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Wohnen : Wenn fast die Hälfte des Gehalts für die Miete draufgeht

  • -Aktualisiert am

Bürger demonstrieren gegen zu hohe Mieten und Wohnkonzerne. Bild: dpa

Das Wohnen in Deutschland wird immer teurer. Vor allem eine Bevölkerungsgruppe kann sich die Wohnung in der Metropole oft nicht mehr leisten.

          Wohnungssuchende wissen es schon länger, nun steht es auch schwarz auf weiß im neuen Mieten- und Wohngeldbericht der Bundesregierung: Das Wohnen in Deutschland wird, vor allem in den Metropolen, immer teurer. So sind die Neuvertragsmieten dem Bericht zufolge zwischen 2016 bis 2018 jährlich um 5 Prozent gestiegen, in den Innenstädten der Großstädte sogar um 6 Prozent. Zum Vergleich: Das allgemeine Preisniveau, die Inflationsrate, stieg nur um 1,8 Prozent im Jahr.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Innerhalb Deutschlands gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Am günstigsten ist das Wohnen im Vogtlandkreis, dort kostete der Quadratmeter zuletzt 4,50 Euro kalt. In München, bundesweit der Spitzenreiter, waren es dagegen 17,73 Euro.

          Je geringer das Haushaltsnettoeinkommen, desto stärker schlägt die Miete zu Buche. Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 1300 Euro müssen im Schnitt fast die Hälfte davon (46 Prozent) für die Miete ausgeben. Bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 4500 Euro oder mehr sind es dagegen nur 17 Prozent. Anders als die absoluten Mieten sind diese Anteile aber im Vergleich zum Vorjahresbericht nicht gestiegen. Grund: Nicht nur die Mieten, sondern auch die Einkommen der Menschen haben sich erhöht.

          Eigene Immobilie kostet deutlich weniger

          Makler und Vermieter verlangen oft, dass ein Mieter nicht mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete ausgibt. Andernfalls, so fürchten sie, könnte es finanziell eng werden. Doch vor allem für Rentner ist diese Hürde kaum noch zu schaffen, schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Demnach geben mittlerweile zwei Drittel der Haushalte mit Mietern ab 65 Jahren mehr als besagte 30 Prozent für das Wohnen aus. 1996 waren es erst 38 Prozent. Anders als Bundesbauministerium rechnet das DIW in seiner „Wohnkostenbelastung“ aber nicht wie sonst üblich nur mit der Kaltmiete, sondern rechnet auch noch die Nebenkosten dazu.

          Wenig überraschend: Rentner, die in einer eigenen Immobilie leben, müssen deutlich weniger Geld fürs Wohnen ausgeben: im Schnitt nur 15 Prozent ihrer Einkünfte. Allerdings ist die Eigentumsquote in Deutschland so gering wie in kaum einem anderen europäischen Land.

          Mehr als die Hälfte aller Deutschen lebt zur Miete, in Großstädten wie Berlin sind es sogar 80 Prozent. Hinzu kommt: Rentner leben häufig in älteren Gebäuden, die Wohnungsgesellschaften jetzt nach und nach modernisieren. Die Kosten dieser Modernisierung können Vermieter auf die Miete umlegen. Viele Senioren haben deshalb Angst, verdrängt zu werden. Etliche Wohnungsgesellschaften haben aber Härtefallregelungen eingeführt, die den Mietanstieg begrenzen.

          Dass viele Menschen das Gefühl haben, den Großteil ihres Einkommens für die Miete auszugeben, hat auch mit der wachsenden Zahl der Singlehaushalte in Deutschland zu tun. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestehen 42 Prozent der Haushalte in Deutschland nur aus einer Person. Im Vergleich zu größeren sind kleinere Wohnungen oft überdurchschnittlich teuer. Sogenannte Mikro-Apartments kosten oft 30 Euro je Quadratmeter und mehr. Sie sind jedoch dafür häufig auch schon möbliert.

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