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Urbane Sommerhitze : Der Klimawandel kommt in die Stadt

Neue Grünflächen erobern: Grüne Dächer haben viele Vorteile.
Neue Grünflächen erobern: Grüne Dächer haben viele Vorteile. : Bild: dpa

Das hat schon jetzt dazu geführt, dass des Sommers in vielen Quartieren die Luft nachts nicht mehr abkühlt. Während draußen vor den Toren der Stadt auch an einem sehr heißen Sommertag gegen Mitternacht die Temperatur auf 17 bis 18 Grad sinkt, bleibt sie in den dicht bebauten Innenstädten um die 10 wenn nicht mehr Grad höher. Dieses Problem wird sich verschärfen, wenn die heißen Tage mehr werden, sagen Klimaforscher. „Dann wird nicht nur in Fußgängerzonen, Hochhausvierteln und Stadtquartieren mit Blockrandbebauung die Temperatur nachts nicht mehr sinken, sondern auch in anderen Stadtteilen“, warnt Monika Steinrücke. Die heizen sich bisher langsamer auf, weil dort weniger Gebäude stehen und die Hitzeperioden nach zwei, drei Tagen wieder vorbei sind. Wenn die Hitzewelle aber eine Woche dauert, „wird es kritisch“, sagt sie. Hitze am Tag ist nicht das Problem, aber wenn es auch nachts während der Ruhephase heiß bleibt, fehlt die Erholung - und das kann vor allem für alte und kranke Menschen tödliche Folgen haben.

Bald auch weniger dicht besiedelte Wohnviertel betroffen?

So bekannt wie die Probleme sind auch die Lösungen: mehr Grün, mehr Wasserflächen und bloß nicht die Frischluftschneisen verbauen, um dem Aufheizen der Metropolen entgegenzuwirken und die kühle Luft aus dem Umland wenigstens bis in die Außenbezirke der Stadt zu leiten, raten die Fachleute. Und wo möglich, verbindet man besten bestehende Grünflächen. Das ist einfacher gesagt als getan. Stehen doch die Großstädte angesichts des Zustroms unter Druck, Bauland aufzutreiben, Brachen zu beleben und nachzuverdichten, um Wohnraum zu schaffen. Auf nächtlichen Frischluftschneisen wie alten Gleisfeldern wachsen Wohnklötze in die Höhe. In den Hinterhöfen der Altbauviertel entstehen Mehrfamilienhäuser - in Städten wie Frankfurt, Köln und Hamburg bleibt derzeit kaum eine Lücke frei. Mittlerweile sind selbst Schrebergärten und Grünflächen zwischen Wohnblocks als Bauland ins Visier geraten. Doch wie viel Dichte verträgt das Klima?

Hartmut Welters beschäftigt sich als Architekt und Stadtplaner ständig mit dieser Frage. Er sagt: „Klar, Nachverdichtung um jeden Preis geht nicht.“ Denn jedes zusätzliche Gebäude bedeutet grundsätzlich weitere Flächenversiegelung und Verschattung. Das kann Folgen für die Temperatur und die Windströme vor Ort haben.

Vor dem Bau in Großstädten müssten eigentlich mögliche klimatische Folgen untersucht werden - vor allem, wenn es um größere Projekte geht. Doch das passiert nach Beobachtung des Stadtplaners noch zu selten. Kaum eine Stadt gehe so weit wie Saarbrücken und analysiere ihre Freiflächen bis hin zur kleinsten Einheit unter klimatischen Gesichtspunkten. Dabei kann herauskommen, dass nicht jede Grünfläche und jede Schrebergartenanlage einen unverzichtbaren Beitrag fürs Stadtklima leistet. „Das ist nicht immer leicht zu vermitteln“, sagt Welters, „denn für das individuelle Wohngefühl ist Grün ein Gewinn.“

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