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Hütten und Paläste : Wie die Sofa-Lieferung zum Horrortrip wurde

Wohl dem, der Helfer hat. Bild: Getty

Probe sitzen, Stoff befühlen, die perfekte Sitztiefe erspüren: Die Suche nach einem neuen Sofa könnte als Achtsamkeitsübung durchgehen. Wäre da nur nicht die Anlieferung.

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          Ein neues Sofa ist etwas Wunderbares. Das beginnt schon mit dem Aussuchen. Während ein neuer Schrank stets Rummessen, Rumräumen und Rumärgern mit sich bringt, ist die Suche nach einem Sofa Hedonismus pur. Das Wichtigste ist schließlich das Probesitzen: In ein Möbelgeschäft gehen, sich auf dem Objekt der Begierde niederlassen und in sich hineinhören, ob Polsterung, Sitzhöhe und -tiefe genehm sind. Im Gegensatz dazu, einen Schrank aufzubauen, geht das fast schon als Achtsamkeitsübung durch. Und unterschiedliche Stoffqualitäten zu befühlen und gemeinsam über Farbtöne und Stoffstruktur zu sinnieren ist fast so gut wie Handtaschenshopping.

          Judith Lembke
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Leider kommen die schönsten Sofas ebenso wie die schönsten Handtaschen aus Italien. Und damit beginnt das Problem, genauer gesagt das Anlieferpro­blem. Wer jemals fand, eine heimische Möbelspedition sei maßlos, wenn sie ein Zeitfenster von sechs Stunden für eine Möbellieferung nennt, hat noch nie mit einer italienischen zu tun gehabt. Die nennt von Vornherein ein Zeitfenster von zwei vollen Tagen für die Lieferung des Sofas. Die Bitte um eine gewisse Eingrenzung bleibt unerhört. Wohl dem, der im Homeoffice arbeiten kann und nicht zwei Urlaubstage dafür opfern muss, darauf zu warten, dass der Möbelmann an die Tür klopft.

          Wie lässt sich das Monster heil ins Haus bugsieren?

          Als es dann nicht am ersten und auch nicht am zweiten, sondern am dritten Tag endlich klingelt, bleibt die erhoffte Erlösung jedoch aus. Der Lieferant weigert sich, mit seinem Transporter vors Haus zu fahren, und will 500 Kilogramm Sofamodule in sieben Riesenpaketen fünfzig Meter entfernt an der Straßenecke abstellen. Die Straße sei ihm zu eng. Ein Hinweis auf die norditalienischen Gassen, in die er sonst seine Sofas ausliefert, überzeugt ihn ebenso wenig wie der Hinweis auf die vertraglich vereinbarte „Lieferung an Bordsteinkante“. Ihn überzeugt erst das Bargeld, das die Kundin voller Verzweiflung aus der Tasche zieht, damit er mit der ersehnten Fracht nicht wieder in Richtung Alpen abrauscht.

          Eine halbe Stunde und siebzehn neue graue Haare später steht eine halbe Tonne Sofa vor dem Gründerzeithaus auf der Straße. Da die Anlieferung einen Tag später als vereinbart kam, sind alle Helfer ausgeflogen. Und dann beginnt es auch noch zu regnen. Damit hat sich das Projekt „neues Sofa“ endgültig von einer Achtsamkeitsübung in einen Horrortrip verwandelt. So viele Gedanken an Festigkeit der Polsterung und Farbton des Stoffes zu verschwenden wirkt absurd, wenn es gerade darum geht, das Monster überhaupt heil ins Haus zu bugsieren.

          Doch dann naht Rettung von unerwarteter Stelle. Es kommt ein Lieferdienst vorbei, dieses Mal nicht Möbel, sondern Getränke. Und die beiden Typen, denen man die Mitgliedschaft bei den Hells Angels sofort abnehmen würde, zögern nicht lange, sondern wuchten die Kartons ins Treppenhaus. Trinkgeld wollen sie erst nach dreifachem Insistieren annehmen.

          Als der neue Mitbewohner am Abend an seinem Platz steht und sowohl Augen als auch Gesäß überzeugt, sind die grauen Haare vergessen. Ein neues Sofa ist etwas Wunderbares.

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