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Urbane Sommerhitze : Der Klimawandel kommt in die Stadt

Wie schön, wenn man sich abkühlen kann. Bild: dpa

Wenn die Temperaturen steigen, werden die Metropolen zu Hitzeinseln. Mehr Grün ist die Lösung. Doch wie verträgt sich das mit dem Ziel, mehr Wohnraum in unseren Städten zu schaffen?

          6 Min.

          So eine Gelegenheit kommt nicht oft: Vor einiger Zeit hat die Stadt Frankfurt einen Fördertopf geöffnet und den Wohnungseigentümern eines Straßenabschnitts im Altbauquartier Bockenheim ein Angebot gemacht. Sie wollte den Asphalt aufreißen und Bäume pflanzen. Eine kleine Allee sollte entstehen. Die tristen Waschbetonkübel, in denen - von Laienhand bepflanzt - Lavendel, Rosen, ein ausgesetzter Weihnachtsbaum und Gestrüpp vor sich hin wachsen, würden Bäumen mit stattlicher Krone weichen. Die Eigentümer sollten sich mit einer winzigen Summe beteiligen. Sie lehnten ab und argumentierten mit dem ohnehin schon knappem Parkraum, dunklen Erdgeschosswohnungen im Sommer und bevormundeten Mietern. Überhaupt waren die Bäume der Mehrheit der Versammelten verdächtig. Erst kommt das Grün, dann die Gentrifizierung, mutmaßten sie. Das Argument des Fachmanns vom Grünflächenamt blieb unerhört. Die Bäume, gab dieser zu bedenken, würden zukünftig das Klima in der Straße an heißen Tagen erträglicher machen. Unnötig, befanden die Eigentümer.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun klettern die Temperaturen zum zweiten Mal in dieser Saison in der Mittagszeit über die 30-, teils bis über die 40-Grad-Marke, und nicht nur in jener Straße Frankfurts spendet kein Baum nennenswert Schatten. Auch an vielen anderen Orten des Landes flirrt die Hitze über dem Asphalt. Die Luft steht, und Passanten schleichen durch die Straßen. „Halbtote auf den Gehwegen, die wie Streichholzköpfe glühen“, sang die amerikanische Popgruppe Lovin’ Spoonful vor fast 50 Jahren in ihrem zeitlosen Hit „Summer in the City“ über heiße Tage in der Großstadt.

          Forscher rechnen damit, dass die Zahl der heißen Tage steigt

          „Wir bekommen allmählich eine Ahnung davon, was durch den Klimawandel in den Städten auf uns zukommt“, sagt Monika Steinrücke. Die Geographin von der Ruhruniversität Bochum ist Fachfrau in der Frage, mit welchen Strategien man Städte an das sich wandelnde Klima anpassen kann. In Bochum, erzählt Steinrücke, gibt es seit gut 100 Jahren eine Messstation - an zentraler Stelle, nicht irgendwo draußen auf dem Land wie sonst üblich. Über Jahrzehnte hat man dort im Mittel vier heiße Sommertage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad gemessen. Aktuell sind es zehn. In Zukunft werden es wohl 20 bis 30 Tage sein, sagen Forscher wie sie.

          Schon seit Jahrzehnten setzten sich Lokalpolitiker, Planer und Wissenschaftler damit auseinander, dass sich dicht bebaute Flächen während des Sommers weit stärker aufheizen als das Umland und die Städte zu Hitzeinseln werden. Doch nun wird das Problem drängender, denn die Städte durchleben eine rasante Wachstumsphase. Internationale Studien gehen davon aus, dass bis 2030 etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung in den Metropolen lebt. Das heißt, dass sich das Häusermeer ausbreitet, Straßen gebaut und Flächen versiegelt werden. Die Speichermasse für Hitze nimmt zu, während vielerorts Grün verschwindet.

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