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Wohnungsausstattung : Was gönn’ ich meinem Mieter?

  • -Aktualisiert am

Edles Parkett und Flügeltüren - jetzt fehlt zum Glück nur noch die Einbauküche, oder? Bild: Ullstein

Parkett oder Estrich - welche Ausstattung besser ist, hängt von der Marktlage ab. Mieter, die selbst Geld in ihre Wohnung stecken wollen, sollten auf keinen Fall eigenmächtig handeln.

          Nach einem halben Dutzend Besichtigungen reichte es Ingrid Wiedemeyer. Schon wieder hatte ihr ein Mietinteressent abgesagt: Er wolle sich lieber nach einer anderen Wohnung umsehen. Dabei hat sie die 80-Quadratmeter-Wohnung Baujahr 1988 gerade neu renovieren lassen. Nun ist Walnussparkett verlegt, eine nagelneue Einbauküche verbaut, und das Bad hat Mosaikfliesen und eine ebenerdige Dusche mit Regenwasserbrause.

          So etwas hat sie nicht einmal selbst zu Hause. Für einen Quadratmeterpreis von weniger als 5 Euro am Rande des Ruhrgebiets findet sie das fast schon luxuriös. Vielen Mietern ist es anscheinend immer noch nicht schick genug. Deshalb fragt sich Wiedemeyer, die zwar anders heißt, aber eine typische deutsche Vermieterin ist: Wie gut ausgestattet muss eine Mietwohnung heutzutage eigentlich sein?

          Die Antwort ist einfach und gerade deshalb so kompliziert: Es kommt ganz auf die Stadt an. Ingrid Wiedemeyers Tochter, die in Frankfurt lebt, wäre froh über die Mietwohnung ihrer Mutter. Die Berufsstarterin wohnt auf Laminat aus Buche-Imitat, kämpft täglich mit der klapprigen Baumarktspüle und ärgert sich über ihr Bad, dem man die Jahrzehnte ohne Renovierung ansieht. Für all das zahlt sie den doppelten Quadratmeterpreis. Warum sie die Wohnung trotzdem genommen hat? Weil sie froh war, überhaupt eine bezahlbare 60-Quadratmeter-Wohnung zu finden. Frankfurt ist eine vermieterfreundliche Stadt, genau wie Köln, Düsseldorf oder Hamburg. München sowieso.

          In diesen Städten werden die Vermieter Wohnungen in fast jedem Zustand los. Hauptsache die Bausubstanz ist akzeptabel. Mit der Renovierung halten sie sich meist nicht groß auf, im Gegenteil. Bisher haben Wohnungseigentümer selbst kleine Schönheitsreparaturen noch den Mietern aufgezwungen. Damit ist jetzt Schluss: Am vergangenen Mittwoch entschied der Bundesgerichtshof, dass sämtliche Schönheitsreparaturklauseln im Mietvertrag hinfällig sind, wenn der Vermieter dem Mieter eine Wohnung unrenoviert überlässt.

          In den meisten Fällen ging es dabei um die Frage: Muss der Mieter beim Auszug streichen, wenn er ungestrichene Wände übernommen hat? Muss er nicht, sagt das Gericht. Weder bei Auszug, noch während der Mietzeit können Mieter turnusmäßig zum Streichen verdonnert werden. Sie müssen für unterlassene Renovierungen dann auch keinen Schadensersatz zahlen, entschieden die Richter (Az.: VII ZR 185/14). Für große Renovierungsarbeiten wie Böden abschleifen und neue Fliesen kleben sind Mieter ohnehin nicht zuständig, wenn es um normale Abnutzungsspuren geht. Die musste schon immer der Hausbesitzer beseitigen.

          Die Antwort ist einfach und gerade deshalb kompliziert

          Ganz anders sieht es abseits der Großstädte und Ballungszentren aus. Dort überlegen Vermieter nach jedem Mieterauszug lange, was sie diesmal wieder alles erneuern lassen. Und neue Interessenten zögern, ob ihnen wirklich sämtliche Wohnungsfeatures gefallen. „Wohnungssuchende stellen vor allem in mittelgroßen Städten hohe Ansprüche an die Ausstattung“, beobachtet Immobilienexperte Stephan Kippes, Professor an der Hochschule für Wirtschaft in Nürtingen-Geislingen, „meist besteht dort ein breites Angebot und nur wenig Nachfrage.“

          In solchen Städten sind Mieter oft noch wählerischer als weit draußen auf dem Land. Denn da sind viele Wohnungen oft schon besonders gut ausgestattet, große Terrassen, Wintergärten, elektrische Jalousien und Bäder mit Eckbadewanne gehören fast schon zum Standard. In Großstädten erwarten die Suchenden deutlich weniger. Absolute K.o.-Kriterien sind hier eigentlich nur: der fehlende Balkon (der erschwert in 82 Prozent der Fälle die Vermietung), die Beheizung mit Einzelöfen und veraltete Bäder (je 78 Prozent). Eher noch als mit einem alten Bad freunden sich viele mit einem verkorksten Grundriss an.

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