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Weingüter in Südafrika : Traumhafte Kulisse für ein schwieriges Geschäft

Weinbau vor traumhafter Kulisse Bild: Roger de la Harpe/African Pictur

Wer auf dem Markt für Weingüter in Südafrika Fuß fassen will, konkurriert zuweilen mit den Reichen aus aller Welt. Insgesamt sinken aber derzeit die Preise.

          5 Min.

          Mit den Schuhsohlen fing es an. Achim von Arnim zeigt sie jedem, der in seinem Weingut in Südafrika vorbeikommt. Eingerahmt hängen sie an der Wand über dem Kamin. An den Gummisohlen blieben damals Brocken des Lehmbodens hängen, unter dem heute sein Weinkeller „Haute Cabrière“ zu finden ist, erzählt der 67 Jahre alte Winzer. Nur Schutt, Reifen und Autowracks lagen einst an dieser Stelle herum. Aber die Lehmbrocken versprachen optimale Bedingungen für die damals noch kaum in Südafrika angepflanzte Pinot-Noir-Traube. So begann die Geschichte eines der bekanntesten Weingüter nahe Kapstadt.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Seither haben unzählige Winzer versucht, sich den Traum vom eigenen Rebensaft unter Südafrikas Sonne zu verwirklichen. Die internationalen Wirtschaftsnöte aber gehen auch an einer der schönsten Ecken der Welt nicht unbemerkt vorbei. Etliche der einst mit großen Hoffnungen gestarteten Farmen sind heute wieder auf dem Markt. Fachleute sprechen davon, dass sich die Immobilienpreise nach einer Überhitzung wieder realistischeren Niveaus annäherten. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Farmen zu Schnäppchenpreisen zu haben sind.

          Vom Weingut zum Luxushotel

          Wer auf dem Markt für südafrikanische Weingüter Fuß fassen will, muss mit den Reichen aus aller Welt konkurrieren. In den „Winelands“ tummeln sich ergraute italienische Industrielle, Schweizer Kunstsammler und amerikanische Immobilienmogule ganz in der Nähe der Rothschilds und ihrem südafrikanischen Pendant, den Ruperts. Großbritanniens Juwelier Laurence Graff, auch „King of Bling“ genannt, kam vor kurzem dazu. Er investierte umgerechnet 30 Millionen Euro, um ein in die Jahre gekommenes Weingut in ein Luxushotel zu verwandeln. Der Chef des größten Medienkonzerns in Afrika, Koos Becker, pflanzt mit seiner Gattin in einem spektakulären, 200 Hektar großen Garten neben Wein auch Bio-Obst und Gemüse. Allein die aus Pfirsichkernen angelegten Wege dürften ein Vermögen gekostet haben - wie auch das eigens aus Europa importierte viktorianische Gewächshaus.

          Die meisten Besitzer halten an ihren Farmen jahrzehntelang fest, vererben sie von Generation zu Generation. Manchmal aber kommt selbst in das kleine Marktsegment der historisch bedeutsamen Güter Bewegung. So sicherten sich Mitte 2011 zwei Investmentbanker aus Tschechien und Großbritannien Klein Constantia, wo schon seit 1689 Wein hergestellt wird. In der Branche wird über einen Preis von 200 Millionen Rand (20 Millionen Euro) spekuliert. Ungefähr in dieser Preislage wechselte auch das geschichtsträchtige Lanzerac-Anwesen in den Besitz eines ausländischen Käufers. Christo Wiese, Gründer eines südafrikanischen Handelsimperiums, hatte sich davon getrennt, weil er den Anteil der Landwirtschaft in seinem Investmentportfolio verringern wollte. Wiese besitzt noch weitere Weingüter in der Gegend.

          Traum von einem unterirdischen Weinkeller

          Das Wirtschaftsmagazin „Financial Mail“ erwartet, dass womöglich auch Constantia Uitsig, zu dem heute Restaurants, ein Hotel und ein Spa gehören, demnächst auf den Markt kommt, weil die Eigentümer mit der Rendite nicht zufrieden seien. Um den Verkauf von Boschendal, ebenfalls eines der ältesten Weingüter, wird schon seit längerem gerungen.

          Achim von Arnim vor seinem Weinkeller „Haute Cabrière“
          Achim von Arnim vor seinem Weinkeller „Haute Cabrière“ : Bild: Claudia Bröll

          Verglichen damit ging es Ende der achtziger Jahre, als von Arnim - ein Nachfahre des gleichnamigen deutschen Dichters - durch den Lehm stiefelte, noch recht gemächlich zu. Nur wenige ahnten, dass südafrikanische Weine einmal in jedem deutschen Supermarkt zu finden sein würden - und die dortigen Weingüter so begehrt wie Villen am Mittelmeer. „Als ich diese Grube am Rande von Franschhoek entdeckte, sah ich die Möglichkeit, mir endlich meinen Traum von einem unterirdischen Weinkeller zu verwirklichen“, erzählt er in der Probierstube von „Haute Cabrière“ bei einem - wie kann es anders sein - Glas Pinot Noir. Nach viel Überzeugungsarbeit überließ ihm die Stadtverwaltung von Franschhoek das Stück Land für einen günstigen Preis, allerdings unter strikten Auflagen.

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