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Seestadt Aspern : Wo Wien jetzt eine Küste hat

Badefreuden am künstlichen See: Die Stadtplaner haben das Wasser ins Zentrum gerückt. Bild: akg / viennaslide / Harald A. Ja

In der Seestadt Aspern entstehen 10.000 Wohnungen – unter anderem im höchsten Holzhochhaus der Welt. Die Mieten sind niedrig, die Verkehrsanbindung ist gut. Echte Wiener würden trotzdem nie so weit nach draußen ziehen. Und nun?

          Aus seinem Büro mitten in Wiens modernstem Stadtteil blickt Gerhard Schuster auf ein altes Flugfeld. Wo einst Doppeldecker landeten, rumpeln heute Bagger und Radlader. Die Piste ist das letzte Überbleibsel des Flughafens Aspern, der vor mehr als hundert Jahren in Betrieb ging und damals die größte Anlage in Österreich-Ungarn war. Als 1954 der neue Zivilflugplatz in Schwechat eröffnete, fanden in Aspern Autorennen statt. Später errichtete General Motors auf dem Flugfeld ein Motoren- und Getriebewerk, das noch immer besteht und seit einigen Jahren „Opel Wien“ heißt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Fabrik, früher an der östlichen Peripherie der Metropole gelegen, grenzt heute direkt an ihren jüngsten Stadtteil, die Seestadt Aspern. Seit 2009 wächst hier eines der umfangreichsten Entwicklungsprojekte Europas aus dem Boden. Wenn alles nach Plan verläuft, werden auf dem ehemaligen Flugplatz in zehn Jahren 20.000 Menschen in 10.500 Wohnungen leben. Damit aus dem Großvorhaben keine reine Schlafstadt wird, entstehen zudem 15.000 Büroarbeitsplätze und 5000 Stellen in Gewerbe, Wissenschaft, Forschung und Bildung.

          Ihren Namen verdankt die Seestadt dem Dörfchen Aspern, das – je nach Interessenlage – sonst nur noch als Geburtsort des Fußballstars vom FC Bayern München, David Alaba, bekannt ist und dafür, dass hier 1809 Napoleon seine erste Niederlage einsteckte. Den Ausbau und die Verwertung des 240 Hektar großen Gebietes koordiniert die staatliche Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 Aspern Development AG, deren Chef Gerhard Schuster ist.

          Die Seestadt zählt zum 22. Wiener Gemeindebezirk der Donaustadt und heißt so, weil sie rund um einen fünf Hektar großen künstlichen Badeteich entsteht. Gegliedert und begrenzt wird die konzentrische Bebauung durch einen Alleenring, der an Wiens Innenstadt erinnert, durch Grünflächen, Zufahrtsstraßen, durch die neue Metro und die Eisenbahnlinie nach Bratislava. Mit dem vielen Wasser orientieren sich die schwedisch-dänischen Stadtplaner an nördlichen Vorbildern wie Hamburg, Kopenhagen und Stockholm.

          Zuzug und Knappheit treiben die Preise hoch

          Die Entwicklungsgesellschaft hat ihren Sitz im „Technologiezentrum Seestadt“, dem allerersten Haus, das 2012 fertig wurde. Hier und in einigen weiteren Gebäuden erprobt Siemens das Konzept der „Smart City“. Dazu gehört, dass die Abwärme von Menschen und Computern aufgefangen und gespeichert wird, wie Schuster sagt: „Wir erzeugen mehr Energie, als wir verbrauchen.“ Sofern sich das Pilotprojekt rechnet, sollen weitere Quartiere so ausgestattet werden.

          Schuster steht an einem riesigen Modell der Stadt und macht klar, dass bisher vor allem südlich des Sees gebaut worden ist. In dem Areal weiter nördlich ist noch nicht viel mehr zu sehen als eine planierte Sandlandschaft. Doch schon bald werden die Arbeiten losgehen, in zehn Jahren sollen sie abgeschlossen sein. Der Süden der Seestadt kann sich schon sehen lassen. In den 3000 Wohnungen leben 7000 Bewohner, rechnet Schuster vor. Die Mietobjekte seien alle verteilt, auch beim Kauf gebe es kaum Vakanzen. Die Kindergärten, die Grundschule und das Gymnasium sind voll, weitere Schulen geplant.

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