehr als in Fahrradreichweite“, erzählt Zenker. Er und seine Frau sahen das anders. „Wenn man aus Millionenstädten wie Hamburg oder Berlin kommt, sind die Dimensionen etwas andere“, sagt Zenker. Zudem gefiel ihnen, dass es in ihrer Nachbarschaft neben Neubauten auch ein gewachsenes Viertel gibt. Auf Amager ist das nicht überall so. Außerdem sind es von Zenkers Wohnung nur wenige Minuten zur Metrostation. Von dort braucht die Bahn keine Viertelstunde ins Zentrum.

Ein weiterer Vorzug der Lage ist die Nähe zum großen Strandpark. Selbst in einer an Parks und schönen Plätzen reichen Stadt wie Kopenhagen ist das weitläufige Strandgebiet eine Besonderheit. Vor allem in den Sommermonaten lockt der Strand die Bewohner der Hauptstadt, denn dort gibt es nicht nur Dünen und Sand, sondern Schwimmbecken, Sportflächen, ein Tanzlokal und Imbissbuden. Sebastian Zenker und seine Frau haben sich angewöhnt, dort abends regelmäßig spazieren zu gehen. „Das vor der Haustür zu haben ist großartig, das ist eine der großen Qualitäten der Stadt“, schwärmt Zenker.

Während Ole im spätnachmittäglichen Gewimmel der Stadt eintaucht, genießt der Exil-Hamburger den Blick aufs Meer und die Häuserkulisse. Doch auch der dänische Familienvater weiß den Park zu schätzen. Mit Bus und Metro ist er binnen einer halben Stunde am Strand. „Das nutze ich im Winter“, sagt er, „zum Langlaufen.“ Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit. Jetzt wartet sowieso erst mal das Abendessen.

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