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Treppen im Grundriss : Es geht aufwärts

Treppe, Küche, Einbauschrank, Bücherregal: Das Hybridmöbel integriert die Maisonettetreppe klug und platzsparend in die Wohnung. Bild: Uwe Scholz

Eine Treppe leistet viel mehr als bloß zwei Etagen zu verbinden. Sie ist Skulptur, erschließt Wohnraum oder strukturiert das Haus. Manchmal sind ungewöhnliche Lösungen gefragt.

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          Wie Ninjas fühlen sich Tatsumi und Hanae Terado manchmal. Sie schwingen elegant von Ebene zu Ebene, balancieren flink entlang schmaler Pfade und klettern auf Behelfsleitern von unten nach oben. Das Ehepaar aus Japan lebt in einem Haus, das im Innenraum komplett auf Wände und feste verbindende Elemente zwischen den Stockwerken verzichtet.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In dem in sich verschachtelten Bau muss Hanae Terado erst das Stufenregal gegen die Wand schieben oder auf die Trittleiter steigen, um von einer Etage in die andere zu gelangen. Das spart Platz und vergrößert den Wohnraum, erfordert aber viel Geschick - und besonders sicher ist es nicht. Umso deutlicher macht der ungewöhnliche Entwurf, welche Funktion Treppen im Haus erfüllen.

          „Die Aufgabe einer Treppe ist erst einmal, verschiedene Ebenen eines Hauses sicher und bequem miteinander zu verbinden“, sagt Jürgen Quirin, Inhaber von Diehl Treppenbau aus Frankfurt am Main. Einerseits orientiert sich die ideale Treppe am Menschen, an seiner Anatomie und Ergonomie.

          Für das optimale Steigungsmaß gibt es eine Formel: Zweimal die Steigung, also die Stufenhöhe, plus einmal den Auftritt sollten in Summe zwischen 59 und 65 Zentimetern ergeben. Beträgt das Verhältnis von Auftrittsfläche zu Stufenhöhe 29 zu 17, gelingt selbst ein steiler Aufstieg ganz mühelos. Andererseits fügt sich die Treppe ein in die Funktion, die sie im Raum erfüllen soll. Und die ist je nach den Gegebenheiten des Gebäudes immer wieder eine andere.

          Mehr als eine Verbindung von oben und unten

          Die Treppe ist dabei viel mehr als reine Verbindung von oben und unten. Sie avanciert zum eigenständigen Gestaltungselement in der Innenarchitektur und -einrichtung. „Fast jede Funktion innerhalb einer Wohnung lässt sich mit einer Treppe kombinieren - und zwar so, dass sich Synergien ergeben“, sagt Gerd Streng, freier Architekt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HafenCity Universität aus Hamburg.

          Eigentlich hat sich Streng darauf spezialisiert, vor dem Hintergrund steigender Immobilienpreise bestehende Wohnungen in begehrten Vierteln der Hansestadt nachzuverdichten. Unter dem Motto „Einbreiten statt ausbreiten“ sucht er nach ungenutzten Platzreserven, um den Raum nach innen zu vergrößern.

          Die Treppe spielt dabei oft eine zentrale Rolle. Denn soll etwa ein Speicher zur Wohnfläche ausgebaut werden, sind kluge, raumsparende Lösungen gefragt, die die Treppe in die Wohnwelt der Auftraggeber integrieren.

          So war es auch bei Familie Meyer aus Hamburg-Harburg. Ihr zweites Kind war unterwegs, und ein Zimmer fehlte in ihrer 2,5-geschossigen Wohnung. Deshalb funktionierten die Meyers ihre abgeschlossene Küche zum Kinderzimmer um, die Küche wanderte in eine Ecke des Ess- und Wohnzimmers.

          Auf dem Speicher sollte der Vater ein Arbeitszimmer bekommen und einen Platz für seine Comicsammlung. Deshalb brauchten die Bauherren neben der Küche eine Maisonettetreppe, die das Wohnzimmer mit dem ausgebauten Spitzboden verband. Die Lösung fand Architekt Streng in einer Kombination aus beiden: ein Hybridmöbel aus Küche, Treppe, Bücherregal und Abstellraum.

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